Konstanz Gegenwind für geplantes Werkrealschul-Aus

Eltern wollen Schulzweig an der Geschwister-Scholl-Schule behalten. Die Politik wirft ihnen aber vor, mit Schuld an der Misere zu sein. Und der Berchenschulleiter sieht eine Gefahr für sein Haus. Ein Thema, das im Gesamtelternbeirat für Zündstoff sorgte.

Jetzt melden sich Eltern zu Wort, und sie haben als Möglichkeit für ihre massive Kritik an einer möglichen Schließung der Werkrealschule an der Geschwister-Scholl-Schule die Sitzung des Gesamtelternbeirats (GEB) gewählt. Die Mehrheit der politischen Seite blieb bei ihrer Haltung. Eine Ende des Schulzweigs sei längst überfällig, sagte etwa Günter Beyer-Köhler von der Freien Grünen Liste. Der Schulausschuss hatte sich mit einer Stimme Mehrheit für die Schließung ausgesprochen, das letzte Wort hat bald der Gemeinderat.

Die Eltern können das Vorhaben der Stadt nicht nachvollziehen. Eine Mutter bemühte die Statistik: "In letzter Zeit machen immer mehr statt weniger Kinder den Hauptschulabschluss", sagte sie. "Man kann doch nach dem Zoffingen nicht die nächste Werkrealschule schließen, denn viele Kinder wären an einer Realschule überfordert." Ihre Tochter mache derzeit den Hauptschulabschluss in Radolfzell, weil sie hier keinen Platz bekam.

Eine andere Elternbeirätin pflichtete ihr bei: "Ich werde nicht damit fertig, dass man eine funktionierende Schule dicht machen will, ohne eine Idee zu haben, wie es dort weitergehen soll." Stadträtin Gabriele Weiner vom Jungen Forum ergänzte: "Die Menschheit ist in den vergangenen zehn Jahren nicht schlauer geworden. Und damals gab es je ein Drittel Haupt-, Realschüler und Gymnasiasten."

Volles Haus bei der Konstanzer Gesamtelternbeiratssitzung im Suso-Gymnasium: Elternvertreter, Schulleiter und Stadträte tauschen ihre Meinungen zur Schulentwicklung aus.
Volles Haus bei der Konstanzer Gesamtelternbeiratssitzung im Suso-Gymnasium: Elternvertreter, Schulleiter und Stadträte tauschen ihre Meinungen zur Schulentwicklung aus. | Bild: Kirsten Schlüter

Für diese Aussage erhielt sie zwar Applaus, aber auch Gegenwind. Amtsleiter Frank Schädler betonte immer wieder, die zu geringen Anmeldezahlen für Fünftklässler ließen keinen anderen Weg zu. "Wir überlegen seit Jahren, welche Schularten an der Scholl-Schule sinnvoll sind", so Schädler. "Wenn wir jetzt keine Entscheidung treffen, drehen wir eine erneute Ehrenrunde, um ein konkretes Raumprogramm für den dringend nötigen Ausbau definieren zu können."

Dann fragte er in die Runde: "Wenn die Werkrealschule an der GSS so wichtig ist – warum erreicht sie dann seit Jahren nicht die nötigen Anmeldezahlen?" Andreas Hipp, Geschäftsführender Schulleiter der Konstanzer Grund-, Förder- und Werkreal- und Realschulen, spielte den Ball ebenfalls an die Familien zurück: "Dass diese Schulart in Frage steht, liegt nicht an den Lehrern oder der Schule. Das liegt an Ihnen, weil Sie dort keine Kinder mehr anmelden."

Darauf entgegnete Gabriele Weiner: "Das ist erklärbar. Viele Eltern schicken ihr Kind zunächst lieber auf eine Realschule, merken später aber, dass es das nicht packt. Die Zahl der Rückläufer ist hoch, an der Scholl-Schule sind die Klassen ab Stufe 7 voll." Ihre Gemeinderatskollegen Alfred Reichle (SPD), Susanne Heiß (Freie Wähler) und Günter Beyer-Köhler (Freie Grüne Liste) stehen dagegen auf der Seite der Verwaltung.

Letzterer meinte: "Den Beschluss zum Auslaufen der GSS-Werk­realschule hätten wir schon vor zwei Jahren treffen sollen. Die Berchenschule erhält nun durch Container die Möglichkeit, sich übergangsweise als durchgängig zweizügige Werkrealschule zu entwickeln. Das könnte ja auch in Zukunft so laufen." 

 

Die Zukunft der Vorbereitungsklassen

  • Das Problem
    Noch sind drei Internationale Vorbereitungsklassen (VKL) für Kinder mit keinen oder wenigen Deutschkenntnissen an der Scholl-Schule (GSS) angesiedelt, eine am Humboldt-Gymnasium und weitere an Grundschulen. Durch die eventuelle Neustrukturierung der GSS könnten drei Klassen wegfallen. Dabei ist die Nachfrage groß: Laut Schulamtsleiter Frank Schädler können momentan 13 Schüler nicht in den VKL am Scholl untergebracht werden. GEB-Vorsitzende Alexandra Bek wünscht ein gutes Konzept für die Zukunft der VKL. Schädler sagte in der GEB-Sitzung: "Wir müssen nicht nur eine Schule finden, die weitere solcher Klassen aufnimmt, sondern mehrere. Kein Kollegium darf sich dem verschließen. Heute habe ich noch keine Lösung."
  • Mögliche Varianten
    Schulleiter Andreas Hipp und Stadtrat Günter Beyer-Köhler brachten die Theodor-Heuss-Realschule ins Spiel. Dort kam anstatt zwei nur eine fünfte Klasse zustande, folglich müsste dort Platz für eine VKL sein. Rektor Frank Raddatz habe mehrfach die Bereitschaft signalisiert, internationale Kinder aufzunehmen. Frank Schädler versprach eine Prüfung. Hipp hinterfragte, warum die VKL nicht an der GSS bleiben könnten, die Schulform sei nicht an die Werkrealschule gebunden.

 

Ob die Berchenschule das selbst für sinnvoll erachtet, danach fragte in der Sitzung niemand. Rektor Elmar Mosbrugger äußerte sich gegenüber dem SÜDKURIER so: "Ich bin für den Erhalt der zweiten Werkrealschule. Wenn die Berchenschule die einzige Konstanzer Schule dieses Typs wird, besteht die Gefahr, dass sich verschiedene Problemlagen an einer Schule konzentrieren. Das Berchengebiet hat sich aber durch vielerlei Maßnahmen seitens der Stadt positiv entwickelt. Die Berchenschule kann ihr pädagogisches Konzept nur als kleine Einheit realisieren. Das sollte man nicht aufs Spiel setzen."

Die Entscheidung über die Zukunft der Scholl-Schule soll aller Voraussicht nach am Dienstag, 19. Dezember, im Gemeinderat fallen.

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