Bei den ersten Informationsabenden für Viertklässler-Eltern wurden bereits kritische Fragen laut, wie das im neuen Schuljahr funktionieren soll. Viele Eltern waren überrascht über die Entwicklung, von der sie zuvor nie gehört hatten. Im Sommer verlassen rund 700 Jungen und Mädchen in Konstanz die vierte Klasse und brauchen einen Platz an einer weiterführenden Schule, hinzu kommen Kinder zum Beispiel aus Allensbach und Reichenau.

Damit steigt die Schülerzahl deutlich: Im September 2017 verließen rund 600 Konstanzer Kinder die Grundschule. Auch in den Vorjahren lagen die Fünftklässler-Zahlen deutlich unter der Prognose für das kommende Schuljahr 2018/2019. Da eine Gymnasialklasse nicht mehr als 30 Schüler haben darf, sind voraussichtlich drei weitere fünfte Klassen an den Gymnasien erforderlich sowie eine weitere an der schon jetzt massiv vergrößerten Gemeinschaftsschule, die damit siebenzügig würde.

Eltern sollen sich keine Sorgen machen

Jürgen Kaz, geschäftsführender Schulleiter der weiterführenden Schulen, erklärte dazu: „Das kommt nicht überraschend. Wir wissen bereits länger, dass die Zahl der Fünftklässler in diesem Jahrgang höher ausfallen wird.“ Er sagt, Eltern sollten sich keine Sorgen machen: „An allen Gymnasien gibt es vier Züge. Kommen mehr Schüler, kann dies alle paar Jahre durch einen fünften Zug aufgefangen werden. Damit haben wir kein Problem." Nach seiner Darstellung reicht der Schul-Ausbau des vergangenen Jahrzehnts aus, um die Spitze abzufangen. Wie es zu der starken Steigerung kommt, konnte Kaz am Mittwoch nicht beantworten. 

Frank Schädler, Leiter des Konstanzer Amts für Bildung und Sport, bestätigte die Zahl von rund 700 Fünftklässlern im Schuljahr 2018/19 und begründete dies unter anderem mit den geburtenstarken Jahrgängen vor rund zehn Jahren. Er meinte: „Glücklicherweise kommen unsere Schüler ja nicht direkt vom Kreißsaal in die Schule – wir sind darauf vorbereitet. Aktuell besuchen 694 Grundschüler die vierten Klassen in Konstanz.“

Mit der Stadt Konstanz wächst auch die Anzahl der Schüler

Schüler, Eltern, Schulleiter und Stadt müssen sich unterdessen darauf einrichten, dass es nicht bei einer einmaligen Spitze bleibt. Im Schulentwicklungsplan, der am Mittwoch dem Ausschuss für Schulen, Bildung Wissenschaft und Sport vorgelegt und diskutiert wurde, heißt es: Die Geburtenzahlen seien in Konstanz „in den letzten Jahren von gut 600 auf über 700 gestiegen.“ Bereits im Jahr 2025 könnte die Zahl der Konstanzer Viertklässer der Expertenanalyse zufolge sogar auf über 800 steigen. Mit Blick auf die weitere Zukunft bestätigt auch Frank Schädler: „Die Schülerzahlen steigen, und das stimmt auch mit den Prognosen der wachsenden Bevölkerungsentwicklung überein. Wir kennen die Zahlen und beschäftigen uns mit der Zukunft der Konstanzer Schulen. Das wird eine Herausforderung.“

 

Was auf Stadt, Schulen und Schüler zukommt

Die Schülerzahlen steigen – und zwar nicht nur im kommenden Schuljahr 2018/19. Dazu einige Einschätzungen aus dem Gutachten, das Biregio (Bonn) für die Stadt erstellt hat:

  • Gymnasien: Humboldt und Ellenrieder können die steigenden Zahlen ab Herbst 2018 nur durch Bereitstellung von fünf Zügen (bisher vier) auffangen. Wörtlich steht im Gutachten: „Faktisch können die Gymnasien Schülerzahlen in dieser Höhe gar nicht aufnehmen. Das ist das Problem!“
  • Gemeinschaftsschule: Auch hier ist das Interesse so groß, dass die Gemeinschaftsschule (GMS) zukünftig sieben Züge (zuerst geplant vier, inzwischen sechs) in den fünften Klassen bereitstellen müsste. Im Schulentwicklungsplan steht dazu: „Faktisch kann die GMS die Zahlen nicht aufnehmen. Sie muss Schüler abweisen.“
  • Handlungsempfehlung: Besonders der Geschwister-Scholl-Schule müssen Sanierungen vorangetrieben und schnell umgesetzt werden, um mehr Schüler aufnehmen zu können. Außerdem soll es mehr Schülerlenkung geben – die Stadt muss also mehr Kinder einer Schule zuweisen, die nicht erste Wahl war.
  • Fazit: Es wird räumlich eng und zeitlich knapp.