Konstanz Farbenfroh und voller faszinierender Muster: Im Konzil hängen einzigartige Kunstwerke aus Stoff

Bemerkenswerte Kunst aus Textilien ist noch bis Dienstag in Konstanz zu sehen. Engagierte Quilterinnen räumen mit dem Image von der altbackenen Handarbeit kräftig auf – und sie erzählen Besuchern gerne, wie ihre Werke entstehen.

Wer in den unteren Saal des Konzils tritt, ist erst einmal fast wirr vor Farbe. Mal richtig bunt, mal fein nuanciert und bisweilen sogar fast monochrom hängen die Kunstwerke von provisorischen Aluminiumträgern. Zwei mal zwei Meter sind sie in etwa groß, die Muster sind allesamt geometrisch – und das Material ist Stoff. In drei Lagen kunstvoll zu Bildern vernäht, die abstrakt sind, sich aber dennoch dem Besucher schnell erschließen. Wer bei Patchwork mehr an Handwerk als an Kunst gedacht hat, wird in der Ausstellung "Color Improvisations 2" eines besseren belehrt. Noch bis Dienstag sind darin Quilts von Künstlerinnen aus aller Welt zu sehen, die diese als Schülerinnen der US-Quilterin Nancy Crow geschaffen haben.

Dass diese Ausstellung, die derzeit durch zahlreiche Länder wandert, ausgerechnet nach Konstanz kommt, ist Ginie Curtze zu verdanken – sie ist selbst Quilterin, aber nicht mit einer eigenen Arbeit in der Schau vertreten – weil sie als Kuratorin an der Auswahl und Präsentation der Arbeiten vertreten ist. Für ihre Künstlerinnen ist sie eine engagierte Fürsprecherin. Doch auch diese selbst, Elke Kern etwa, berichten Besuchern gerne, was ihre Arbeit ausmacht. Aus zahllosen kleinen und kleinsten Stoffstücken, oft sogar selbst gefärbt, entsteht ein Bild, bis ins Detail durchkomponiert. Dann werden die Stücke zu größeren Einheiten zusammengenäht und schließlich zum großen Ganzen gefügt.

Wie viele Stunden Arbeit sie in einen der zwei mal zwei Meter großen Quilts steckt, kann Ramono Conconi gar nicht beziffern – aber der Wert der Kunstwerke ist so hoch, dass sie allenfalls mit weißen Baumwollhandschulen berührt werden dürfen. Zu kostbar ist das Material und zu aufwendig die Technik, dem Stoff mit unendlich vielen Steppnähten eine dreidimensionale Oberfläche zu geben. Selbst im technischen Kunstlicht der Ausstellungen wirken die kleinen Schattenwürfe und verleihen den Quilts ein ganz eigenständiges Leben.

Mit der Ausstellung wollen die Quilterinnen den Konstanzern ihre Arbeit nahebringen, aber auch ihre Werke als ernstzunehmende Kunst vorstellen, sagt Ginie Curtze. Vielfach gebe es noch Vorurteile gegen Quilts und ihre Schöpferinnen, die handwerklich perfekt arbeiten müssen, hochwertiges Material und beste Schneide- und Nähwerkzeuge brauchen – aber vor allem auch die Kreativität, aus vielen kleinen Stoffteilen etwas Neues zu schaffen. Von Nancy Crow, sagen die Frauen, haben sie dabei viel gelernt. Ihre Arbeiten belegen es ebenso, wie auch der Quilt der Meisterin aus der Ausstellung heraussticht. Auf jeden Fall sehenswert, gerade auch für Menschen, die solche Kunst bisher noch gar nicht kannten.

 

Quilt-Ausstellung

Die Ausstellung "Color Variations 2" zeigt im Konzil – einem Ort, an dem früher Stoffe in viele Länder verschifft wurden – noch bis Dienstag 50 Quilts. Die textilen Kunstwerke sind zwischen 2,0 mal 2,0 und 2,25 mal 2,25 Quadratmeter groß und effektvoll aufgehängt. Geöffnet ist täglich bis Dienstag, 17. Oktober, von 10 bis 22 Uhr, der Eintritt kostet 10 Euro.

[Anm. d. Redaktion: Der Eintritt ist nicht frei, wie in einer früheren Version des Artikels angegeben. Wir bitten um Entschuldigung.]

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