Konstanz Freude bei Konstanzer Hobbysportlern: Die neuen Geräte im Trimm-Dich-Pfad Lorettowald werden eingebaut

Eine Privatinitiative hat die erforderlichen 24 000 Euro gesammelt. Die öffentliche Eröffnung ist für den 18. Mai geplant

Die Freunde des Trimm-dich-Pfades im Lorettowald haben allen Grund zur Freude, denn ihr ungewöhnliches Bürger-Engagement hat sich gelohnt. Der Abbau und damit die Auflösung des althergebrachten Trimm-dich-Pfads hatte seinerzeit für Furore gesorgt. Die aktiven Nutzer hatten sich zu einer Interessensgemeinschafts zusammengeschlossen, gemeinsam mit der Stadt nach Lösungen gesucht, 24 000 Euro gesammelt und damit den Grundstein für die Wiederherstellung gelegt. Das Bürgerengagement freut natürlich die städtischen Vertreter. "Wir kommen gerne den Forderungen der Läufer nach, die in einer kompakten Runde im Lorettowald Stationen nutzen wollen", sagt Frank Schädler, Leiter des Amtes für Bildung und Sport. Als Ersatz war eigentlich der Parcours auf der Thermalwiese am Hörnle gedacht, "aber es gibt ein Klientel, das lieber etwas abseits im Wald trainieren möchte", so Schädler. Und deshalb werden nun mit Sprossenwand, Hangelleiter, Balken und Balancierbalken vier von einstmals sechs Stationen im Wald aufgebaut.

Vor einem Jahr: Die Fitnessgeräte im 1972 errichteten Trimm-dich-Pfad im Lorettowald wurden langsam morsch. Damals wurden sie Stück für Stück abgebaut, jetzt werden sie ersetzt. Bild: Aurelia Scherrer
Vor einem Jahr: Die Fitnessgeräte im 1972 errichteten Trimm-dich-Pfad im Lorettowald wurden langsam morsch. Damals wurden sie Stück für Stück abgebaut, jetzt werden sie ersetzt. Bild: Aurelia Scherrer | Bild: Aurelia Scherrer

Witterungsbeständige Eiche

Gestern bauten die Zimmerleute Ralf Kluge, Robin Oexle und Noel Böck mit der Hangelleiter das erste Gerät wieder aufgebaut. Das nach Normmaßen gefertigte Sportgerät besteht aus witterungsbeständiger Eiche, so Ralf Kluge. Bereits in der Werkstatt wurden die Einzelteile vorgefertigt und auf der 4 Meter auf 4,50 Meter großen Grundfläche direkt an der Brücke an der Fontainebleau-Allee aufgebaut. Das Gerät fußt auf einer einbetonierten Stahlkonstruktion. Die Hangelleiter wurde zudem mit einem überstehenden Dach versehen. Und noch ein Zückerle für Sportler und Spaziergänger: "Hinter der Hangelleiter bauen wir noch eine Sitzbank auf", so Ralf Kluge.

Erfolgreicher Protest

Die Jogger-Lobby machte mobil vor einem Jahr: Nachdem Andreas Dachtler im Mai 2017 die Entfernung der Sportgeräte im beliebten Trimm-Dich-Pfad im Lorettowald im SÜDKURIER anprangerte, wurde die Anzahl der Sportler, die den alten Zustand herbeisehnen, täglich größer. "Es kann doch nicht sein, dass diese tolle Anlage ersatzlos gestrichen wird", sagte damals Ernst Redl, der regelmäßig hier unterwegs ist. "9000 Schritte täglich", erzählt der heute 85-Jährige stolz. "Und dazu die Übungen, die ja jetzt leider nicht mehr möglich sind. Wir werden kämpfen, damit wir unseren Pfad wiederbekommen." Frank Schädler, Leiter des Sportamts, nannte die Gründe für den Abbau der Geräte nach dreizehn Jahren: "Wir hatten keine andere Möglichkeit, da eine Analyse ergeben hat, dass die Sicherheit nicht mehr gewährleistet war." Aus Versicherungsgründen habe die Stadt als Bereitsteller des Services handeln müssen, die Gefahr von Unfällen aufgrund des maroden Holzes war zu hoch. Schädler: "Wir haben ja ein großes Interesse an Sport treibenden Bürgen", fährt Frank Schädler fort. "Doch sobald Gefahr für den Menschen droht, müssen wir eingreifen." Auf der Thermenwiese sorgte die Stadt für Ersatz. "Der erfüllt zwar nicht jeden Anspruch, aber es gibt dort auch andere sportliche Angebote." Für Ernst Redl war das kein Vergleich: "Vor allem für uns ältere Menschen, die wir uns nicht gerne beobachten lassen, war der Pfad im Lorettowald prädestiniert."

"Das Bildungsthema liegt in einem enorm dynamischen Umfeld mit vielen Interessengruppen": Frank Schädler beschreibt die Herausforderungen der Schulentwicklung diplomatisch.
"Das Bildungsthema liegt in einem enorm dynamischen Umfeld mit vielen Interessengruppen": Frank Schädler beschreibt die Herausforderungen der Schulentwicklung diplomatisch.

Großspender und Privatleute halfen

Und so nahm der einstige Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Kontakt auf zu seinem Bekannten Konrad Frommer, ehemals Geschäftsführer der Stadtwerke. "Ich weiß als Ex-Amtsleiter, dass es bei einer Stadt oftmals am Geld scheitert", so Konrad Frommer. "Wir haben das Sportamt angeschrieben und um Unterstützung gebeten." Darüber hinaus schrieben die Rentner Serviceclubs wie die Lions oder Rotary an. Ernst Redl kann heute stolz verkünden: "Neben den Großspenden freuen wir uns auch über einige Privatleute, die Geld zugeschossen haben. Auch die Stadt mit Frank Schädler hat gut mitgemacht, damit wir endlich neue Geräte erhalten." Die 24 000 Euro wurden in die eigentlichen Geräte gesteckt, die Stadt übernimmt die Kosten für die Arbeiten – vom Legen des Fundaments bis zum Aufstellen. "Das hat auch damit zu tun, dass die Stadt als Betreiber die Haftung übernehmen muss", erklärt Ernst Redl, der glücklich ist über den Ablauf: "Das zeigt mir, was man mit Engagement und dem nötigen Netzwerk alles erreichen kann."

Freude beim Sportamt

Frank Schädler gestern auf SÜDKURIER-Nachfrage: "Wir freuen uns, dass sich die Bürger so sehr für den Wiederaufbau der Geräte eingesetzt haben. Zusammen mit den Technischen Betrieben Konstanz und der Zimmerei Weber konnte ein gutes, zukunftsfähiges Konzept gestaltet und jetzt zeitnah umgesetzt werden." Aufgestellt werden eine neue Sprossenwand, eine überdachte Hangelleiter mit Sitzmöglichkeit, eine Querstangen-Kombianlage sowie ein ebenfalls überdachter Stützbarren mit Balance-Balken. Die Stationen werden in dieser und in der nächsten Woche aufgebaut, die offizielle Eröffnung findet voraussichtlich am 18. Mai mit einer Feierstunde statt.

Positives Ende

Andreas Dachtler war vor rund einem Jahr der erste Sportler, der mobil machte gegen den Abbau. Er war nahezu täglich im Wald unterwegs. "Es ist ja toll, dass eine Privatinitiative Geld sammelt", sagt er. "Aber in meinen Augen ist es Aufgabe der Stadt, für Ersatz zu sorgen. Aber nun gut, am Ende ist es egal, wer die Geräte finanziert hat. Hauptsache sie kommen zurück." Er hat rund 500 Unterschriften gesammelt, die an die Stadt übergeben wurden. Auf seinem Flugzettel hieß es unter anderem: "Die neue Anlage an der Thermenwiese ist allenfalls eine Ergänzung, aber kein Ersatz." Laufkamerad Eckart Schleyer stieß damals die Art und Weise das Abbaus nach wie vor übel auf: "Ohne Infos waren die Geräte plötzlich weg. Da kommt man sich vor den Kopf gestoßen vor." Ihr Ärger und Engagement haben nun ein positives Ende gefunden.

Der Lorettowald

Seit 1907 gehört er zur Spitalstiftung, die auf ihrer Homepage schreibt: "Auf dieses wunderbare Grün sind wir stolz. Er soll Konstanzern sowie Gästen ein Ort der Freude, Erholung und des Sportes sein. Der Baumbestand ist ein schönes Bild des Gleichgewichtes. Unser Lorettowald ist kein geputzter Wald – hier darf auch schon mal ein Baum liegenbleiben und langsam vermodern. Kinder spielen im Lorettowald; sie bauen Hütten – das gefällt uns! Hunde genießen die Stämme, auf denen sie balancieren können."

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