Die Sehnsucht nach etwas Gemütlichkeit trieb die Menschen offenbar schon 1977 um. Siegfried Einhart, der zusammen mit seiner Frau die Idee fürs Weinfest in der Konstanzer Altstadt hatte, sagt jedenfalls, er habe etwas Gemütliches schaffen wollen für die Konstanzer. Wobei auch schon das erste Weinfest Massen angezogen haben muss.

40.000 Flaschen beim ersten Weinfest

Der SÜDKURIER berichtete damals von 40.000 Flaschen badischen Weins, die an den drei Tagen durch die Kehlen der Festbesucher geflossen sein sollen. Bis in die 90er-Jahre wurde auf dem Weinfest kein Bier ausgeschenkt. Zwei Weinfest-Traditionen haben sich bis heute gehalten: Der Stephansplatz ist der Austragungsort, und das besonders gestaltete Festglas für den Wein kauft der Gast.

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Zwischen dem Bodensee-Weinfest von August 1977, wie es bei der ersten Auflage hieß, und dem heutigen Konstanzer Weinfest aber klaffen dennoch Welten. Das wissen Kurt Köberlin von der Kamelia Paradies, ein Mitwirkender der ersten Stunde, sowie Siegfried Einhart, der zusammen mit Arno Götz, Klaus Böhm und Dieter Pietscher das erste Weinfest stemmte.

Der erste Stand der Kamelia an der Stephanskirche, mit Kurt und Monika Köberlin (Mitte) sowie Constanze und Alfred Pfundstein.
Der erste Stand der Kamelia an der Stephanskirche, mit Kurt und Monika Köberlin (Mitte) sowie Constanze und Alfred Pfundstein. | Bild: Privat

Man habe die vier Antreiber immer „Vierer-Bande“ genannt, erinnert sich Kurt Köberlin. Die Wege waren kurz, als die „Vierer-Bande“ nach Mitstreitern fürs Fest suchte. Der Narrenrat der Kamelia beteiligte sich, wie andere Narrengruppen auch, und übernahm unter der Regie von Alfred Pfundstein einen Weinstand. 35 Jahre lang, von 1977 bis 2012, gehörte der passionierte Biertrinker Kurt Köberlin, heute Ü70, zu den Helfern an diesem Stand.

Pfandmarken waren einst aus Papier

Schon im Vorfeld sorgte er als Außendienst-Mitarbeiter des damaligen Papier- und Schreibwaren-Großhandels Pfeffer dafür, dass die Region über den Weinfest-Termin informiert wurde. Kurt Köberlin besuchte damals Betriebe, um Bestellungen für Verpackungen oder Schreibwaren aufzunehmen. Zum Abschied von den Kunden habe er gern Weinfest-Plakate zum Aufhängen überreicht, sagt Köberlin.

Das erste Plakat vom Konstanzer Weinfest, das damals noch Bodensee-Weinfest hieß.
Das erste Plakat vom Konstanzer Weinfest, das damals noch Bodensee-Weinfest hieß. | Bild: Claudia Rindt

Neben den Plakaten hat Köberlin auch noch andere Erinnerungsstücke aufgehoben: Zwei ungeöffnete Weinflaschen von den ersten Festen – einen Gewürztraminer von 1976 und einen Eiswein von 1977 – und eine alte Pfandmarke aus Plastik. Die des ersten Fests sei allerdings aus Papier gewesen, sagt Köberlin, der auch noch ein Weinglas des ersten Weinfests in seiner Sammlung hat.

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Schon 1977 gab es 1800 Sitzplätze

Während es heute nur mehr einen Konstanzer Tag gibt, kamen anfangs über die drei Festtage überwiegend die Einheimischen zusammen. Das berichten die Zeitzeugen Köberlin und Einhart, und so steht es auch in den SÜDKURIER-Berichten von damals. Lokale Prominenz mischte sich schon im ersten Jahr unter die Besucher, etwa der damalige Oberbürgermeister Bruno Helmle, der Landrat Robert Maus und der Abgeordnete Klaus von Trotha. So ganz klein war allerdings auch das erste Fest nicht, nach SÜDKURIER-Berichten gab es auf dem Platz 1800 Sitzplätze.

Damals zahlte der Gast zwei Mark, ohne weiteren Eintritt. Kurt Köberlin erinnert sich an lustige Feste mit wenigen Reibereien und mit Nachfeiern unter den Helfern an den Ständen an jedem Festabend. Sie hätten dann angebrochene Flaschen geleert und übrig gebliebene Lebensmittel aufgegessen. Manchmal seien die Feiern so lange gegangen, dass die Nachteulen beim Bäcker ums Eck die ersten warmen Brötchen erbaten, die aus dem Ofen kamen. „Es war gemütlicher, geselliger, nicht so laut. Beschaulicher und nicht so ausgereift wie heute.“

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Parken Sie einfach „da, wo Platz ist“

Konflikte habe es vor allem an den Eingängen gegeben, die seien aber schnell behoben gewesen. Ähnlich hat das Siegfried Einhart in Erinnerung, der 30 Jahre lang das Weinfest verantwortete. Beruflich bei der Bank, habe er die Organisation in der Freizeit gestemmt. Damals sei dies noch möglich gewesen. Es habe kaum Auflagen gegeben. In Anfangsjahren habe er nur das Datum austauschen müssen, wenn es um die Genehmigung durchs Rechts- und Ordnungsamt gegangen sei. Sicherheitsfragen hätten noch gar keine Rolle gespielt.

Die Frage, wo die Autos parken sollen, wenn der Stephansplatz gesperrt ist, wurde Einhart vom Organisationskomitee schon 1977 gestellt. Seine pragmatische Antwort ist im damaligen SÜDKURIER abgedruckt: „Da, wo Platz ist. Es wird wohl niemand verlangen wollen, dass wir wegen des Weinfests auch noch ein Parkhochhaus bauen werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit, das Fahrzeug zu Hause zu lassen, was sich bei einem Weinfest ohnehin empfiehlt.“

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