Der Bodenseepegel steigt und steigt und steigt: Um knapp 1,40 Meter legte der Wasserstand vor dem Konstanzer Trichter innerhalb der vergangenen vier Wochen zu – von 3,33 Metern Mitte Mai auf 4,70 Meter am Freitagmittag.

Am Seerhein, dem Verbindungsstück zwischen Ober- und Untersee, sorgt der hohe Pegel mittlerweile für ein Problem. Denn für Boote und Schiffe wird die Durchfahrt unter der alten Rheinbrücke zunehmend tückisch. Der Grund: Es wird eng.

Für die Seeperle ist der Seepegel bereits zu hoch

Das bekommt derzeit auch Ewald Giess zu spüren. Der 75-Jährige betreibt gemeinsam mit Sohn Michael den Konstanzer Wasserbus, der stets samstags zwischen Bodenseeforum und Hafen kreuzt. „Aktuell passt mein Schiff, die Seeperle, nicht mehr unter der alten Rheinbrücke hindurch“, sagt Giess.

Das, fährt der erfahrene Seemann fort, sei schon lange nicht mehr der Fall gewesen. Denn höher war der Pegel zuletzt nur im Jahr 2013. Damals betrug der Wasserstand im Konstanzer Hafen 4,84 Meter. „Bis 4,50 Meter komme ich mit der Seeperle noch unter der Brücke hindurch“, erklärt Giess.

Der Messpegel im Konstanzer Hafen am Mittwochnachmittag. Mittlerweile ist der Wasserstand weiter gestiegen – auf 4,70 Meter am Freitagmittag.
Der Messpegel im Konstanzer Hafen am Mittwochnachmittag. Mittlerweile ist der Wasserstand weiter gestiegen – auf 4,70 Meter am Freitagmittag. | Bild: Reinhardt, Lukas

Doch laut der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg ist auch am anstehenden Wochenende noch keine Entspannung in Sicht. Bis über die 4,80-Meter-Marke, den Hochwassermeldestand, könnte der Pegel den Prognosen nach noch klettern.

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Die Stadtwerke setzen nun ein flacheres Schiff ein

Die Seeperle, die bis zu 100 Passagiere an Bord nehmen kann, wird deshalb an diesem Wochenende im Hafen bleiben müssen. Das sagt Christopher Pape, Pressereferent der Stadtwerke Konstanz, in deren Auftrag der Wasserbus verkehrt.

Ersetzt wird sie deshalb durch das etwas flachere MS Reichenau. „Mit diesem Schiff haben wir unter der Rheinbrücke aktuell noch etwa 20 Zentimeter Luft“, erklärt Pape. Doch wenn der Pegel weiter steige, werde es auch mit dem MS Reichenau kritisch. Wie wenig Platz vorhanden ist, zeigt sich bereits, wenn kleine Motorboote die Brücken des Seerheins kreuzen.

Auch für Bootsführer der kleinen Kategorie gilt: aufpassen! Unterschätzen sie bei der Querung der alten Rheinbrücke die eigene Höhe, kann es schnell teuer werden.
Auch für Bootsführer der kleinen Kategorie gilt: aufpassen! Unterschätzen sie bei der Querung der alten Rheinbrücke die eigene Höhe, kann es schnell teuer werden. | Bild: Reinhardt, Lukas

Abgesehen von den Rheinbrücken sei der aktuelle Pegelstand für die Schifffahrt auf dem See kein Problem, so Pape: „Ein Wasserstand von 4,50 Metern ist für diese Jahreszeit nicht ungewöhnlich.“

Für private Boots- und Schiffsführer gilt: aufpassen!

Dass der See das im vergangenen Jahr freigegebene Land nun zurückholt, zeigt sich besonders am Hörnle. Für Sven Krippents, den stellvertretenden Referatsleiter des Schifffahrtsamts im Landkreis Konstanz, war der Anstieg angesichts der Regenfälle und der Schneeschmelze erwartbar. „Trotzdem haben wir den Pegel natürlich weiterhin im Blick.“

Auch am Hörnle hat der See sich das Land zurückerobert. Die Geländer, im Frühjahr noch im Trockenen gelegen, werden heute von Wasser umspült.
Auch am Hörnle hat der See sich das Land zurückerobert. Die Geländer, im Frühjahr noch im Trockenen gelegen, werden heute von Wasser umspült. | Bild: Reinhardt, Lukas

Den Pegel im Auge behalten, das rät Krippents auch jenen privaten Boots- und Schiffsführern, welche die Brücken des Seerheins kreuzen. „Jeder, der dort unterwegs ist, muss wissen: Wie hoch ist mein Boot, wie hoch der Pegel und wie hoch die Brücke“, erklärt er. Und fügt an: „Das wie mit dem Auto im Straßenverkehr.“

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Handlungsbedarf, die Schifffahrt auf dem Bodensee einzuschränken, sieht Krippents angesichts der aktuellen Lage aber noch nicht. Zuletzt hatte es 1999 eine gemeinsame schifffahrtsrechtliche Anordnung der Landratsämter Konstanz, Friedrichshafen und Lindau gegeben. Damals betrug der Pegel jedoch 5,65 Meter.