Mit einem offenen Brief der Bürgermeisterin aus Lodi, Sara Casanova, an die Bürgermeister aus Konstanz und Fontainebleau nimmt der Streit der Städtepartner weiter Fahrt auf.

„Mit Entsetzen und Enttäuschung“, schreibt Casanova, habe sie auf den Brief ihrer Städtepartner reagiert. In dem Protestschreiben forderten sie Casanova auf, eine umstrittene Regelung aufzuheben. Diese erschwert Migrantenkindern in der italienischen Stadt den Zugang zu Schulkantinen, dem Transport sowie der Hausaufgabenbetreuung. Die betroffenen Familien müssen einen Nachweis aus ihrem Heimatland vorlegen, der beweist, dass die Familie kein Vermögen hat.

Was Uli Burchardt an der Regelung in Lodi kritisiert

"Die Leute haben meistens keine Chance, eine solche Bescheinigung beizubringen", sagt Oberbürgermeister Uli Burchardt. Er beurteilt die Regelung als fremdenfeindlich und diskriminierend. "Ich hatte das Bedürfnis, mich dazu persönlich zu äußern", sagt Burchardt am Donnerstag im Gespräch mit dem SÜDKURIER. "Kinder dürfen nicht nach Herkunft sortiert werden."

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Warum Casanova die Kritik von sich weist

Casanova, die der rechtspopulistischen Lega angehört, sieht die Regelung nicht als rassistisch an: „Keiner Familie wurde der Zugriff auf schulische Dienstleistungen verwehrt", es müsse lediglich geprüft werden, wer die Ermäßigungen benötige, schreibt sie in ihrem Brief, der auch an die Stadt Konstanz geschickt wurde. Nach Angaben der Stadt ist der Brief bereits am 31. Oktober im Rathaus eingegangen.

Casanova spricht darin von „inhaltlichen Verfälschungen des Ziels der Regelungen“ durch die Bürgermeister der Partnerstädte. Zudem kritisiert sie die Art der Kontaktaufnahme: Sie habe nur einen Anruf durch einen Beamten der Stadt Konstanz erhalten. Eine persönliche Kontaktaufnahme des Konstanzer Oberbürgermeisters habe es nicht gegeben.

„Falls diese Freundschaft fortgeführt wird, zähle ich auf direktere Beziehungen“, schreibt Casanova. Den Kontakt gab es, allerdings per Mail. Diesen hat das Pressebüro im Auftrag von Burchardt übernommen.

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Wird sich in Lodi nun etwas ändern?

Burchardt geht nicht davon aus, dass falsche Schlussfolgerungen gezogen wurden. "Dass Kritik zu unserem Brief kommt, war mir bereits klar", sagt er. Die Antwort bestätige allerdings, dass die Informationen stimmten. Er habe auf den Protestbrief aus Lodi Zuschriften mit Zustimmung erhalten: "Die Bürgerschaft in Lodi ist in dieser Frage gespalten", sagt Burchardt.

Der Forderung nach der Aufhebung der Regelung geht Casanova nicht nach. Sie teilt mit, die Verwaltung der Stadt Lodi werde bei ihrer Entscheidung bleiben.

"Ich muss das akzeptieren", sagt Burchardt. Die Städtepartnerschaft steht trotz des Streits aber nicht auf der Kippe. "Ich finde es wichtig, dass wir im Gespräch bleiben." Deshalb will er auch nochmals eine Antwort senden. Ob er diese mit Frédéric Valletoux aus Fontainebleau oder alleine verfasst, ist noch unklar.