Darauf haben Radfahrer seit Jahrzehnten gewartet: Ab dem Tägerwiler Zoll fahren sie nun sicher und bequem auf einem neuen, 3,50 Meter breiten Radweg durchs Tägermoos, der nach 1,3 Kilometern Anschluss an den bestehenden ausgebauten Bodensee-Radweg hat.

Der Radweg durchs Tägermoos ist einer der bestfrequentierten im süddeutschen Raum

Das sagt Andy Heller, Leiter der Abteilung Tiefbau beim Kanton Thurgau. Das Bauwerk auf Schweizer Seite ist fertig. Jetzt fehlt noch der bessere Anschluss für Radfahrer ab dem Zoll auf Konstanzer Seite zur Radbrücke in die Gottlieber-Straße. Dieser Abschnitt gilt noch als zu unsicher.

Geplant sind die Fortsetzung des Radwegs und eine Querungshilfe kurz vor der Einmündung Grießeggstraße – dort nämlich gibt es oft regen Verkehr, weil viele Autofahrer den großen Gemeinschaftszoll umfahren wollen. Die geplante Querungshilfe soll so aussehen, dass eine Verkehrsinsel die Fahrbahn teilt und dem Radfahrer das sichere Überqueren erleichtert.

Auf die Ausschreibung der Arbeiten seien keine Angebote eingegangen, sagt Wolfgang Seez, Leiter des Tiefbauamts Konstanz. Er hofft, dass nun eine zweite Ausschreibung Erfolg bringt und ab Herbst das letzte Stück gebaut werden kann.

Es war eine der Nervstrecken für Radfahrer: Wer entlang der Konstanzer Straße durchs Tägermoos fuhr, der fand nur einen schmalen Pfad, auf dem sich Fußgänger und Radfahrer stetig in die Quere kamen

Vor 30 Jahren, so erinnert sich Tägerwilens Gemeindepräsident Markus Thalmann, habe es noch nicht einmal diesen Pfad gegeben, was ihn damals als Familienvater, der seine zwei Kinder im Anhänger des Rades hatte, ziemlich ärgerte. Direkt auf der engen Straße zu fahren, galt und gilt als gefährlich.

Vor zehn Jahren hat Thalmann zusammen mit dem damaligen Chef des Konstanzer Hochbauamts Johannes Kumm zwischen Badistraße und vierter Straße im Tägermoos dann wenigstens in einer „Blitzaktion“ das schmale Radsträßle angelegt. Jetzt eröffnete Thalmann den lange herbeigesehnten richtigen Radweg, für den teilweise Grundstücke erst erworben werden und Schnittstellen mit den Gemüseproduzenten im Tägermoos abgesprochen werden mussten.

Der Bau wurde durch eine grenzüberschreitende Gemeinschaftsaktion im Agglomerationsprogramm möglich: Schon 2006 hatten sich die Nachbarkommunen beidseits der Grenze entschlossen, für die Bereiche Siedlung und Verkehr ein gemeinsames Konzept zu erarbeiten. Dazu gehörte der Ausbau des Radwegs im Tägermoos.

Sekunden nach der offiziellen Eröffnung des neuen, breiten Radwegs durchs Tägermoos kommt auch schon die erste Radfahrerin. Auf dem breiten Weg ist sie so flott unterwegs, dass es nicht möglich war, sie nach ihrem Namen zu fragen.
Sekunden nach der offiziellen Eröffnung des neuen, breiten Radwegs durchs Tägermoos kommt auch schon die erste Radfahrerin. Auf dem breiten Weg ist sie so flott unterwegs, dass es nicht möglich war, sie nach ihrem Namen zu fragen. | Bild: Claudia Rindt

Der Schweizer Bund betätigte 2015, sich an den Kosten zu beteiligen. Auf die tatsächliche Finanzierungsvereinbarung aber mussten die Gemeinden noch warten.

Als diese in trockenen Tüchern war, ging der eigentliche Bau dann schnell: Nach den langwierigen Vorarbeiten war der Radweg in zwei Monaten errichtet. Konstanz und Tägerwilen, der Kanton Thurgau und der Schweizer Bund tragen jeweils ein Viertel der insgesamt 1,3 Millionen Franken. Zusätzlich angefallen sind Aufwendungen für die Entschärfung der Kreuzung auf Höhe der Avia-Tankstelle – ein Unfallschwerpunkt, wie Andy Heller sagt. Die 400.000 Franken für den Umbau dort brachte der Kanton auf. Weitere 100.000 Euro wird der bessere Anschluss auf Konstanzer Seite kosten, die Konstanz trägt.

Anders als auf anderen Abschnitten des Bodensee-Radwegs werde mit dem Ausbau der Parallel-Weg entlang des Sees nicht gesperrt, sagt Thalmann. Er solle aber für Radfernfahrer unattraktiver werden, möglicherweise etwa über Einbauten mit Bremswirkung wie am Tägerwiler Strandbad.