Der große Fußball ist mal wieder zu Gast in Konstanz – zumindest gefühlt. Im Bodenseestadion wehen die Fahnen des europäischen und des deutschen Verbandes, dazwischen die Flaggen von Deutschland und den Niederlanden. Auf dem Platz spielt sich ein Klassiker zweier Rivalen ab, der seit Jahrzehnten eine ganz besondere Bedeutung hat.

Dass es sich beim Duell zwischen Holland und der DFB-Elf um ein Spiel der Stars von morgen handelt, wird schnell beim Blick auf die Tribünen deutlich. Nur etwa ein Viertel des imposanten Rundes ist für die Zuschauer geöffnet. Immerhin 1076 Fans sehen das 2:2 der Nachwuchsauswahlen in einer der schönsten Sportstätten der Region. Eigentlich könnte das Stadion 25.000 Fans beherbergen.

Bei der Partie des U-17-Vier-Nationen-Turniers sahen vergangene Woche im Bodenseestadion mehr als 1000 Zuschauer das 2:2 zwischen Deutschland und den Niederlanden.
Bei der Partie des U-17-Vier-Nationen-Turniers sahen vergangene Woche im Bodenseestadion mehr als 1000 Zuschauer das 2:2 zwischen Deutschland und den Niederlanden. | Bild: Peter Pisa

Das Potenzial des Areals Horn, zu dem auch das Stadion gehört, ist seit langem bekannt – und Ausgangspunkt für zahlreiche Überlegungen, was daraus werden könnte. „Schon vor 20 Jahren hat man gesagt: Eine Umgestaltung wäre richtig und vernünftig, da es eine der schönsten Flächen in Konstanz und eine der beliebtesten der Konstanzer ist“, sagt Frank Schädler, Leiter des Amtes für Bildung und Sport. „Konstanz hätte hier die Chance, eine einzigartige Fläche zu entwickeln.“

Drei Möglichkeiten, wie es mit dem Stadion weitergehen könnte

Vor 15 Jahren wurden in einer Arbeitsgemeinschaft drei verschiedene Möglichkeiten in Bezug auf das Bodenseestadion herausgearbeitet.

Möglichkeit eins: „Wir machen es zu, das würde der Stadt viel Geld sparen“, sagt Schädler.

Möglichkeit zwei: Investitionen in die Infrastruktur und der Umbau in ein modernes Fußball- und Leichtathletikstadion. „Dafür fehlt im Moment der Bedarf, das können wir nicht rechtfertigen“, sagt Schädler zu dieser unrealistischen, aber theoretisch möglichen Variante.

Möglichkeit drei: Am sympathischsten wäre für den Amtsleiter eine Öffnung des Stadions und die Entwicklung zu einer öffentlichen Freizeit- und Veranstaltungsfläche. Möglich sei, das Fußballfeld zu drehen und als Kunstrasen in die Nordkurve zu verlegen. „Die Südkurve würde abgerissen und durch eine zum Hörnle hin offene Eventfläche ersetzt“, sagt Schädler. „Dort könnte ein variables Bewegungszentrum entstehen. Da gibt es tolle Ideen mit Bühnen, Grillplätzen, Chill-Areas (gemütliche Sitzecken). Das, was Konstanzer Jugendliche brauchen.“

Ein Vorteil wäre eine mögliche Kombination mit dem Strandbad Horn, das sich die sanitären Anlagen mit dem neuen Stadion teilen könnte. „Das wäre die beste Alternative, toll für Konstanzer und für Auswärtige“, sagt Schädler.

Dann kommt das große Aber.

Die Stadt setzt momentan andere Schwerpunkte

„Die städtischen Prioritäten bremsen uns ein. Verkehr, Radverkehr, Wohnungsbau sind wichtiger“, sagt Schädler. Da kein Budget für die Umgestaltung am Horn vorhanden ist, „heißt das für uns leider, dass wir in den nächsten Jahren keine Chance haben, so etwas anzugehen“.

So bleibt die neu konzipierte und mehrere Millionen Euro teure Freizeitsportfläche eine Vision. Die Frage ist nur, wann sie umgesetzt werden könnte. „ich befürchte, das dauert noch länger“, sagt Schädler.

Dabei werde das Stadion durchaus genutzt, erklärt der Konstanzer: Bundesjugendspiele werden dort ausgetragen, vereinzelt findet Schulsport statt, auch Leichtathletikwettkämpfe auf regionaler Ebene, zudem tragen die Fußballer der SpVgg Allmannsdorf ihre Kreisliga-B-Heimspiele vor einer Handvoll Zuschauern im großen Rund aus. „Das ist unser Dilemma“, erklärt Frank Schädler, „wir brauchen die Fläche, aber nicht das Stadion.“

Das Stadion kostet die Stadt heute schon 250.000 Euro pro Jahr

So kostet das geschichtsträchtige Kleinod zwischen See und Wald ohne große Veranstaltungen wie „Rock am See“, das zuletzt 2016 stattgefunden hatte, die Stadt recht viel Geld. Im vergangenen Jahr wurde die Leichtathletik-Laufbahn „für 100.000 Euro provisorisch aufgehübscht“, wie Schädler es umschreibt. Die Betriebskosten für die Anlage belaufen sich auf etwa 250.000 Euro im Jahr.

Ein Tag, an dem die U-17-Fußballer zu Gast sind am Bodensee, ist eine der wenigen positiven Ausnahmen im Bodenseestadion, das für Frank Schädler „eine der schönsten Sportanlagen weit und breit“ ist. „Wir wissen um den Wert des Stadions und wollen ihn auch erhalten“, erklärt er weiter. „Es wäre schade, wenn wir dem DFB absagen müssten, wenn er wieder einmal auf uns zukäme. Wir bräuchten aber auch kein so großes Stadion für ein U-17-Länderspiel oder ein Freundschaftsspiel einer Bundesligamannschaft.“