Lichterketten leuchten, es duftet nach Waffeln und Wurst – und wird immer enger. In der Unterführung steigt die Beklemmung, die Menge bestimmt den Weg: vorwärts. Ein Chor singt irgendetwas, an Zuhören ist nicht zu denken, weiter, weiter, weiter. Das Gehirn sendet schwache Signale:

Was tun wir hier alle? Und warum?

Am Gondele-Hafen ist es etwas erträglicher, die Masse schiebt jeden träge an den Verkaufsständen mit Glitzer und Glamour vorbei. Gelegentlich wird man ans Konsumufer gespült, erhascht einen Blick auf die Ware, und wenn man klug ist, wählt man rasch, denn hinter einem drängen zehn weitere Kunden, die Anspruch auf Sicht erheben.

Gewählt, gekauft, viel bezahlt, geschafft.

Immerhin ist dies im Sinne der Händler, denen das Zaudern zögerlicher Kunden nicht dienlich sein kann. Weiter treibt es einen – und das wiederum ist nicht im Sinne des Händlers, denn die Entscheidungsfähigkeit, ein Ziel aktiv anzusteuern, nimmt mit jedem Schritt ab.

Innerlich reift Widerstand: "Ich will hier weg!" Die Analyse des ursprünglichen Ziels überfordert intellektuell. Klügere Zeitgenossen haben längst den Absprung in Richtung Schupfnudeln gemeistert und betäuben den Verlust des freien Willens mit Glühwein – ab dem dritten blinkt einem die Weihnachtswelt wieder freundlicher entgegen.

Jeder Schritt aus dem Gedränge Richtung Stadtgarten regt endlich das Denkvermögen an. Richtig, wir alle sind hier, weil wir romantische Vorstellungen der Adventszeit hegen. Weil es schön ist, Kontakte zu knüpfen und unseren Mitmenschen möglichst nahe zu kommen.

Weil wir gerne schenken.

Und weil dieser Konstanzer Weihnachtsmarkt eben furchtbar attraktiv und von Winterflair erfüllt ist. Das mit der Besinnlichkeit wird heutzutage auch wirklich überbetont. Die können auch wir zu Hause pflegen, am besten allein mit einer Kerze und schöner Musik...

Nein! Bloß keine Musik.

Genießen Sie einfach die Stille.