Das Fiese ist: Man kann das Glitzern der Wasseroberfläche deutlich erkennen. Durch das geöffnete Fenster hört man Gläser- und Flaschengeklirr der ein paar Meter entfernten Strandbar – und alle paar Minuten ein lautes Platschen, wenn der nächste Student in den Rhein hüpft. Im dritten Stock des Gebäudes für Kommunikationsdesign der HTWG Konstanz ist es dagegen vergleichsweise ruhig. Trotz der brütenden Hitze haben sich sieben Studenten hier oben zu einer Redaktionskonferenz verabredet.

„Ich hoffe, wir kommen in zwei Stunden durch – danach können wir ja alle zusammen noch ins Wasser“, begrüßt Lea Luttenberger ihre Mitstreiter. Die 23 Jahre alte Psychologie-Studentin ist die Chefredakteurin des Magazins Campuls. Heute geht es um die Planung der ersten von zwei Ausgaben, die im nächsten Wintersemester erscheinen sollen.

Arbeitsplatz mit Aussicht: Lena Link und Lea Luttenberger (von links) besprechen das Layout der Campuls.
Arbeitsplatz mit Aussicht: Lena Link und Lea Luttenberger (von links) besprechen das Layout der Campuls. | Bild: Schottmüller, Daniel

Zusammen mit Layouterin Lena Link blickt Lea Luttenberger zunächst auf das Erscheinungsbild der vergangenen Ausgabe zurück, die anderen fünf Studenten starten eine Themensammlung. Mit welchen Beiträgen könnte man die 1500 Leser des kostenfreien Magazins fesseln? Gar nicht so leicht, die Gedanken stürmen zu lassen, wenn das Temperaturmessgerät lähmende 34 Grad anzeigt. Aber es dauert nicht lange, dann sprudeln die Ideen.

Cristiano Ronaldo und Dinnele

Vivien Götz schlägt vor, der Frage nachzugehen, inwiefern man Prominente für ihr Privatleben zur Verantwortung ziehen sollte. „Spontan fallen mir Michael Jackson und seine Kindesmissbrauchs-Vorwürfe ein“, sagt die 22-Jährige, die Politik und Verwaltung studiert, „aber auch Fußballer wie Cristiano Ronaldo und Neymar, die man wegen Steuerhinterziehung verurteilt hat.“ Kevin Spacey und Roman Polanksi sind weitere Kandidaten, die die anderen in die Runde werfen. Die Redaktion kann sich mit dem Themenvorschlag für die nächste Ausgabe anfreunden.

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Im Netz muss es thematisch gesehen nicht ganz so brisant zugehen. Passend zu den tropischen Raumtemperaturen entscheiden sich die Studenten dazu, auf der Internetseite der Campuls Geheimtipps für den Sommer zusammenzutragen. Theresa Gielnik zögert zunächst: „Ich weiß gar nicht, ob ich meinen Geheimtipp wirklich bekannt machen will“, sagt sie und lacht. Schließlich siegt der journalistische Instinkt über den Wunsch nach Privatsphäre. „Außerdem ist es ja nur fair, wenn ich nicht die einzige bin, die weiß, wo es die besten Dinnele der Gegend gibt“, meint sie mit einem Augenzwinkern.

Erstis die Angst nehmen

„Sollen wir zum Semesterstart noch etwas für die neuen Erstis machen?“, fragt Malin Jachnow. Sie studiert Biologie an der Uni und unterstützt die Redakteure als Fotografin. Die 19-Jährige schildert, wie sie zu Beginn ihres Studiums Probleme hatte, den weitläufigen Campus mit dem verwirrenden Lageplan zusammenzubringen. Eva Eß schreibt zwar gerade an ihrer Bachelorarbeit, kann sich aber noch genauso lebhaft an ihren Studienbeginn vor drei Jahren erinnern. Von den Altstadtkneipen, die sie damals ansteuerte, scheint sie heute nicht mehr ganz so begeistert.

Bild: Schottmüller, Daniel

Die Redaktion einigt sich darauf, noch mehr solcher Anekdoten zusammenzutragen und, humorvoll verpackt, den Erstis mit auf den Weg zu geben. Frei nach dem Motto: Entspannt euch, Fehler werdet ihr sowieso machen.

Ein Magazin als Spielwiese

Die Campuls richtet sich an Studenten von Uni und HTWG – diese Mischung spiegelt sich auch in der Redaktion wider. Die 21 Jahre alte Lena Link ist allerdings die einzige im Raum, die hier im Gebäude für Kommunikationsdesign studiert.

Ihr gefällt nicht nur, dass sie das, was sie in der Theorie lernt, bei der Gestaltung des Magazins praktisch ausprobieren kann: „Ich finde, es macht auch Spaß, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die etwas anderes studieren als ich.“ Und ein weiterer Reiz des Magazins: „Keine Ausgabe sieht aus wie die andere. Man kann sich wirklich ausprobieren!“

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Das bedeutet jedoch nicht, dass die Redaktion nicht professionell arbeiten würde. „Jeder Text, der bei uns erscheint, wird mindestens von drei anderen Redaktionsmitgliedern gegengelesen“, erklärt Lea Luttenberger. „Und wir haben ein Team von Lektoren, die die Texte anschließend noch auf Rechtschreibfehler checkt.“

Wie andere Zeitungen und Zeitschriften arbeitet auch die Campuls mit wiederkehrenden Inhalten. So endet jede Ausgabe mit einem Kreuzworträtsel und einer Kolumne der Chefredaktion. „Außerdem haben wir Serienformate wie ‚Einem -ismus auf der Spur‘, ‚WG-Einblick‘ oder ‚Ein Blick in den Elfenbeinturm‘, die immer wieder in unseren Ausgaben auftauchen“, erklärt Lea Luttenberger.

Ansonsten ist die Zeitschrift in die Ressorts Politik, Kultur und Hochschulleben unterteilt. Dazu kommen jeweils zwei Artikel pro Ausgabe, die die Arbeit des Studierendenwerks Seezeit beleuchten. Allerdings möchte die Campuls-Chefredakteurin mit einem Missverständnis aufräumen: „Das Studierendenwerk übernimmt zwar die Druckkosten und zahlt uns eine Aufwandsentschädigung – wir schreiben die Campuls aber nicht für Seezeit, sondern für unsere Kommilitonen!“

Schreiben, was man selbst lesen will

Gerade, dass man sich inhaltlich austoben kann und nicht an übergeordnete Vorgaben gebunden ist, macht für Nico Talenta die Mitarbeit bei der Campuls aus. Genau wie Eva Eß und Theresa Gielnik studiert er Literatur-Kunst-Medien. In der Chefredaktion des Studierendenmagazins ist  Talenta für die Online-Inhalte zuständig. „Reichweiten können uns dabei relativ egal sein“, sagt der junge Mann. „Wir sind auch nicht an Klick- oder Verkaufszahlen gebunden“, betont er. „Stattdessen schreiben wir die Geschichten auf, die uns selbst interessieren.“

Das kommt an. „Ich beobachte immer gerne, wenn die neue Campuls ausliegt und sich Leute ein Exemplar mitnehmen und direkt anfangen zu lesen“, sagt Malin Jachnow und lächelt. „Toll ist auch, wenn man von Mitbewohnern oder Freunden auf die neue Ausgabe angesprochen wird“, stimmt Lena Link zu.

Nico Talenta (links) hat die Online-Ausgabe der Campuls im Blick. Bald sollen dort Geheimtipps für den Sommer erscheinen.
Nico Talenta (links) hat die Online-Ausgabe der Campuls im Blick. Bald sollen dort Geheimtipps für den Sommer erscheinen. | Bild: Schottmüller, Daniel

Dass der Redaktion bereits der Entstehungsprozess ihres Produkts Spaß macht, merkt man den sieben Studenten an. Trotz aller Motivation ist nach zwei Stunden aber erst einmal genug. Zumindest, was die Temperaturen angeht, liegt das Wintersemester und mit ihm die nächste Ausgabe ja noch in weiter Ferne. Ihre Abkühlung hat sich die Campuls-Redaktion heute mehr als verdient.