Es kann nicht mehr allzulange dauern: Die Stadt Konstanz erwartet bis Jahresende drei Gutachten, die sich mit dem Flugplatzgelände neben der B 33 beschäftigen. Weitere Schritte und der Zeitplan in Richtung eines Ratsbeschlusses zum Thema Flugplatz hängen von diesen erwarteten Schriftstücken ab.

"Das Wertschöpfungsgutachten wurde im Juli 2015 vergeben", sagt Pressesprecher Walter Rügert. Als Grundlage für die Abwägung der Entwicklung des Verkehrslandeplatzes seien ebenfalls ein Artenschutzgutachten und ein Gutachten zum Hochwasserschutz nach Paragraf 78 des Wasserhaushaltsgesetzes in Auftrag gegeben worden. "Deren Inhalte sind vor Fertigstellung des Wertschöpfungsgutachtens auszuwerten und abhängig vom jeweiligen Ergebnis gegebenenfalls zu berücksichtigen", erklärt Rügert. Sie bauen also aufeinander auf, deshalb dauere es auch so lange, bis alle fertig seien. Beim Artenschutzgutachten zum Beispiel liege es auch daran, dass verschiedene Vegetationen und Jahreszeiten berücksichtigt werden müssten. "Voraussichtlich liegen alle Gutachten bis Ende des Jahres vor." Genaue Termine, gibt es laut Rügert noch nicht. Daher stehe auch noch nicht fest, wann sich der Gemeinderat das nächste Mal mit dem Thema Flugplatz befasse. Weiter erklärt Rügert, dass im vergangenen Jahr der Entwurf für das Gewerbeflächenkonzept ausgelegt worden sei und Gutachten normalerweise erst in der Bauplanungsphase angefordert würden. Der Gemeinderat habe die Gutachten aber schon vorher haben wollen und deshalb seien sie in Auftrag gegeben worden.

Bei einem Treffen am Montag zwischen Vertretern des Flugplatzes, der Stadt, der Uni, des Regierungspräsidiums und des Landtags zur Zukunft des Flugplatzes brachten vor allem die Flugplatz-Befürworter ihre Argumente vor. Die Vertreter der Stadt antworteten auf Fragen sowie Vorwürfe und klärten auf, dass – anders als manche annahmen – der Gemeinderat erst noch abschließend über das Ende des Flugplatzes und ein Konzept zur gewerblichen Bebauung entscheiden müsse, sobald die ausstehende Gutachten kommen. Sie brachten aber keine vergleichbare Auflistung wie Peter Magulski, der die Petition Pro Flugplatz beim Landtag gestellt hat, Horst Rieker vom Regierungspräsidium Freiburg oder Martin Wikelski, Professor für Ornithologie an der Universität Konstanz und Direktor des Max-Planck-Instituts für Ornithologie Radolfzell, der Forschungen betreibt, vor. Der Radolfzeller FDP-Politiker Jürgen Keck, der als Berichterstatter für den Petitionsausschuss des Landes fungiert, wartet bis zu seiner Empfehlung an den Ausschuss ein bis zwei Wochen, um allen die Gelegenheit zu geben, ihre Argumente zu vervollständigen oder überhaupt erst übermitteln.

"Ich habe mich gewundert, dass die Vertreter der Stadt so wenig sagen", sagt Keck. Ende Oktober oder Anfang November will er dem Petitionsausschuss des Landtags seine Empfehlung abgeben. Wie diese aussehen wird, weiß er aber eigentlich jetzt schon. "Ich halte die Petition für berechtigt", sagt er, nachdem er von Magulski, Rieker und Wikelski gehört hat, was diese gegen eine Schließung des Flugplatzes vorbringen. Keck ist dafür, den Flugplatz zu erhalten. "So viel darf ich jetzt schon sagen." Vor allem Riekers Bericht zum Thema Flughöhen und wie die Mindesthöhe für Linienflugzeuge zum und vom Flughafen Zürich sinken würde, wenn Konstanz keinen Flugplatz mehr hätte, habe Keck beeindruckendgefunden "Das wusste ich noch gar nicht", sagt er. Er habe auch den Eindruck gehabt, dass diese Information für andere neu gewesen sei. Auch wie stark der Flugplatz von Rettungshubschraubern genutzt wird, findet er wichtig. Die Stadt müsste schon sehr Hieb- und Stichfestes bringen, um seine Meinung zu ändern, sagt er. Immerhin habe der Wirtschaftsförderer der Stadt bei dem Treffen am Montag nicht gesagt, dass die Verfügbarkeit der Fläche dringlich sei.

Petitionsberichterstatter Jürgen Keck geht davon aus, dass die Zukunft des Flugplatzes und mögliche Gewerbeansiedlung auf dem Areal weiterhin in der Konstanzer Öffentlichkeit diskutiert wird. Wenn das Thema schließlich im Petitionsausschuss ist, findet dies nichtöffentlich statt. Bürger können also nicht in die Sitzung in Stuttgart gehen. Die Entscheidung des Ausschusses habe dann einen empfehlenden Charakter, erklärt Keck. "Die Planungshoheit liegt bei der Stadt." Stimmt der Petitionsausschuss für den Petitions-Steller, ist der Fachbegriff dafür, dass der Petition abgeholfen wird. "Öffentlicher Druck und öffentliches Interesse kann die Stadt aber beeinflussen", bemerkt Keck.

Auf SÜDKURIER-Anfrage erklärte Pressesprecher Walter Rügert, dass Konstanz eine steigende Anfrage nach Gewerbeflächen verzeichne. Dabei handle sich es sowohl um Grundstücke, als auch Immobilien. Für 2016 rechne die Stadt mit einer Nachfrage von insgesamt mehr als zehn Hektar, so Rügert. Unternehmen erkundigten im Rahmen von Flächenanfragen unter anderem auch nach dem Flugplatz-Gelände. "Aufgrund des laufenden Verfahrens treffen wir allerdings keine Aussagen, ob und gegebenenfalls wann der Flugplatz für eine Entwicklung zur Verfügung steht."

 

 

Entstehung, Pläne für die Schließung und mehr

Totgesagte leben länger? Die Zukunft des Flugplatzes und das Areal als Fläche für Gewerbeansiedlungen werden schon seit Jahrzehnten diskutiert. In den 1970er-Jahren wollte Byk Gulden bauen und der Gemeinderat beschloss sogar die Flugplatz-Schließung.

  • Geschichtlicher Hintergrund: Der Konstanzer Flugplatz ist einer der ältesten in Deutschland. 1910 unternahm Flugpionier Ernst Schlegel erste Flugversuche und 1919 wurde der erste Verkehrsflughafen gegründet, der an anderer Stelle war als heute. 1925 war die Gründung der Luftverkehrsgesellschaft Konstanz mit einer ersten Halle aus Holz. Von 1925 bis 1940 war Konstanz Teil des Liniennetzes der Lufthansa. 1958, mehr als ein Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg, wurde der Flugplatz wieder für den allgemeinen Luftverkehr zugelassen. Den heutigen Standort bekam der Flugplatz 1965. "Mit einem Kostenaufwand von rund 300 000 Mark verwandelte das Städtische Tiefbauamt ein teilweise versumpften Riedland zu einer 760 Meter langen neuen Landebahn", heißt es in einem SÜDKURIER-Artikel aus den 1970er-Jahren. Die Landebahn sei dann nochmals ein Stück verschoben worden. Byk Gulden wollte in den 70ern auf dem Flugplatzgelände bauen, entschied sich dann aber für den Standort Singen. Der Gemeinderat beschloss Mitte der 70er die Schließung, 1980 war dies aber wieder vom Tisch, als der Flugplatz in den Flächennutzungsplan aufgenommen wurde. 1981 war sogar eine Erweiterung angedacht. Beim jüngsten Treffen zur Zukunft der Einrichtung erklärte der Geschäftsführer, dass es immer nur Pachtverträge auf fünf Jahre mit Verlängerungsoption gebe.
  • Byk Gulden und der Flugplatz: Im Juli 1971 kam der Gemeinderat in einer nichtöffentlichen Sitzung zu dem Ergebnis, dass der Flugplatz verlegt werden müsse. Byk Gulden hatte gleichzeitg Erweiterungspläne, die die freiwerdende Fläche betrafen. Am 3. Dezember 1974 beschloss der Gemeinderat die Aufhebung des Flugplatzes, um bestehende und künftige Arbeitsplätze der Firma Byk Gulden und anderer Firmen zu sichern. Es sollte Verhandlungen für einen alternativen Flugplatz-Standort geben. Im März 1975 bestätigte der Rat nochmals seinen Beschluss. Im Lauf der Zeit gab es mehrere Vorschläge für Byk auf dem Flugplatzgelände oder dem Areal auf dem sich heute das SÜDKURIER Medienhaus, der Sportplatz und mehr befinden. Schließlich begrub das Unternehmen seine Pläne in Konstanz und entschloss sich für den Neubau in Singen. Wie Artikel aus den 1970er-Jahren zeigen, führte Byk als einen der Gründe die Qualität des Baugrunds und höhere Kosten an. Am 12. Februar 1976, stimmte der Rat dafür, den Flugbetrieb auf jederzeitigen Widerruf aufrechtzuerhalten. Dieser Beschluss ließ den vorherigen zur Aufgabe des Flugplatzes, seiner Verlegung und der Nutzung für Industrieansiedlung unberührt. (löf)

Dateiname:So berichtete der SÜDKURIER 1977
Dateigröße:5.55 MBytes.
Datum:14.10.2016
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