Auf dem Döbele ist einiges los. Zu fast jeder Tageszeit stehen dort Reisende mit Koffern und Taschen und warten auf den Fernbus. Bis zu 30 Mal täglich fährt Flixbus, der Fernbus-Marktführer, von Konstanz in die gesamte Region und auch Europa. München oder Mailand, mehrmals täglich findet eine Abfahrt statt. Im vergangenen Jahr nahmen laut einer Mitteilung des Unternehmens 330 000 Menschen aus Konstanz das Angebot an. Dieses soll 2017 sogar noch erweitert werden, wie Marie Gloystein, Pressesprecherin von Flixbus auf Nachfrage mitteilt. Beispielsweise soll eine neue internationale Nachtverbindung zukünftig in Konstanz Halt machen.

Das Unternehmen selbst hat keine eigenen Busse oder eigene Fahrer. Sie kooperieren europaweit mit hunderten regionalen Busunternehmen und kümmern sich selbst nur um die Administrative wie Linienplanung, Kundenservice und Marketing, wie Ulf Zimmermann, Geschäftsführer von Lagobus aus Singen, einem dieser Partner aus der Region, erklärt. Zwei Lagobus-Fahrzeuge fahren seit 2014 in dem markanten Grün von Flixbus und bedienen die die Strecke Konstanz – Stuttgart – Berlin.

Seit vergangenem Jahr bietet das Fernbusunternehmen nun auch individuelle Busvermietung beispielsweise für Schulklassen oder Vereine an. Ein Geschäftsmodell, welches bisher fest in der Hand der lokalen Omnisbusvermietungen war. Für Ulf Zimmermann als Partner ist dies kein Problem. "Viele Kunden, die über Flixbus kommen, hätten sonst wahrscheinlich keinen Bus genommen. Insofern sind wir froh über das Zusatzgeschäft", sagt Zimmermann. Ganz anders sieht es Matthäus Kögel, Geschäftsführer des Bus- und Reiseunternehmens Kögel Touristik aus Radolfzell. Dass der Fernbus-Riese auf einmal das gleiche Angebot biete wie die eigenen Kooperationspartner, bezeichnet er als "hinterhältig". Das öffne dem Preisdumping in diesem Markt Tür und Tor, unter dem langfristig alle Unternehmen leiden werden. Die Zusammenarbeit sieht Kögel ebenfalls kritisch. Auch er hatte vor Jahren ein Kooperationsangebot bekommen und hat es ausgeschlagen. "Es ist zu diesen Bedingungen betriebswirtschaftlich nicht kostendeckend durchführbar", sagt Kögel. Das Risiko, auch mal mit leeren Bussen zu fahren und so draufzuzahlen, läge größtenteils bei den lokalen Busunternehmen. "Die bekommen nur das bisschen, das am Ende übrig bleibt." Die Preise so niedrig zu halten sei ebenfalls nur möglich, wenn die Fahrer bis an die Grenzen des Erlaubten Fahrten übernehmen. "Alle, die da mitmachen, haben es schwer", sagt Kögel. Michael Mayer, Geschäftsführer von Mayer Hohentwiel Reisen, sieht den Vorstoß des Fernbusunternehmens auf dem Mietmarkt gelassen. "Wir haben uns auf eigene Reiseangebote spezialisiert. Das Geschäft mit den Vermietungen macht einen geringen Anteil aus", so Mayer.

Doch das Fernbus-Geschäft funktioniert in Konstanz gut. Unter anderem auch, weil der Nahverkehr mit der Bahn von Konstanz aus oftmals deutlich teurer und unflexibler ist als mit dem Fernbus. So fährt man beispielsweise mit dem Fernbus nach München nicht nur schneller, nämlich laut Fahrplan etwa 3,5 Stunden, sondern auch günstiger. Fahrkarten gibt es bereits ab 11 Euro. Das Angebot der Bahn liegt bei 39,90 Euro mit einer Fahrzeit von mehr als vier Stunden mit zweimaligem Umstieg. Dennoch sieht Werner Graf, Pressesprecher der Deutschen Bahn, das Konkurrenz-Angebot kritisch. "Wir beobachten den Fernbus-Markt aufmerksam und haben uns gesagt, dieses Preisdumping machen wir nicht mit." Man spüre die Konkurrenz vor allem bei preissensiblen Kunden. Dennoch sieht er die Bahn, vor allem in der Nahverbindung beispielsweise nach Stuttgart, als echte Alternative. Die Gäubahn sei mit einer Fahrtzeit von knapp zwei Stunden und 40 Minuten genauso schnell in Stuttgart wie der Fernbus und mit dem Baden-Württemberg-Ticket könne die Bahn auch preislich mithalten. Einbußen habe man trotz des Erfolgs der Konkurrenten bisweilen nicht verzeichnet.

Neuer Busbahnhof

Die Stadtverwaltung plant gerade den Bau eines neuen Fernbusbahnhofs am Schänzle-Nord. Laut Walter Rügert, Pressesprecher der Stadt Konstanz, habe man dem Marktführer Flixbus mehrere Planungsvarianten für einen Busbahnhof mit fünf Haltepositionen vorgelegt. Das Untenhemen könne nun zu den einzelnen Vorschlägen Stellung beziehen und Hinweise geben. "Flixbus hat schließlich Erfahrung aus vielen anderen Städten", sagt Rügert. Die Gespräche liefen sehr konstruktiv. (ans)