Lina Campisi sitzt an einem Tisch in einem Konstanzer Café. Immer wieder wandert ihr Blick dort zu einer Topfpflanze. Es ist ein Orangenbaum, der schon kleine Früchte trägt. "Die kleine Orange dort könnte ein tolles Bild sein", sagt Campisi: "Das gefällt meinem Auge." Und was der 68-Jährigen gefällt, das fotografiert sie.

Damit begeistert sie auch zahlreiche andere Konstanzer. In der Facebook-Gruppe "Du bist aus Konstanz wenn" postet sie unter ihrem Mädchennamen Rinaldi regelmäßig Fotos aus Konstanz. Bei den Mitgliedern der Gruppe ist sie daher eine kleine Berühmtheit – ihre Fotos bekommen viele Likes und Kommentare.

Jeden Tag ist die Rentnerin mit ihrem Fahrrad und ihrer Kamera, die sie Baby nennt, in Konstanz und Umgebung unterwegs. Immer auf der Suche nach einem schönen Motiv.

Campisi hat eine Schwäche für Mohnblumenfelder, wie hier auf der Insel Reichenau.
Campisi hat eine Schwäche für Mohnblumenfelder, wie hier auf der Insel Reichenau. | Bild: Lina Campisi

Die gebürtige Italienerin wuchs in der Nähe von Bologna auf und lebte gemeinsam mit ihrem Mann in Luzern. Vor rund 48 Jahren kamen sie dann gemeinsam nach Konstanz. Campisi ist nicht nur Mutter von zwei Söhnen, sondern auch Oma.

Vor etwa einem Monat hat sie ihren Job im Verkauf aufgegeben. Ihre freie Zeit widmet sie am liebsten der Fotografie. Dabei hat es recht lange gedauert, bis sie das Hobby für sich entdeckt hat. Erst vor drei Jahren habe es bei ihr "Klick" gemacht, wie Campisi den Moment beschreibt.

Erst vor drei Jahren hat Campisi mit dem Fotografieren begonnen. Heute ist sie dafür täglich in der Stadt unterwegs.
Erst vor drei Jahren hat Campisi mit dem Fotografieren begonnen. Heute ist sie dafür täglich in der Stadt unterwegs. | Bild: Wetschera, Wiebke

Dann beginnt Campisi vom Fotografieren zu berichten. Sie lächelt dabei ununterbrochen und gerät schnell ins Schwärmen: "Fotografie ist mein Leben", sagt Campisi. So sehr, dass sie – obwohl sie sich als Morgenmuffel bezeichnet – sogar für ein Foto früh aufsteht. Den Sonnenauf- und untergang fotografiert sie am liebsten.

"Ich schaue jeden Abend den Sonnenuntergang an", sagt Campisi. Die Motive gehen ihr trotzdem nicht aus. Sie ist regelmäßig auf der Mainau zum Fotografieren. "Ich finde jedes Mal etwas Neues", sagt Campisi. Eben deshalb geht sie meist mit rund 600 Fotos nach Hause.

Campisi fotografiert besonders gerne Sonnenuntergänge. Jeden Abend schaut sie sich den Sonnenuntergang an.
Campisi fotografiert besonders gerne Sonnenuntergänge. Jeden Abend schaut sie sich den Sonnenuntergang an. | Bild: Lina Campisi

Auf der Suche nach besonderen Augenblicken

Thomas Kopp will mit seinen Fotos vor allem die Entwicklung der Stadt darstellen. Der gebürtige Friedrichshafener wohnt seit sechs Jahren in Konstanz und hat sich auf den ersten Blick in die Stadt verliebt. "Ich liebe Konstanz und alles, was damit zu tun hat", sagt Kopp. Auch der 50-Jährige postet seine Fotos regelmäßig in der Facebook-Gruppe "Du bist aus Konstanz, wenn...".

Kopps Motivation dahinter ist einfach: "Ich freue mich immer, wenn andere dort Bilder posten", sagt er. Das rege ihn dazu an, auch selbst aktiv zu werden. Sein Job im Marketing lässt ihm dafür viel Zeit, denn er muss nur vier Tage die Woche arbeiten. In seiner Freizeit fährt Kopp mit seinem grünen Cityroller durch die Stadt und fängt besondere Momente ein. "Das kann ein lachendes Kind, ein Schild an einem Haus oder einfach eine Blume sein", sagt Kopp.

Kopp veröffentlicht seine Bilder erst seit drei Monaten, doch das macht ihm viel Spaß.
Kopp veröffentlicht seine Bilder erst seit drei Monaten, doch das macht ihm viel Spaß. | Bild: Wetschera, Wiebke

Kopp hat sich bewusst dazu entschieden, ausschließlich mit dem Handy zu fotografieren. "Meine Kamera hatte ich in den richtigen Situationen nie dabei", sagt er. Sein Handy hat er immer dabei, um im richtigen Moment auf den Auslöser zu drücken. "Man läuft ganz anders durch Konstanz", sagt Kopp. Am liebsten lichtet der Hobby-Fotograf die Rheinpromenade ab.

Die Rheinpromenade im Abendlicht ist eins seiner liebsten Motive.
Die Rheinpromenade im Abendlicht ist eins seiner liebsten Motive. | Bild: Thomas Kopp

Regelmäßig fotografiert Kopp erst seit drei Monaten, im Juni hat er auch einen eigenen Blog mit dem Namen "Konstanz leben und genießen" gegründet. Mit seinen Bildern will Kopp den Konstanzern die Schönheit ihrer Stadt ins Gedächtnis rufen: "Es gibt auch hier nicht nur Sonnenschein", sagt er. "Aber es gibt viel Sonnenschein, den die Leute übersehen."

Die Arbeit der vielen Hobby-Fotografen, die ihre Bilder regelmäßig auf Facebook posten, sieht Kopp daher als wichtig an. "Unsere Fotos sollten eigentlich auf die städtische Homepage, damit die Stadt da mal so schön gezeigt wird, wie sie wirklich ist", sagt Kopp.

Das Hobby soll ein Hobby bleiben

Die schönen Seiten von Konstanz zeigen, das ist ein Anspruch, den auch Lina Campisi hat. Sie setzt beim Fotografieren auf Einfachheit. Sie hat eine kompakte Kamera, muss kein Objektiv wechseln. Auf besonders aufwendige Einstellungen verzichtet sie beim Fotografieren vollkommen: "Für mich ist das in meinem Alter zu kompliziert", sagt Campisi. Sie fotografiert nach der Devise: "Nicht der Fotoapparat macht das Bild, sondern das Auge." Damit wählt sie auch ihre Motive aus. Wenn sie etwas sehe, was ihr gefalle, dann fotografiere sie es.

Dementsprechend schwer seien gemeinsame Spaziergänge mit Freunden geworden. "Ich bleibe an jeder Ecke stehen wie ein Hund", sagt Campisi und lacht. Die Fotos macht sie hauptsächlich für sich selbst. Ans Verkaufen oder Ausstellen ist für die Italienerin nicht zu denken. "ich möchte mein Hobby für mich", sagt sie. Wie viele Fotos sie schon gemacht hat, hat sie nie gezählt. Doch es seien "sehr, sehr viele".

Auch der Orangenbaum im Konstanzer Café gehört ab sofort dazu. Denn der lässt die Hobbyfotografin nicht los – und so macht sie direkt nach dem Gespräch ein Foto davon.

Das Foto vom Orangenbaum wollte Campisi unbedingt machen.
Das Foto vom Orangenbaum wollte Campisi unbedingt machen. | Bild: Lina Campisi