Konstanz Es ist ruhiger geworden um die Konstanzer Segel-Legende Tino Ellegast: Heute geht er nur noch mit Freunden und Familie auf den See

Weltmeister 2010, Deutscher Meister 2014: Der 38-Jährige Konstanzer genießt heute sein Leben mit Frau und Kindern. Beruflich ist er nach wie vor auf der ganzen Welt unterwegs

Tino Ellegast sitzt tiefenentspannt auf der sonnenüberfluteten Terrasse des Vereinsheims des Konstanzer Yacht Clubs an der Seestraße. Er nimmt einen Schluck Radler und beobachtet seine Kinder – sieben, fünf und zwei Jahre alt. Sie sind mit seiner Ehefrau unten am Ufer und machen Opti-Boote für eine kleine Ausfahrt fertig oder fangen mit kleinen Netzen Fische. "Die Familie ist der wirkliche Reichtum im Leben", sagt er schließlich. "Außerdem gibt es keinen schöneren Ort als Konstanz und den Bodensee. Hier möchte ich immer wohnen mit meiner Familie. Die Lebensqualität könnte nicht höher sein."

"Der Kreis schließt sich"

Vor rund 30 Jahren war er es, der zusammen mit seiner Schwester die Optis segelfertig machte oder Stichlingen nachjagte. "Der Kreis schließt sich irgendwie", erzählt Tino Ellegast und wirkt während dieser Worte glücklich und zufrieden. Damals saßen seine Eltern auf der Terrasse und schauten Klein-Tino und seiner Schwester Petra zu. "Unsere Kindheit hier war wunderbar. Ich möchte, dass meine Kinder das auch so erleben." Er scheint auf dem besten Weg zu sein.

Auf den Weltmeeren eine große Nummer

Tino Ellegast. Eigentlich Martin Ellegast. Doch man kennt ihn nur als Tino. Der beliebte Sunny Boy aus Konstanz. Um keinen guten Spruch verlegen, immer gut drauf. Jahrelang war er in der Seglerszene auf allen Weltmeeren eine große Nummer, schaffte es bis auf Platz 20 der Weltrangliste. Weltmeister wurde er 2010 im X99, Deutscher Match-Race-Meister mit seiner Konstanzer Crew um Arne Gülzow, Felix Diesch und Tosi Stemmer im Jahr 2014. Viel mehr geht nicht. "Seither habe ich mich etwas zurückgezogen aus dem Segelsport", sagt er. "Heute bin ich nur noch aus Spaß mit Freunden und Familie auf dem Wasser."

Entscheidung gegen die Materialschlacht America's Cup

2006 wäre er beinahe im Team Germany beim America's Cup gelandet. "Teamchef Andreas John wollte mich verpflichten", erinnert er sich. Doch Segeln als millionenschwere Materialschlacht ist seine Sache nicht. "Ich liebe gleiche Bedingungen: ein Budget, Einheitsklassen, Mann gegen Mann – das ist für mich Segeln. Da entscheidet das Können, nicht der größere Geldbeutel." Auch Langstreckenregatten waren nie sein Faible – hier werden unterschiedliche Klassen gegeneinander verrechnet. So kann es kommen, dass ein Vorsprung nichts bringt, da technische Voraussetzungen anderer Klassen geringer sind. "Da wird hinterher erstmal gerechnet. Ich liebe die Klarheit von Einheitsklassen: Wenn du Zweiter bist, bist du Zweiter. Fertig."

Privater Bauernhof als Ausgleich

Früher war es der Segelsport, der Tino Ellegast in die entlegensten Ecken der Welt brachte. Heute ist es sein Beruf. Bei einem großen Familienunternehmen in Uzwil bei St. Gallen arbeitet er als Verkaufsleiter, für das Unternehmen war er vor zehn Jahren zwei Jahre in Japan. Die Firma hält weltweit führende Marktpositionen in Technologie sowie in Verfahren für die Getreideverarbeitung für Mehl und Futtermittel, aber auch für die Herstellung von Pasta oder Schokolade. "Ich bin unter anderem zuständig für Südasien", erzählt der 38-Jährige. "80 Tage im Jahr bin ich auf weltweiten Reisen." Was spannend klingt, ist auf Dauer durchaus stressig. "Früher hat mir das nichts ausgemacht", sagt er. "Heute mit Familie ist das nicht immer einfach." In seiner Freizeit widmet er sich mit seinen Kindern und seiner Frau dem eigenen, kleinen Bauernhof im Paradies direkt an der Schweizer Grenze. Hühner halten sie, auch zwei Zwergschweine. Salat und Gemüse gibt's aus der eigenen Landwirtschaft. "Das ist als Ausgleich für den stressigen Beruf schön. Auch wenn mein Umfeld manchmal sagt, dass ich verrückt sei", erzählt er lachend.

Ellegast – ein Name mit Klang in Konstanz

Tinos Vater Andreas Ellegast war 23 Jahre Mitglied des Gemeinderates der Stadt Konstanz und gehörte dort der CDU-Fraktion an. Wegen seiner offenen Art genoss er über die Parteigrenzen hinaus hohes Ansehen in der Stadtgesellschaft. Der Name Ellegast hat einen gewichtigen Klang in Konstanz. Weinhändler, Konzernvorstand, Wirtschaftsmanager, Architekt – das Netzwerk der Familie ist groß und einflussreich. Als Andreas Ellegast im Herbst 2017 den Gemeinderat aus eigenem Wunsch verließ, wurde er von Oberbürgermeister Uli Burchardt mit diesen markanten Worten verabschiedet: „Mit seinem Ausscheiden aus dem Gemeinderat endet die große Ära des kommunalpolitischen Engagements der Familie Ellegast", sagte der OB mit dem Hinweis, dass bereits sein Bruder, sein Vater und sein Großvater viele Jahre dem Gemeinderat angehörten. „Wo ein solches Engagement in einer Familie verwurzelt ist, kann man davon ausgehen, dass es immer wieder neue Blüten treibt. Sie selbst stehen dafür als schönes Beispiel", sagte OB Burchardt. Als Dank erhielt Andreas Ellegast den Ehrenring der Stadt Konstanz.

Familie als Priorität

Steht mit Tino also schon der nächste Ellegast in den Startlöchern für die Kommunalwahlen 2019? "Das kann ich mir im Moment nicht vorstellen", sagt er. "Ich bin beruflich sehr angespannt. Aber ich bewundere Menschen, die sich für ihre Kommune engagieren für wenig Geld." Derzeit aber hat neben dem Beruf die Familie Priorität. Selbst das Segeln muss sich hinten anstellen.

Yacht Club

Der Konstanzer Yacht Club, dem Tino Ellegast angehört und für den er weltweit Erfolge ersegelt hat, gehört zu den drei ältesten Segelvereinen am Bodensee und konnte 2009 sein 100-jähriges Bestehen feiern. Der Verein hat rund 400 Mitglieder, der Schüler-Segel-Club Konstanz wurde 1911 als Jugendabteilung des Konstanzer Yacht Club gegründet. 1909 schrieb die Konstanzer Zeitung: "Ein Segelklub wurde gestern abend hier im Hotel Krone unter dem Namen Konstanzer Segel-Klub gegründet. Damit ist nun auch in Konstanz der längst wünschenswerte Zusammenschluss der hiesigen Segler und Segelfreunde erzielt, der zweifellos fördernd und anregend auf den Segelsport in Konstanz einwirken wird.” Diese Clubbezeichnung wurde am 29. September 1909 in Yacht-Club Konstanz umbenannt, damit auch Motorbootfahrer aufgenommen werden konnten. Ein gut erhaltenes handschriftlich geführtes Protokollbuch gibt Auskunft über den Verlauf dieser Versammlungen. (aks)

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