Über diese Ironie konnten nur wenige lachen: Ausgerechnet beim Thema Bürgerbeteiligung und dem wiederkehrenden Ruf nach Transparenz lief der Prozess alles andere als durchsichtig ab. Genau das, was mit den Leitlinien verhindert werden soll, widerfuhr der Projektgruppe: ein unklarer Prozess und enttäuschte Erwartungen. Im Entwurf zu den Leitlinien ist als Ziel formuliert: „Wir stärken das Vertrauen zwischen Bürgerschaft, Verwaltung und Politik.“ Das ging zumindest im Umgang mit der Projektgruppe gründlich schief.

Das Bild vom machthungrigen Oberbürgermeister, der mit dem Rotstift die Arbeit eines Gremiums von zwei Jahren zunichtemacht, ist dennoch reichlich schief. Ein Großteil der beiden Entwürfe stimmt überein. Dennoch lassen die 180 Kommentare aufhorchen, die die Amtsleiter angefügt haben. Aus vielen ist die Angst vor Überforderung herauszulesen. Welche Mitarbeiter sollen das stemmen, wenn nun ständig Bürger eingebunden werden? Und wer soll das bezahlen? So plädiert die Verwaltung bei den strittigen Punkten für eine Bürgerbeteiligung light.

Zwar muss das Kriterium nicht lauten, was eine Verwaltung leisten kann, sondern was für Konstanz und seine Bürger am besten ist. Doch die Einwohner müssen einsehen: Viele Projekte muss der Gemeinderat selbst entscheiden können. Sonst verzettelt Konstanz sich im Versuch, es allen recht zu machen. Das wird ohnehin nicht gelingen.