400 Kleingärten im Schweizer Gebiet Tägermoos gehören der Stadt Konstanz. Wer in Konstanz, Tägerwilen oder Kreuzlingen seinen Hauptwohnsitz hat, kann einen dieser Gärten pachten. Die Warteliste ist lang, wer sich dort einträgt, muss ein paar Jahre Geduld haben, ehe er mit einem Zuschlag rechnen kann.

Iris und Christian Schöpf sind seit 2014 stolze Pächter eines dieser Schrebergarten. 200 Quadratmeter mit Gartenlaube, ohne Strom, aber mit Obstbäumen und Gemüsefeldern. Noch am vergangenen Sonntag baute das Ehepaar dort den Grill auf und freute sich auf den Beginn der Saison. „Da wussten wir nicht, dass das der letzte Besuch bis voraussichtlich Ende April gewesen sein sollte“, sagt Christian Schöpf.

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Gartenbesuch ist kein „triftiger Grund“ für die Einreise in die Schweiz

„Die Grenze ist dicht. Lediglich Pendel- und Warenverkehr darf in die Schweiz einreisen“, sagte ein Schweizer Grenzbeamter, als die beiden am Dienstag ihren Garten besuchen wollten.

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„Der Besuch eines Kleingartens ist kein triftiger Grund.“ Iris und Christian Schöpf wollen das nicht verstehen – wie übrigens viele andere Konstanzer Gartenpächter auch nicht. „Märzzeit ist Pflanzzeit“, sagt der 40-Jährige. „Wenn wir tatsächlich bis Ende April oder sogar noch länger nicht im Garten arbeiten können, wird es dort aussehen wie Kraut und Rüben.“

Auch im Beruf ist Kleingärtner Christian Schöpf von der Corona-Krise getroffen

Christian Schöpf arbeitet an der Uni und hat auch hier schon die negativen Auswirkungen von Corona zu spüren bekommen. Er ist für die Austragung der Eurokonstantia federführend verantwortlich. Ein viertägiges Ereignis, bei dem mehr als 1000 Studenten aus aller Herren Länder in den klassischen Mannschaftssportarten ihre Besten suchen.

„Das sollte im Juni stattfinden. Wurde aber auch abgesagt“, erzählt er. Als Leiter der Skischule der Uni muss er auch das frühzeitige Saisonende ausrufen. Und die geplante Reise zum Beirut Unisports Festival fiel ins Wasser.

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Warum die Situation für Künstler besonders schwierig sein kann

Auch Kunstschaffende leiden unter der Grenze. Für Jan Peter Thorbecke war es immer das Selbstverständlichste von der Welt, von Konstanz nach Kreuzlingen in sein Atelier zu radeln. Seit Montag ist damit Schluss. Er darf nicht mehr in die Schweiz einreisen.

Der Konstanzer Künstler Jan Peter Thorbecke(Mitte, an seiner Seite Gattin Christel Thorbecke) hat zwar eine Bestätigung seines Vermieters, dass sich sein Arbeitsort in Kreuzlingen befindet, darf aber nicht die Grenze passieren, um in seinem Atelier arbeiten zu können. Der Thurgauer Kantonsrat Jost Rüegg (links) setzt nun alle Hebel in Bewegung, um eine Lösung dieses Sonderfalls herbeizuführen
Der Konstanzer Künstler Jan Peter Thorbecke(Mitte, an seiner Seite Gattin Christel Thorbecke) hat zwar eine Bestätigung seines Vermieters, dass sich sein Arbeitsort in Kreuzlingen befindet, darf aber nicht die Grenze passieren, um in seinem Atelier arbeiten zu können. Der Thurgauer Kantonsrat Jost Rüegg (links) setzt nun alle Hebel in Bewegung, um eine Lösung dieses Sonderfalls herbeizuführen | Bild: Scherrer, Aurelia

Als freischaffender Künstler hat er keinen Grenzgängerausweis, mit dem er die Grenze passieren könnte. Der Vermieter seines Ateliers schickte per Mail eine „Bestätigung Arbeitsort Kreuzlingen„. „Damit bin ich wieder zum Zoll und wurde wieder abgewiesen“, so Thorbecke.

Der Kantonsrat will sich um den Sonderfall kümmern

„Klar, es gibt einen Haufen Regelungen. Aber dieser Sonderfall wurde nicht bedacht“, meint der Thurgauer Kantonsrat Jost Rüegg. Im Verhältnis zur Gesamtsituation sei dieser Fall zwar nicht dramatisch, aber dennoch gehe es hier um eine Existenz. „Ich versuche zu klären, ob er eine Bewilligung bekommt.“

Jetzt ist Jan Thorbecke erst einmal zur Untätigkeit verdammt, wie er sagt, dabei war er gerade dabei, eine Ausstellung vorzubereiten. Ungewissheit prägt gerade das Leben von Christel und Jan Peter Thorbecke, denn es gibt viele weitere ungeklärte Fragen.

Ihre behinderte Tochter lebt auf dem Ekkharthof in Lengwil. „Kann sie uns noch besuchen kommen?“, auch diese Frage stellt sich Christel Thorbecke. „Eine schwere Sorge“, meint sie und fügt an: „Wir wissen gar nicht, wie es weitergeht.“

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