Es war eines der umstrittensten Bauprojekte in Konstanz: Der als Torhaus bekannte Bau in Petershausen an der Reichenaustraße rief viele Kritiker auf den Plan, als bekannt wurde, dass dort ein Hotel entsteht: Anwohner der Hofgärten, die gegen das Bauvorhaben sogar Klage einreichten. Umweltschützer, die auf die alten Bäume, die auf dem Areal standen, noch kurz vor der Fällung weiße Kreuze malten. Stadträte, die zähneknirschend einem reinen Hotelbau zustimmten, obwohl einst auch Büros darin vorgesehen waren. Jetzt, 15 Jahre nach dem Bebauungsplanbeschluss und vielen Verzögerungen, ist der Bau fast fertig.

So sah das Gelände noch 2015 aus...
So sah das Gelände noch 2015 aus... | Bild: Oliver Hanser
...und so sieht es heute aus. Die Bauarbeiten am Torhausprojekt in Konstanz-Petershausen gehen jetzt zügig voran. Bald soll hier das nächste Hotel eröffnen.
...und so sieht es heute aus. Die Bauarbeiten am Torhausprojekt in Konstanz-Petershausen gehen jetzt zügig voran. Bald soll hier das nächste Hotel eröffnen. | Bild: Aurelia Scherrer

Anwohner wurden zur Vorbesichtigung eingeladen

Planmäßig wird der fünfgeschossige Bau mit 76 Zinmmern nach Angaben des Unternehmens DQuadrat Real Estate GmbH im Herbst fertig sein, auf das besonders umstrittene sechste Obergeschoss wird verzichtet. Die ersten Hotelgäste sollen ab 1. Oktober einchecken können. Anwohner waren schon vorab eingeladen, sich das Hotel von innen anzusehen. "Wir sind so mit einigen Kritikern ins Gespräch gekommen und konnten vieles klären", berichtet Steffen Roth, der als Marketingchef des Unternehmens DQuadrat Real Estate GmbH aus Ludwigsburg das Projekt begleitet und die Vorgeschichte zu dem umstrittenen Bau vor der Übernahme durch seine Firma gut kennt. Klagen von Anwohnern habe es seitdem nicht mehr gegeben.

Nach wie vor kritische Stimmen

Vor Gericht geklagt hatte einst Familie Schlichtmann, vor deren Fenstern der Neubau entstand. Ohne Erfolg: Auch in zweiter Instanz wurden diese Klagen abgewiesen. Hans Schlichtmann sieht den Bau nach wie vor kritisch. Er warnt: Ortsfremde Gäste sowie anliefernder Lkw-Verkehr würden die ohnehin schon gefährliche Verkehrssituation im Bereich der Hans-Sauerbruch-Straße erhöhen. Zudem sei die Baustelle eine Zumutung gewesen. "Wir konnten froh sein, dass wir doppeltverglaste Fenster haben", sagt Schlichtmann.

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Hotelleitung aus der Region

Klagen über die Baustelle seien bei dem Unternehmen direkt nicht angekommen, so Roth. So mancher Lärm ließe sich bei einer Baustelle nicht vermeiden, die ausführende Baufirma habe aber darauf geachtet, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten. Man sei auch weiterhin bemüht um ein gutes Verhältnis zu den Anwohnern und die Akzeptanz des Projekts.

Helfen dürfte dabei auch: "Es läuft nicht so, dass wir das hier entwickeln, verkaufen und dann wieder weg sind", so Geschäftsführer Thomas Fülster. Konkret heißt das: Die Firma wird das Hotel auch betreiben. Unter dem Namen "Hrbr", das aus dem Englischen übersetzt an den Begriff "Hafen" anlehnt, setzt DQuadrat nach eigenen Angaben auf einen familiär geführten Hotelbetrieb – mit einer aus Donaueschingen kommenden Hoteldirektorin.

Fest steht, dass es das achte Hotel in Petershausen-West wird. Qualitativ und preislich soll es zwischen dem 47 Grad (vier Sterne, Doppelzimmer ab 170 Euro pro Nacht) und dem Ibis-Hotel (Drei Sterne, Doppelzimmer im selben Zeitraum ab 110 Euro pro Nacht) liegen. Zielgruppe seien im "Hbr" Geschäftsreisende ebenso wie Bodensee-Touristen.