Christin Löhner hat ihre Kandidatur am späten Montagabend zunächst über die sozialen Medien bekannt gegeben. Im Gespräch mit dem SÜDKURIER bestätigt die Frau mit transsexueller Vergangenheit ihr Ansinnen, Oberbürgermeisterin von Konstanz zu werden. Sie trete als Spitzenkandidatin der Partei Allianz für Menschenrechte, Tier- und Naturschutz an. „Das ist definitiv ernst gemeint“, sagt sie, „das ist keine Scherz-Kandidatur.“

Christin Löhner (rechts) gemeinsam mit dem Vorstand der Allianz für Menschenrechte, Tier- und Naturschutz Josef Fassl (links), ihrer Frau Michelle (Zweite von links) und Julia Parth, eine Freundin der Löhners.
Christin Löhner (rechts) gemeinsam mit dem Vorstand der Allianz für Menschenrechte, Tier- und Naturschutz Josef Fassl (links), ihrer Frau Michelle (Zweite von links) und Julia Parth, eine Freundin der Löhners. | Bild: privat

Erste gleichgeschlechtlich Transsexuelle, die in Baden-Württemberg heirateten

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ihrer Pläne scheint zu passen zu den Themen, die Löhner wichtig sind. Genau zwei Jahre nach Inkrafttreten der Ehe für alle in Deutschland am 1. Oktober 2017 macht die Aktivistin und Beraterin für Trans* ihre Kandidatur für die OB-Wahl 2020 öffentlich.

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Löhner wurde einer größeren Öffentlichkeit bekannt, als sie und ihre heutige Frau als erste gleichgeschlechtliche Transsexuelle in Baden-Württemberg geheiratet hatten. Über ihr Leben als Mann im für sie falschen Körper und die Hürden, die ihr auf dem Weg zum Frau-Sein begegnete, hatte der SÜDKURIER zuerst berichtet.

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Aktivistin für Rechte der LGBTQ-Bewegung

Unlängst hat Löhner ihre Autobiografie über diese Zeit geschrieben. Als Mitglied der „Allianz für Menschenrechte, Tier- und Naturschutz„ übernehme sie laut eigener Aussage den Bereich Menschenrechte und setze sich für queere Menschen und die Rechte der LGBTQ-Bewegung ein. In Konstanz organisiert sie unter anderem die alle zwei Jahre stattfindende Parade zum Christopher-Street-Day mit. Nun will Christin Löhner also auch politisch aktiv werden.

Die Aktivistin und Beraterin für Trans* im Herbst des Jahres 2019.
Die Aktivistin und Beraterin für Trans* im Herbst des Jahres 2019. | Bild: privat

Ihr Programm, mit dem sie sich im April für die im Sommer 2020 stattfindende OB-Wahl bewerben will, wirkt auf den ersten Blick wie eine Gesamtschau der Probleme, mit denen sich viele Konstanzer beschäftigen: Änderungen im Auto- und öffentlicher Nahverkehr finden dort ebenso Platz wie Wohnungspolitik und Änderungen im sozialen Bereich, etwa beim Ausbau der Kita-Betreuung.

Chancen auf einen Wahlerfolg werden wohl gering sein

Trotz des breiten Spektrums dürfte Löhner es im Wahlkampf schwer haben. Schließlich tritt sie nicht nur gegen den amtierenden Oberbürgermeister Uli Burchardt an. Derzeit soll ein Bündnis der Gemeinderatsfraktionen aus Freier Grünen Liste, Jungem Forum Konstanz, Linker Liste und SPD an der Suche nach einem schlagkräftigen Gegenkandidaten zu Burchardt arbeiten.

Erste scharfe Worte in Richtung des amtierenden Oberbürgermeisters

Auf die Frage, warum Konstanz einen neuen Oberbürgermeister benötigt, sagt Löhner: „Ich habe mich zuletzt viel bei Bürgern umgehört und von ihrem Unmut über die Politik und Missstände in Konstanz erfahren.“ So habe sich Uli Burchardt laut Löhner in vielen Dingen über den Gemeinderat hinweg gesetzt, was schlussendlich zu Fehlentscheidungen geführt habe.

„Es wird einfach Zeit für eine ehrliche und engagierte Bürgerin, die das Ruder übernimmt und diese in Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat oder Institutionen wie einem Bündnis zur Verkehrswende die Geschicke zum Guten lenkt“, sagt Löhner.