Eine Predigtreihe zum Lutherjahr widmen die evangelischen Kirchengemeinden Allensbach und Petrus und Paulus in Konstanz. Eingebettet in die sonntäglichen Gottesdienste, halten fünf Referenten zu fünf verschiedenen Themen die Predigten. Nach den Gottesdiensten besteht jeweils die Möglichkeit über das Gehörte zu sprechen.

"Ich habe ein lebensgroßes Lutherplakat beschafft. Mit einem Stift können die Leute darauf schreiben, was ihnen gerade durch den Kopf geht. Das können wir später aufarbeiten. Wir überlegen, ob wir vielleicht einen Abschlussgottesdienst anbieten oder die Aktion im Seniorenkreis besprechen", berichtet Pfarrerin Christine Holtzhausen. Wenn es das Bedürfnis gibt, könne in Allensbach eventuell ein Gesprächsabend angeboten werden, erklärt Pfarrer Frank-Uwe Kündiger.

"Es sind einige besondere Schmankerln dabei. Bei meinem Thema ist es die Taufe, bei meiner Kollegin Barbara Kündiger sind es die Konfirmanden. Ich suche Lieder und Texte passend aus", erläutert Christine Holtzhausen. Es sei spannend aufzuzeigen, wie das eine oder andere Thema in die verschiedenen Gemeindebelange hineinrage. Auch den Taufeltern "gefällt diese Idee".

"Vier kurze und wuchtige Kernsätze rammt die Reformation wie Pflöcke in biblischer Verankerung in den Treibsand mittelalterlicher Kirchentradition: Allein die Schrift, allein Christus, allein aus Gnade und allein durch den Glauben. Diese sind im Grunde Kampfansagen", erklärt Frank-Uwe Kündiger. Die Predigten sollen daran erinnern, dass sich das christliche Leben durch die Heilige Schrift und nicht aus den Traditionen der Kirche rechtfertige. "Christus und nicht die Lehrer der Kirche haben das Sagen", betont er.

Auslöser für die Predigtreihe sei das Lutherjahr gewesen, sagt Holtzhausen. Sie wollten zeigen, dass die Gemeinde an solchen Themen interessiert sei und dass hiermit theologische Kernarbeit und Gegenwartsarbeit in Gottesdiensten erfolge. Die Predigten sollen den Impuls geben, ein biblisches Thema in die heutige Zeit zu übertragen. "Das wird für die Menschen ein Aha-Erlebnis", sagt sie überzeugt.

"Wir nehmen die Alltagsperspektive ein und nicht die theologische", sagt Frank-Uwe Kündiger nachdrücklich. "Die Frage ist, wie können wir die Menschen Generationen übergreifend erreichen? Konfirmanden interessiert das Thema Gnade erst einmal nicht", erklärt Barbara Kündiger. Sie erzählt ein Beispiel aus dem Unterricht, in dem die Aufgabe lautete, eine Figur von Christus dort zu platzieren, wo er wichtig ist. Zu ihrer Überraschung wählte eines der Mädchen die Schule als Standort. Als Begründung nannte es: weil sich dort die Zukunft entscheidet. Der Druck sei so hoch, dass das Gefühl bleibt, es nicht zu schaffen, und sich die Frage aufwirft, wo die Entlastung bleibe.

"Kirche war immer multikulturell"

Allen dreien, das zeigt sich im Gespräch, ist die Ökumene sehr wichtig. Frank-Uwe Kündiger geht noch einen Schritt weiter und spricht von Provokation. "Zu den vier bekannten Sätzen wird als fünfter zur Seite gestellt das Sola una sancta ecclesia", was so viel heißt, dass es nur eine allgemeine, das Ganze umfassende Kirche geben kann. Er sieht dieses Thema als Einladung über die Konfessionsgrenzen hinweg, über die Ökumene und reformatorisches Kirchenverständnis nachzudenken.

"Eine Herausforderung sind die Migrantenkirchen", betont Frank-Uwe Kündiger. Deren Mitgliedern wollen sie sich verstärkt öffnen. "Es ist schön, wenn sie bei Gemeindefesten auftauchen, damit sie einen Platz in unserer Mitte bekommen, und wenn wir miteinander sprechen, dass wir uns miteinander verschränken", erklärt Christine Holtzhausen. "Die Kirche war schon immer multikulturell. Dieses interkulturelle Konzept der frühen Christenheit brauchen wir. Wenn wir die Reformation nur im Rückblick feiern, dann verpassen wir den eigentlichen Anschluss und sehen nicht, welches Veränderungspotential drin steckt", betont Frank-Uwe Kündiger.

Die Termine

  • Predigtreihe: Sonntag, 8. Oktober, 10 Uhr, Konstanz/Pauluskirche („Holzkirche“): „Sola gratia“, Pfarrerin Barbara Kündiger mit Einführung der Konfirmanden; Sonntag, 15. Oktober, 10 Uhr, Konstanz/Pauluskirche: „Solus Christus“, Pfarrerin Christine Holtzhausen mit Taufe; Sonntag, 15. Oktober, 10 Uhr, Gnadenkirche Allensbach: „Sola scriptura“, Prädikant Alexander Mittelstaedt; Sonntag, 22. Oktober, 10 Uhr, Konstanz/Pauluskirche: „Sola scriptura“, Prädikant Alexander Mittelstaedt; Sonntag, 22. Oktober, 10 Uhr, Gnadenkirche Allensbach: „Solus Christus“, Pfarrerin Christine Holtzhausen; Sonntag, 29. Oktober, 10 Uhr, Konstanz/Pauluskirche: „Sola fide“, Pfarrer Virginio Robino; Sonntag, 29. Oktober, 10 Uhr, Gnadenkirche Allensbach: „Sola gratia“, Pfarrerin Barbara Kündiger; Sonntag, 5. November, 10 Uhr, Gnadenkirche Allensbach: „Sola una sancta ecclesia?“, Pfarrer Frank-Uwe Kündiger; Sonntag, 12. November, 10 Uhr, Konstanz/Petrususkirche („Blechkirche“): „Sola una sancta ecclesia?“, Pfarrer Frank-Uwe Kündiger; Sonntag, 12. November, 10 Uhr, Gnadenkirche Allensbach: „Sola fide“, Pfarrer Virginio Robino.
  • Kammerspiel: Ergänzend zur Predigtreihe wird die Berliner Schauspielerin Elisabeth Haug am Mittwoch, 25. Oktober, 19 Uhr, in der Allensbacher Gnadenkirche „Die ungehaltenen Tischreden der Katharina Luther“ halten. „Das ist eine Hommage an Katharina von Bora, präsentiert als feinsinniges Kammerspiel. Das Spiel beinhaltet eine intensive Auseinandersetzung mit der Biografie der starken Frau an Luthers Seite“, erklärt Frank-Uwe Kündiger.

Termine

Predigtreihe: Sonntag, 8. Oktober, 10 Uhr, Konstanz/Pauluskirche ("Holzkirche"): "Sola gratia", Pfarrerin Barbara Kündiger mit Einführung der Konfirmanden; Sonntag, 15. Oktober, 10 Uhr, Konstanz/Pauluskirche: "Solus Christus", Pfarrerin Christine Holtzhausen mit Taufe; Sonntag, 15. Oktober, 10 Uhr, Gnadenkirche Allensbach: "Sola scriptura", Prädikant Alexander Mittelstaedt; Sonntag, 22. Oktober, 10 Uhr, Konstanz/Pauluskirche: "Sola scriptura", Prädikant Alexander Mittelstaedt; Sonntag, 22. Oktober, 10 Uhr, Gnadenkirche Allensbach: "Solus Christus", Pfarrerin Christine Holtzhausen; Sonntag, 29. Oktober, 10 Uhr, Konstanz/Pauluskirche: "Sola fide", Pfarrer Virginio Robino; Sonntag, 29. Oktober, 10 Uhr, Gnadenkirche Allensbach: "Sola gratia", Pfarrerin Barbara Kündiger; Sonntag, 5. November, 10 Uhr, Gnadenkirche Allensbach: "Sola una sancta ecclesia?", Pfarrer Frank-Uwe Kündiger; Sonntag, 12. November, 10 Uhr, Konstanz/Petrususkirche ("Blechkirche"): "Sola una sancta ecclesia?" Pfarrer Frank-Uwe Kündiger; Sonntag, 12. November, 10 Uhr, Gnadenkirche Allensbach: "Sola fide", Pfarrer Virginio Robino. (nea)

Kammerspiel: Ergänzend zur Predigtreihe wird die Berliner Schauspielerin Elisabeth Haug am Mittwoch, 25. Oktober, um 19 Uhr, in der Allensbacher Gnadenkirche "Die ungehaltenen Tischreden der Katharina Luther" halten. "Das ist eine Hommage an Katharina von Bora, präsentiert als feinsinniges Kammerspiel. Das Spiel beinhaltet eine intensive Auseinandersetzung mit der Biografie der starken Frau an Luthers Seite.", erklärt Frank-Uwe Kündiger.

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