Manchmal kostet eine kleine Hilfe richtig viel Geld. Doch wozu braucht man am Turm zur Katz, in dem regelmäßig Kunstausstellungen stattfinden einen Anbau, der 550.000 Euro kosten wird?

Weil der Besuch einer Kunstausstellung allen möglich sein soll. Auch jenen, für die die steile Treppe im Turm zur Katz ein unüberwindliches Hindernis ist: älteren Menschen, Personen, die im Rollstuhl sitzen.

Thomas Stegmann, Leiter des Hochbauamts, erläutert im Technischen und Umweltausschuss (TUA) in aller Kürze die grundlegenden Details: Die steile Treppe im Turm zur Katz sei nicht barrierefrei erschließbar, es gebe keine einfache Lösung. „Deshalb wird der Aufzug, den wir anbauen, davor stehen und die einzelnen Ebenen erschließen“, sagt er. Das bedeutet: es wird keine barrierefreie Verbindung innerhalb des Gebäudes zwischen Ebene eins und zwei geben. Allein durch den Aufzug, der ein abgetrennter Anbau ist, werden die Ebenen miteinander verbunden. Wer innerhalb des Gebäudes nach oben oder unten will, muss die Treppe nutzen.

Die Trennung ist durchaus gestalterische Absicht: Für den Besucher soll klar erkennbar sein, dass es sich um Gebäudeteile aus zwei völlig unterschiedlichen Epochen handelt: historisch massiv trifft auf modern und funktional.

Was der Turm war und ist

Der Turm zur Katz ist nicht irgendein Gebäude. Ursprünglich wurde er als Wohnturm genutzt, er entstand um 1200 und ist eines der ältesten Gebäude der Stadt. Seit Eröffnung des Kulturzentrums Wessenberg 1998 wird der Turm für Ausstellungen zeitgenössischer Kunst und Fotografie genutzt. Immer wieder forderten einzelne Personen und Fraktionen, den Turm auch barrierefrei zugänglich zu machen.

Für wen das wichtig ist

Stephan Grumbt, Behindertenbeauftragter der Stadt, verdeutlicht, warum dieser Um- und Anbau so wichtig ist: „Viele Ausstellungen waren für ältere Menschen bisher nicht zugänglich“, sagt er. Entscheidend ist für ihn bei diesem Projekt die Verbindung von Denkmalschutz und Barrierefreiheit – denn das sei nach wie vor nicht selbstverständlich: „Vielleicht ist es ein Ansporn, an weitere denkmalgeschützte Gebäude heranzugehen“.

Und so soll der Anbau mit Aufzug aussehen, der an den Turm angeschlossen wird.
Und so soll der Anbau mit Aufzug aussehen, der an den Turm angeschlossen wird. | Bild: Architekturbüro Schaudt

Ein Herz für die historische Substanz

Daniel Groß, CDU-Stadtrat und Historiker, lässt in seiner Bewertung ein Herz für seine Mitbürger und für die historische Substanz erkennen. „Es ist eine steile, enge Treppe. Es tut natürlich weh, in ein Kulturdenkmal Löcher zu brechen“, sagt er. Trotz des blutenden Historikerherzes mahnt Groß zum Mut zum Umbau: „Viele Aufzüge wurden abgelehnt: im Stadttheater, im Kloster Zoffingen. Man muss auch mal Kompromisse machen.“

Warum der Anbau so teuer wird...

Das möchte Johann Hartwich (FDP) wissen. 550.000 Euro, das sei ein gewaltiger Ansatz. Auch erscheint ihm der Anbau sehr groß. Ob das nicht auch etwas günstiger realisierbar sei?

Thomas Stegmann muss verneinen. Er sei bei der Nennung der Summe allerdings auch erschrocken, räumt er ein. Es hilft aber nichts: Die Kostenaufstellung der beauftragten Firma Schaudt Architekten sei transparent und nachvollziehbar.

Der Beschluss zum Anbau des Aufzugs fällt einstimmig im Technischen Ausschuss. Endgültig entscheidet am Dienstag der Gemeinderat, ob das Projekt realisiert wird.