Karlheinz Kunzweiler besuchte die Volksschule am Stephansplatz und später die Zeppelin-Schule (heutiges Alexander-von-Humboldt-Gymnasium). Sein Vater war bei der Konstanzer Zeitung angestellt, die 1936 durch den Verlag der „Bodensee-Rundschau” übernommen wurde.

Die „Bodensee-Rundschau” war eine Tageszeitung mit dem Untertitel „national-sozialistisches Kampfblatt für das deutsche Bodenseegebiet”. Sie war stetige Konkurrenz der Deutschen Bodensee-Zeitung und wurde am Fischmarkt gedruckt, wo Kunzweilers Familie auch eine Dienstwohnung bezog.

Was 1938 in Konstanz passierte, hat der Senior in lebhafter Erinnerung: Er berichtet von pausenlosen Aufmärschen in den Straßen und boykottierten jüdischen Geschäften. Man habe es in der Stadt täglich lesen können: Wer bei Juden kauft, ist ein Volksverräter.“

Der heute 88-jährige Konstanzer Karlheinz Kunzweiler hat mit unserer Autorin seine Erinnerungen an seine Heimatstadt während der NS-Diktatur geteilt.
Der Konstanzer Karlheinz Kunzweiler hat mit unserer Autorin seine Erinnerungen an seine Heimatstadt während der NS-Diktatur geteilt. | Bild: Oliver Hanser

Ein Bild seiner Kindheit kann Kunzweiler bis heute nicht vergessen: die abgebrannte Synagoge am Morgen des 10. November 1938. Damals war er gerade einmal neun Jahre alt. Zusammen mit anderen Kindern sei er aus Neugierde losgegangen und habe die qualmenden Überreste des Gebäudes vorgefunden.

Darauffolgend verschwanden sieben bis acht jüdische Mitschüler eines Tages einfach aus der Stephansschule. Für Kunzweiler und die anderen Schüler war das damals unverständlich. Sein bester Schulkamerad im Gymnasium habe ebenfalls teilweise jüdische Wurzeln gehabt, er durfte nach Absprache mit dem Rektor noch mit den anderen Abitur machen. „Das habe ich alles erst viel später erfahren“, erzählt der Senior, der bis heute zu dem besagten Mitschüler eine enge Freundschaft pflegt.

Kunzweiler beschäftigte sich ausführlich mit diesem dunklen Kapitel der Konstanzer Geschichte in seiner Dokumentation „Jugendjahre in Konstanz a. B. 1937 - 1948“. Der Film erzählt von den ersten Auswirkungen der NS-Diktatur in Konstanz - persönliche Erlebnisse einer Jugend im Konstanz des Dritten Reichs, wie beispielsweise die Zeit in der Hitlerjugend oder das Ausheben von Schützengräben während des zweiten Weltkriegs.