Mehr als jeder vierte künftige Fünftklässler will die Konstanzer Gemeinschaftsschule besuchen: Entgegen dem Trend in vielen Orten, ist diese Form der weiterführenden Schulen in Konstanz unverändert stark nachgefragt. Mehr noch: Die Anmeldezahlen sind gegenüber dem Vorjahr nochmals gestiegen. Das stellt die Schule, die Stadt als Schulträger und die Schulbehörden vor große Herausforderungen.

 

 

 

Das machen die vorläufigen Anmeldezahlen deutlich, die das Regierungspräsidium dem SÜDKURIER auf Anfrage mitgeteilt hat. Die Behörde macht dabei deutlich, dass es sich ausdrücklich um vorläufige Zahlen handelt, reagiert aber auf viele Gerüchte, die derzeit unter Konstanzer Familien umgehen. Vor allem treibt die heutigen Viertklässler und ihre Eltern die Sorge um, dass sie an der Wunsch-Schule womöglich keinen Platz bekommen. Dazu hier die wichtigsten gesicherten Fakten.

 

  1. Die Gemeinschaftsschule ist so beliebt, dass sie vermutlich nicht alle angemeldeten Kinder aufnehmen kann. Das Regierungspräsidium bestätigte Informationen des SÜDKURIER über einen Ansturm auf die Gemeinschaftsschule. Angemeldet sind 184 Kinder. Da die Gemeinschaftsschule mit sechs Eingangsklassen schon um 50 Prozent größer ist als zunächst geplant, kann sie nach Einschätzung des Regierungspräsidiums nicht weiter wachsen. Auf Anfrage teilt die Behörde mit: "In der Größenordnung von etwa 20 Schülern" müsse eine sogenannte Lenkung erfolgen. Das heißt: Die Kinder werden nicht aufgenommen, den Familien wird ein Alternativvorschlag gemacht.
  2. Zur Konstanzer Gemeinschaftsschule gibt es für Familien in der Stadt keine gleichartigen Alternativen. Da Konstanz nur eine einzige Gemeinschaftsschule hat, dürfte es mit der so genannten Schülerlenkung schwierig werden. Die nächstgelegenen Gemeinschaftsschulen befinden sich in Meersburg und Radolfzell. Kinder zum Beispiel aus Staad oder Egg nach Meersburg zu lenken und ihnen so dank der Fähre den Besuch des gewünschten Schultyps Gemeinschaftsschule zu ermöglichen, kommt nicht in Frage. Meersburg liegt in einem anderen Regierungsbezirk (Tübingen). Nach Radolfzell übersteigt zumindest für Konstanzer der Schulweg eindeutig die Grenze der Zumutbarkeit. Ein Ausweg wäre, dass sich genügend Familien von ihrem Wunsch Gemeinschaftsschule Abstand nehmen und ihr Kind an einer Werkreal- oder Realschule oder an einem Gymnasium anmelden, idealerweise gemäß der Grundschulempfehlung.
  3. Bei den Gymnasien wird es vor allem am Humboldt eng. Bei den Gymnasien schwanken die Anmeldezahlen zwischen den einzelnen Schulen über die Jahre ziemlich stark. Für den Herbst 2018 stimmt aber, was ebenfalls schon unter Eltern diskutiert wird: Vor allem das Humboldt ist stark nachgefragt. Es verzeichnet deutlich mehr Anmeldungen, als Schüler aufgenommen werden können, wenn es bei der Vierzügigkeit bleibt. Diese hat die Stadt Konstanz festgeschrieben, um eine einigermaßen gleichmäßige Auslastung der Schulen und vergleichbare Klassengrößen zu erzielen. Allerdings ist hier noch Bewegung. "Über eine mögliche Schülerlenkung am Humboldt-Gymnasium ist noch nicht entschieden", so das Regierungspräsidium. Das heißt, es wird noch nach Wegen gesucht, Ablehnungen zu vermeiden. Hier könnten deutsche Kinder mit Wohnsitz in der Schweiz ins Spiel kommen: Nach einer Regelung der Stadt Konstanz bekommen sie als erste eine Alternative angeboten. An den anderen Gymnasien können alle angemeldeten Schüler aufgenommen werden, die Quoten sind nicht voll ausgeschöpft. Der Hochbegabtenzug am Suso-Gymnasium kommt laut Regierungspräsidium möglicherweise nicht zusammen.
  4. Einen Anspruch haben die Familien auf den Schultyp ihrer Wahl, nicht aber auf die Schule ihrer Wahl. Grundsätzlich haben Familien bei der weiterführenden Schule (anders als bei den Grundschulen mit ihren Schulbezirken) ein Recht auf freie Schulwahl. Allerdings besteht kein Anspruch darauf, dass das Kind an der Wunsch-Schule aufgenommen wird. Wird zum Beispiel ein Viertklässler am Gymnasium A angemeldet und dort reichen die Plätze nicht aus, ist es zumutbar, dass er stattdessen ein anderes Gymnasium mit vergleichbarem Angebot (es muss nicht exakt gleich sein) vorgeschlagen bekommt und besucht. Erfahrungen zeigen, dass die Kinder selbst eine solche Lenkung meist problemlos verkraften und vor allem Eltern damit hadern.
  5. Die Schülerlenkung beruht auf Einzelfallentscheidungen, verwendet aber bestimmte allgemeine Kriterien. Die Entscheidung über die Aufnahme oder Nichtaufnahme von den Schülern treffen die Schulen in Absprache mit den Fachbehörden, die zum Regierungspräsidium gehören. Dabei stehen die Einzelfälle im Fokus. Zu den Kriterien gehört: Ist der Schulweg zumutbar? Besucht ein Geschwisterkind die Schule? Ist das Angebot bei der ersten Fremdsprache (bei allen Kindern durch die Grundschule: Englisch) und zweiten Fremdsprache (an allen Gymnasien außer Suso: Französisch) vergleichbar? Keinesfalls gibt es aber eine Zwangslenkung eines künftigen Fünftklässlers auf eine bestimmte Schule, betont das in den Prozess eingebundene Regierungspräsidium: "Die Eltern bekommen eine Schule vorgeschlagen, sind aber in ihrer Entscheidung, ob sie die Kinder dort anmelden wollen – oder lieber an einer anderen Schule beziehungsweise Schulart – frei."
  6. Die frühere Hauptschule, die inzwischen als Werkrealschule organisiert ist, erlebt nur noch sehr geringe Nachfrage. Bleibt es bei den jetzigen Zahlen, gibt es in Konstanz im Herbst 2018 eine einzige fünfte Werkrealschul-Klasse. Die Geschwister-Scholl-Schule muss ihren Werkrealschulzweig nach einem Beschluss des Gemeinderats auslaufen lassen, es bleibt also die Berchenschule. Sollten sich zum Beispiel noch einige Familien von der Gemeinschafts- auf die Werkrealschule umentscheiden, könnten dort zwei vergleichsweise kleine fünfte Klassen gebildet werden.
  7. Bis die Familien Klarheit haben, wird es noch einige Zeit dauern. Obwohl die Schulanmeldungen bereits am 21./22. März und damit noch vor den Osterferien stattgefunden haben, könnte bis zum Versand der Bescheide noch einige Zeit ins Land gehen. Eltern erfuhren bei Informationsveranstaltungen, die Schulen seien bemüht, noch vor den Pfingstferien (sie beginnen am 19. Mai) für alle Beteiligten Klarheit zu schaffen. Die hohen Anmeldezahlen an der Gemeinschaftsschule und am Humboldt-Gymnasium machen den Prozess in diesem Jahr allerdings besonders kompliziert.
  8. Zwei Zahlen sind entscheidend: Klassenteiler und Zügigkeit. Wie viele Kinder eine Schule aufnehmen kann, hängt von der Zügigkeit (Anzahl der Parallelklassen) und dem Klassenteiler (Maximalwert von Schülern pro Klasse ab). Die Klassenteiler sind landweit vorgegeben. Für das Schuljahr 16/17 galt zum Beispiel eine Obergrenze von 30 Schülern pro Klasse an allen Schularten außer der Gemeinschaftsschule, wo er bei 28 lag. (rau)