Die Erhöhung der Bestattungsgebühren auf den Konstanzer Friedhöfen bleibt vorerst aus. Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung, nach Vorberatung im Technischen Betriebsausschuss (TBA) und im Friedhofsbeirat, die neuen Gebühren für alternative Bestattungsformen beschlossen und entschieden, die Kosten für bestehende Bestattungen erst einmal nicht anzupassen.

Die Stadtverwaltung hatte zuvor ein Gutachten vorgelegt, dass die Gebühren auf den Konstanzer Friedhöfen mit Blick auf die Haushaltsplanung 2017/18 unter die Lupe genommen hat – mit dem Ergebnis, dass eine Erhöhung durchaus ratsam sei, um die Kosten auch zukünftig zu decken. Dennoch habe sich die Mehrheit im TBA gegen die Anpassung der Kosten ausgesprochen, erklärte Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn im Gemeinderat. "Wir werden die Entwicklung evaluieren. Wenn es dann zu einem Defizit kommt, müssen wir darüber reden, wie das ausgeglichen wird." Der Ausgleich muss innerhalb von fünf Jahren erfolgen. Karl Langensteiner-Schönborn bekräftigte aber auch, dass Konstanz auf einem soliden Weg sei, und erklärte, dass die Stadt im mittleren Bereich der Bestattungsgebühren der Städte in dieser Größenordnung liege.

Warum der Ausschuss gegen die Erhöhung stimmte, erklärte Stadträtin Dorothee Jacobs-Krahnen (FGL) im Gemeinderat: "Wir haben im TBA gesehen, dass unsere Friedhöfe ein existentielles Problem haben, weil sich immer weniger Bürger aus Konstanz auf den Friedhöfen bestatten lassen." Sie nutzten andere, meist günstigere Bestattungsformen wie zum Beispiel die Baumbestattung, die Konstanz noch nicht anbiete. Das bringe das Problem mit sich, dass die Kosten gleich bleiben oder steigen, aber von immer weniger Nutzern getragen werden, erklärte die Stadträtin. "Das kann man nicht den Nutzern aufoktroyieren, die noch bereit sind, sich in Konstanz auf dem Friedhof bestatten zu lassen. Deshalb halten wir es nicht für richtig, die Gebühren weiter anzuheben", sagte Jacobs-Krahnen.

Stattdessen habe der Ausschuss konzeptionell gearbeitet, um Kosten einzusparen und den Menschen ein besseres Angebot zur Verfügung zu stellen, die den Friedhof besuchen, erklärte Stadtrat Matthias Heider (CDU). Außerdem seien neue Bestattungsformen in die Satzung mit aufgenommen worden. Es sei davon auszugehen, dass in den kommenden Jahren weitere Einnahmen generiert werden könnten. "Wir sind aufgrund der vielfältigen Aufgaben, die unsere Friedhöfe haben, der Auffassung, dass wir im Moment die Gebühren nicht erhöhen müssen", erklärte Matthias Heider und ergänzte: "Das Pflänzchen, das wir gepflanzt haben, soll jetzt erst einmal wachsen." Die Bürger sollen nicht gleich mit neuen Gebühren abgeschreckt werden. Sabine Feist (CDU) erklärte: "Die Krux ist, dass es falsch ist, dass ein Friedhof nur unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten angesehen wird.

" Stattdessen habe der Friedhof auch eine soziale Aufgabe zu tragen, er sei für die Lebenden da, um miteinander zu kommunizieren und sich gegenseitig zu stützen. "Und die haben auch was von der Kultur, die auf dem Friedhof stattfindet."

Gegen die Beibehaltung der aktuellen Gebühren sprach sich Johannes Kumm (SPD) aus. "Wir wissen genau, wir haben jetzt schon ein Defizit und es wird weiter wachsen", sagte er. Und: "Wenn wir es dann ausgleichen müssen, wird der Nutzer nicht mit 50 Euro mehr belastet, sondern dann liegt die Belastung vielleicht bei 200 Euro." Das wolle man dem Bürger nicht zumuten. Jürgen Faden (FWK) erklärte: "Wenn wir über Kosten vom Friedhof reden, sollten wir auch mal bei der Gestaltung des Friedhofs an die Kosten denken, die wir verursachen und vielleicht nicht überdimensionierte Grabfelder entwickeln, die nachher viel Geld kosten."

Rund um die Friedhöfe

  • Sieben Friedhöfe: Zu den städtischen Friedhöfen gehören der Hauptfriedhof, die Friedhöfe Allmannsdorf und Wollmatingen, die Ortsteilfriedhöfe in Dettingen und Dingelsdorf sowie der alte und der neue Friedhof in Litzelstetten. Alle Friedhöfe werden in einer gemeinsamen Kosten- und Gebührenrechnung mit gegenseitiger Deckung geführt. Insofern gelten für alle Friedhöfe auch einheitliche Gebührensätze.
  • Gesetzeslage: Die Stadt Konstanz erhebt Gebühren für die Benutzung der Friedhöfe und Bestattungseinrichtungen nach Maßgabe des Kommunalabgabengesetzes (KAG).
  • Letzte Erhöhung: Der Gemeinderat beschloss letztmals eine Anpassung der Friedhofsgebühren zum 1. Januar 2015. Die Gebührensätze wurden dabei für einen zweijährigen Kalkulationszyklus über den Zeitraum 2015 und 2016 festgelegt.
  • Aktuelles Defizit: Für das Jahr 2015 ergab sich ein negatives Ergebnis von rund 7000 Euro. Zum Ende des dritten Quartals 2016 ergab sich ein negatives Ergebnis von rund 39 000 Euro.