Konstanz Fröhliche Stunden für Flüchtlingskinder

Das Helfer-Netzwerk Save me, Stadtverwaltung und Sportvereine organisieren in den Ferien ein Bewegungsangebot für die Kinder von Flüchtlingen.

Dieser Eifer lässt sich so schnell nicht bremsen. Die Sportstudentinnen Lea Grathwohl und Natalie Poisel haben alle Hände voll zu tun, um Ordnung in den Rutschspaß für Kinder und Jugendliche mit der Riesenmatratze zu bringen. In Vierergruppen springen sie auf die große weiche Matte, um ihr so den Schub zu geben, der sie einige Meter über den Boden der Petershauser Sporthalle schlittern lässt.

Dieses Matratzen-Rutschen ist der Hit beim Ferienangebot für Flüchtlingskinder in der Halle. Drei Wochen lang bieten immer drei Trainer für jeweils zwei Stunden Bewegungsspiele an, bei denen sich Kinder und Jugendliche austoben können. Bis zu 20 Kinder nutzen täglich den Bewegungsparcours, den das Helfernetzwerk Save me in Zusammenarbeit mit dem Stadtsportverband und dem Sportamt der Stadt Konstanz ins Leben gerufen hat. Denn in den Ferienzeiten ruhen viele andere Angebote. Ähnliche Sportwochen wird es voraussichtlich nun auch in anderen Ferienzeiten geben.

Initiator der Bewegungswochen ist Friedhelm Großmann vom Helfernetzwerk Save me, ein unermüdlicher Antreiber in Sachen Integration über Sport. Die Kinder in den Unterkünften der benachbarten Steinstraße und der Luisenstraße kennen ihn schon. Er hat schon mehrere Schwimmkurse für Flüchtlingskinder organisiert. Er sagt: „Integration muss man anstoßen.“ Er ist überzeugt, dass dies bei Kindern und Jugendlichen am besten über Vereine geschieht. Er setzt sich ehrenamtlich dafür ein, dass Vereine und Flüchtlingskinder zusammenkommen und dass organisatorische Probleme, gelöst werden. Als Partner und Träger des Ferienangebots stehen ihm der Stadtsportverband mit Harald Schuster und das städtische Sportamt mit Leiter Frank Schädler sowie der Praktikantin Elisa Dietenberger zur Seite. Für die Feriensportwochen haben alle vier eng zusammengearbeitet und insgesamt trotz der schon angelaufenen Sommerferien kurzfristig acht Trainer und Sportstudenten für die Arbeit mit den Kindern gewinnen können. Eine von ihnen ist Lea Grathwohl, die sagt, sie probiere einfach aus, was den Kindern Spaß mache.

Wer sieht, mit welchem Eifer sich die Kinder in die Bewegungsspiele stürzen, muss nicht fragen, ob sie Freude haben. Einige Kinder sagen, sie seien fast jeden Tag gekommen. Nur in der ersten Woche habe er für das Angebot in den Unterkünften werben und die Kinder abholen müssen, sagt Großmann. „Jetzt müssen wir keinen mehr aus dem Bett holen.“ Die Kinder gingen selbstständig von den Unterkünften in die Halle.

Für den Vorsitzenden des Stadtsportverbands, Harald Schuster, ist es selbstverständlich, dass er sich für die Flüchtlingskinder einsetzt, obwohl die von ihm trainierten Volleyballer des USC wegen der Flüchtlinge ihre Trainingsstätte verloren haben. Denn die Sporthalle der Zeppelin-Gewerbeschule wurde zur Unterkunft umfunktioniert. Schuster hat schon einige Erfahrung in der Integrationsarbeit. Mit dem USC begründete er während der Aussiedlerwelle 1991 die bis heute bestehende integrative Sportwoche auf dem Schänzleareal. Für das Sportangebot in den Ferien gilt für ihn: „Wir machen keine Unterschiede, ob ein Flüchtling anerkannt ist oder nicht. Bei den Kindern spielt das sowieso keine Rolle.“ Eine Herausforderung werde es sein, die Anbindung an Vereine aufrechtzuerhalten, auch wenn Flüchtlinge von der Erstunterkunft auf andere Gemeinden verteilt werden.


Das Helfer-Netzwerk

In Konstanz engagieren sich Bürger ehrenamtlich als Paten für Flüchtlinge im Helfernetzwerk Save me (englisch: Rette mich). Im Netzwerk sind 300 Helfer registriert, von denen 170 schon konkret tätig geworden sind. Friedhelm Großmann leistet wichtige Koordinationsarbeit zwischen Sportvereinen, die sich für Flüchtlinge engagieren wollen, und den Kindern und Jugendlichen in den Unterkünften. Vereine könnten sich Flüchtlingskindern ohne großen bürokratischen Aufwand annehmen, sagt Harald Schuster, Leiter des Stadtsportverbands. Über den Badischen Sportbund oder die Versicherung für Nichtmitglieder sei der Versicherungsschutz in der Regel gewährleistet. (rin)

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