Der Konflikt in Nordsyrien erreicht nun auch Konstanz: Rund 150 Menschen haben am Samstagnachmittag in Konstanz friedlich gegen die Militäroffensive der Türkei demonstriert. Der Protestmarsch, dem sich neben Bürgern kurdischer Herkunft auch lokale Menschenrechts- und Umweltaktivisten anschlossen, zog vom Herosé-Park bis zum Augustinerplatz.

Kritik am türkischen Staatspräsidenten Erdogan

Aufgerufen zur Demo hatte das Anfang 2018 gegründete Solidaritätsbündnis Rojava. Rojava, Name des kurdischen Autonomiegebiets im Nord-Osten Syriens, wird seit dem vergangenen Mittwoch vom türkischen Militär attackiert.

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Die Kritik der Demonstranten richtete sich am Samstag deshalb an den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Er hat sich zum Ziel gesetzt, die kurdische YPG-Miliz zu bekämpfen, die auf der syrischen Seite der Grenze ein großes Gebiet kontrolliert. Für Erdogan ist die Miliz ein Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, die international als terroristische Organisation eingestuft wird.

Rund 150 Menschen beteiligten sich an dem Protest.
Rund 150 Menschen beteiligten sich an dem Protest. | Bild: Andreas Sauer

Zehntausende Menschen befinden sich inzwischen auf der Flucht

Für die Kurden ist die Türkei der Aggressor. Sie sehen die Offensive als Angriff auf die eigenen Autonomiebestrebungen – inklusive Menschenrechtsverletzungen. In Konstanz skandierten die Demonstranten deshalb immer wieder: „Terrorist – Erdogan, Kindermörder – Erdogan“ – und spielten so auf die Todesopfer der türkischen Offensive an.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind dabei bislang mindestens 30 Zivilisten ums Leben gekommen. Zehntausende Menschen sind auf der Flucht.

Bild: Reinhardt, Lukas

Mahnwache auf der Marktstätte: Proteste auch gegen deutsche Waffenexporte

Um darauf aufmerksam zu machen und außerdem gegen weitere Waffenexporte an die Türkei zu protestieren, hat das Bündnis seit Donnerstag Mahnwachen auf der Marktstätte abgehalten. Weitere sollen folgen.

Bereits Anfang 2018 waren hunderte Menschen in Konstanz auf die Straße gegangen – wegen des Angriffs der Türkei auf die nordsyrische Stadt Afrin. Damals wurde der Protestzug begleitet von einem hohen Polizeiaufkommen, wegen des emotionalen Themas, wie es hieß.

Diesmal fiel die Polizeipräsenz deutlich geringer aus.