Konstanz/Vaduz Es geht um Millionen: Villen-Besitzer aus Liechtenstein erhebt schwere Vorwürfe gegen Konstanzer Architektur-Professor

Ein privater Bauherr aus Vaduz macht einen Architekten, der in leitender Funktion an der Konstanzer Fachhochschule arbeitet, für schwere Fehler bei der Bauleitung für seine Villa verantwortlich. Der Professor selbst sieht durch seine private Arbeit als Architekt seine Hochschultätigkeit nicht betroffen.

Wie viel sollte, wie viel muss ein Fachhochschul-Professor in der beruflichen Praxis arbeiten? Möglichst viel, um die Entscheidung für die Lehre attraktiv zu halten. So argumentieren jene, die bei steigenden FH-Studierendenzahlen fehlende Bewerber für Professorenstellen feststellen. Nur so viel, dass weder der eine, noch der andere Bereich unter dem anderen leidet – das sagt der Bauherr einer Privatvilla aus Vaduz. Der Deutsche lebt seit Jahren in Liechtenstein und ließ sich dort ein stattliches Anwesen im Wert von mehr als zehn Millionen Euro bauen.

Klage soll bevor stehen

Für die Bauleitung sei ihm 2015 ein Architekt empfohlen worden, der als Professor an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung Konstanz (HTWG) in leitender Position arbeitet. Zuvor scheiterte die Zusammenarbeit mit einem anderen Architekten. Zweieinhalb Jahre nachdem laut des Bauherrn ein "überdurchschnittlich attraktiv dotierter Vertrag" mit dem Konstanzer Architektur-Professor zustande kam, stehe nun eine Klage bevor.

Gutachten macht Schaden von mehr als zwei Millionen Euro aus

Dem Mann mit Liechtensteiner Wohnsitz seien laut einem Gutachten, das dieser Zeitung vorliegt, Schäden von mehr als zwei Millionen Euro entstanden. Sie gingen auf Fehler bei der Bauleitung durch das privat geführte Büro des Konstanzer Professors zurück. Unter anderem handelt es sich um Türen, die nicht wie gewünscht barrierefrei sind; um eintretendes Wasser im Untergeschoss des stattlichen Anwesens; um Gartentore, die sich nicht mehr öffnen lassen, sobald mehrere Zentimeter Schnee fallen. Rund 282.000 Euro beziehen sich laut Gutachten auf eine "mangelhafte Vertragserfüllung". Die Summe wurde demnach bezahlt "für Leistungen, die gar nicht beziehungsweise ungenügend erbracht wurden".

Weitere 916.000 Euro hingen mit zwar fehlerfrei erbrachten, aber nicht von S. gewünschten Handwerkerarbeiten zusammen. "Das heißt, die Bauleitung hat hier falsche Leistungen ausführen lassen", erklärt der Gutachter. Etwa ein Fünftel der Gesamtkosten für die Villa machen damit die Schäden aus, die ihr Besitzer geltend macht.

21.500 Euro pro Monat pauschal bezahlt

Für die Bauleitung vereinbarte er mit dem Büro des Architektur-Professors ab Juli 2015 eine monatliche Pauschale von 21.500 Euro bis zur Fertigstellung. Ein Vertragsentwurf liegt dieser Zeitung vor. Der Mann aus Vaduz erklärt, die Zahlungen im Juli 2017 eingestellt zu haben, als sich der Streit zwischen beiden Parteien zuspitzte. "Ich fühlte mich erpresst und genötigt", sagt der Bauherr. Auf die Vorwürfe angesprochen gibt sich der Konstanzer Professor bedeckt. "Meine Tätigkeit im Rahmen des betroffenen privaten Bauprojekts in Vaduz (Liechtenstein)" habe seine Arbeit "an der HTWG Konstanz in keinster Weise beeinträchtigt". Weitere Auskünfte erteilt er weder mündlich, noch schriftlich.

Villa-Besitzer zweifelt moralische Tauglichkeit des Professors an

Sein Vertragspartner kann sich nicht vorstellen, "dass er als moralischer Kompass für Studierende tätig ist. Entweder er lässt mich vorsätzlich hängen, oder er ist mit dem Auftrag schlicht überfordert". Gleichzeitig betont er, dass er den Konstanzer Professor trotz der Vorwürfe nicht an den Pranger stellen will. Verboten sind diesem private Nebentätigkeiten nicht, der Dienstherr muss sie gemäß Landesbeamtengesetz aber genehmigen. Die HTWG orientiert sich an den gesetzlichen Vorgaben, teilt Sprecher Adrian Ciupuliga mit. In die Entscheidung eingebunden seien die jeweilige Organisationseinheit, die Personalabteilung und die Hochschulleitung.

Was Hochschulprofessoren nebenbei überhaupt arbeiten dürfen

"Die Aufgaben in der Lehre müssen selbstverständlich erfüllt werden", sagt Bastian Kaiser über die grundsätzliche Regelung von Professoren-Nebentätigkeiten. Kaiser ist Vorsitzender des Verbandes Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) Baden-Württemberg. Im Normalfall müssten 18 Semesterwochenstunden Lehrdeputat an mindestens vier Tagen in der Woche erbracht werden, erklärt er. Für Leitungspositionen wie beim betroffenen Architekten in Konstanz gebe es klar geregelte Zugeständnisse in der Lehre, da ihre Arbeitsbelastung – unter anderem durch Aufgaben in Gremien oder der Verwaltung – höher sei.

Hochschulverband: Arbeit in der Privatwirtschaft ist wichtig für Professoren

Kaiser gibt zu bedenken: "Die Vorstellung von einem Professor, der seine Arbeitszeit an der Hochschule absitzt und nicht in der wissenschaftlichen Welt und der Welt der Praxis unterwegs ist, ist realitätsfern und bedient das Klischee des Elfenbeinturms, das insbesondere auf HAW-Professuren noch nie gepasst hat und nie zutreffen wird." Die HTWG möchte weder absolut noch prozentual angeben, wie viele ihrer Professoren nebenbei arbeiten. Adrian Ciupuliga betont allerdings ebenfalls, dass die Vorgaben darauf abzielen, "dass der originäre Auftrag der Professoren nicht negativ beeinflusst wird".

Der Vaduzer Villa-Besitzer dagegen sieht seinen Auftrag durchaus negativ beeinflusst. So hätte der Architekt aus Konstanz zwar umgehend nach Vertragsschluss prominent mit dem zu betreuenden Anwesen geworben. "Wenn überhaupt, dann ist das Büro allerdings unregelmäßig und sehr selten seiner vertraglichen Pflicht zur Überwachung auf der Baustelle nachgekommen", fasst der Bauherr zusammen.

 

Architektur-Professoren haben eine Sonderstellung

Welchen Nebentätigkeiten Professoren nachgehen dürfen, regeln das Landesbeamtengesetz und die Hochschulnebentätigkeitsverordnung. Nur Architekten oder Bauingenieure dürfen demnach freiberuflich in einem Büro arbeiten. Die Voraussetzungen: Die Tätigkeit "ist im Interesse der Lehre oder der Forschung notwendig"; die Aufgaben sowie die personelle und sachliche Ausstattung des Büros sind von der Hochschule getrennt; das Büro liegt "in vertretbarer Nähe" zum Dienstort; die Tätigkeit wird nur als Beteiligung oder Mitarbeit in einer Bürogemeinschaft ausgeübt.

 

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