Konstanz Flüchtlingsunterkunft in Egg: Streuobstwiese statt Spielplatz

Am Donnerstag wird der Gemeinderat über einen neuen Standort für Flüchtlingsunterkunft in Egg entscheiden.

Elf Alternativstandorte für eine Flüchtlingsunterkunft in Egg wurden in den vergangenen Wochen geprüft. Mit dem Ergebnis: Die Egger Wiese, der zentrale Dorfplatz des Ortes, wird wohl nicht bebaut. Stattdessen soll die Wobak spätestens im März 2016 beginnen, auf einem städtischen Grundstück am Ortsrand ein Gebäude für die Unterbringung von mindestens 40 Menschen zu bauen. Fragen und Antworten zum neuen Standort:

1. Warum wurde das Grundstück erst jetzt als Alternativstandort freigegeben? Weil die städtische Fläche am Ortseingang von Egg im Randbereich unter Naturschutz steht und bislang als Streuobstwiese verpachtet war. Die Stadt suchte aber nach kurzfristig bebaubaren Flächen. Neben dem Zergle erfüllte nur die Egger Wiese diese Voraussetzung, so die Stadtverwaltung. Nach Gesprächen mit dem derzeitigen Pächter der Obstwiese habe dieser sich nun bereit erklärt, eine Teilfläche von 2400 Quadratmetern vorzeitig zur Bebauung frei zu geben. Auch die Naturschutzbehörde hat ihr OK gegeben, obwohl zwei Biotope in dem Gebiet von der Planung betroffen sind. Der Eingriff ist aber nach Aussage der Naturschutzbehörde ausgleichbar.

2. Für die Egger Wiese waren bereits Fördergelder bewilligt. Fällt die Finanzierung nun weg? Nein. Die bereits bewilligten Gelder für die Egger Wiese sind nicht an den Standort gebunden. Die zuständige L-Bank muss zwar zustimmen, aber in diesem Fall ist ein Standortwechsel möglich – „sofern keine sehr umfangreichen Änderungen an der Planung erfolgen“, heißt es in der Sitzungsvorlage für den Gemeinderat. Das bedeutet: Der Bau bleibt mehrstöckig und soll Platz für mindestens 40 Menschen bieten. Weiterhin ist auch geplant, dass es in dem Gebäude ein Begegnungsraum, zum Beispiel ein Café, geben soll.

3. Was sagt die Bürgergemeinschaft Egg? „Wir freuen uns natürlich, dass die Stadt eine Alternativfläche gefunden hat und warten nun die Entscheidung des Gemeinderats ab“, sagt die Vorsitzende der Bürgergemeinschaft, Gaby Ellegast. Es sei nie strittig gewesen, dass die Bürgergemeinschaft Flüchtlinge aufnehmen wolle – nur eben nicht an dem geplanten Standort Egger Wiese. „Unabhängig davon, wo die Unterkunft letztlich gebaut wird, zählen wir auf die Hilfe der Stadt, was die Infrastruktur im Ort und die Integration der Flüchtlinge betrifft“, so Ellegast.

4. Ist der neue Standort überhaupt geeignet für den Bau einer Flüchtlingsunterkunft? Aus städtebaulicher und naturschutzrechtlicher Sicht nicht wirklich optimal, dafür aber aus politischer Sicht. So formuliert es Sozialbürgermeister Andreas Osner gestern im Gespräch mit dem SÜDKURIER und ergänzt: „Wir haben alles versucht, den Eggern entgegenzugekommen. Wären die intensiven Nachverhandlungen, vor allem mit der Naturschutzbehörde, nicht erfolgreich gewesen, hätten wir an der Egger Wiese festgehalten.“

5. Wie geht es weiter in der städtischen Flüchtlingspolitik? Am Donnerstag wird das Thema in einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderats (Ratssaal, 16 Uhr) behandelt. Dabei wird es nicht nur um die Anschlussunterbringung in Egg und im Zergle gehen, sondern auch, wie es gesamtstädtisch und langfristig weitergeht. Denn bis Ende des Jahres fehlen in Konstanz Unterbringungsmöglichkeiten nach Zahlen des Landratsamts für 760 Flüchtlinge – während sich die Situation für viele Konstanzer Wohnungssuchende ohnehin seit Jahren verschärft. Landrat Frank Hämmerle findet mit Blick auf die Zahlenprognosen deutliche Worte: „Das Wohnungsproblem wird gravierend sein.“ Hämmerle fordert von Bund und Land nicht nur mehr Flexibilität und schnellere Verfahren im Baurecht, sondern auch finanzielle Unterstützung: „Wir brauchen mehr Wohnungsbauförderung für Städte und Gemeinden. Sonst knallt's.“

 

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