Der Krimi spielt vor fast 700 Jahren und ist 600 Seiten stark. Wie soll das funktionieren als Theaterstück im Jahr 2016? Wie wird aus dem Weltbestseller "Der Name der Rose" von Umberto Eco eine Freiluft-Inszenzierung am Konstanzer Münster? Was macht eigentlich ein Regisseur, eine Dramaturgin, ein Inspizient? Und lohnt es sich, das Stück selbst anzuschauen, das am Freitag, 24. Juni, Premiere hat? Lauter Fragen, auf die 14 Leserinnen und Leser des SÜDKURIER jetzt eine Antwort erhalten haben. Aus berufenem Munde und aus eigener Anschauung. Groß waren Interesse und Begeisterung bei "Der SÜDKURIER öffnet Türen", gemeinsam ermöglicht von Redaktion und Theater.

Herbert Olschok, ein markanter Typ, erzählt zu Beginn: Das Stück ist aktuell wie nie. Es geht um verbotenes Wissen, im Roman die Schriften in der Klosterbibliothek, die die Frömmigkeit ins Wanken bringen könnten. Das hat für den Regisseur viel Bezug zu heute, wenn Parlamentarier nur unter höchster Geheimhaltung Dokumente zum Freihandelsabkommen TTIP einsehen dürfen. Dramaturgin Laura Ellersdorfer erklärt, warum das Münster eine tolle Kulisse für diese Geschichte ist, aber ein großer Platz ganz andere Anforderungen an die Inszenierung stellt. Olschok ergänzt: Weil das Spiel wegen des Lärmschutzes für die Anwohner um punkt 22 Uhr vorbei sein müsse, könne man kaum mit Licht arbeiten, und Grusel-Stimmung muss auch ohne Dämmerung aufkommen.

Als sie erleben, wie eine einzige von unzähligen Szenen geprobt wird, bekommen die Gäste nicht nur eine Idee vom fertigen Stück. Mindestens so beeindruckend finden sie, dass der kurze Ausschnitt wieder und wieder durchgespielt werden muss. Es ist ein kurzer Dialog zwischen den beiden Hauptpersonen, dann wird aus einem Kübel ein toter Mönch gezogen. Wie ist sichergestellt, dass die Handlung von allen Plätzen aus gut zu sehen ist? Wie transportieren die Schauspieler das Entsetzen bis in die letzte Reihe?

Nach eineinhalb Stunden haben die SÜDKURIER-Leser immer noch nicht genug. Sie sind beeindruckt, wie Laien und Profis miteinander arbeiten, freuen sich über das Lob von Herbert Olschok für die Konstanzer, die Zeit und Talent in dieses Projekt stecken. Sie lernen, dass der Inspizient so etwas wie der Gewährsmann dafür ist, dass alle Abläufe funktionieren. Und sie sind sich sicher: Für dieses Theaterstück eine Karte zu kaufen, lohnt sich auf alle Fälle.

Freiluft-Theater

Im Rahmen der Konzilfestspiele führt das Theater Konstanz eine Bühnenfassung von "Der Name der Rose" auf. Premiere ist am Freitag, 24. Juni, es folgen bis 24. Juli nicht weniger als 25 weitere Aufführungen, meist um 19 Uhr. Im Freilichttheater finden 600 Zuschauer Platz. Genaue Termine sowie Karten (35 Euro) sowie Informationen zur ab 30. Juli folgenden Wiederaufnahme von "Konstanz am Meer" (2014) gibt es im Theater oder unter: www.theaterkonstanz.de