Schon im Studium führten ihn Exkursionen an den Bodensee und nach Konstanz. „Hier zu arbeiten, wäre ein Traum“, dachte der junge Student der Schul- und Kirchenmusik damals. Der Traum ist Wirklichkeit geworden: Michael Stadtherr ist neuer Bezirks- und Gemeindekantor an der Lutherkirche in Konstanz.

Jetzt heißt es für Stadtherr, sich in seine nicht gerade wenigen Aufgaben einzuarbeiten: „Ich muss ja auch die Büroarbeit, inklusive zahlreicher Mails, die es zu beantworten gilt, bewältigen und natürlich die Orgel sowie die Chöre kennenlernen.“

Eine weitere wichtige Aufgabe sei die Nachwuchsförderung in seiner Rolle als Bezirkskantor von 21 Gemeinden. Denn es gilt, Orgel- und Chorleitungs-Unterricht, Ausbildung in Gehörbildung, Tonsatz und Musiktheorie für C-Kirchenmusiker, also quasi die semi-professionellen Kirchenmusiker, zu erteilen. Daneben betreut er auch die nebenamtlichen Kirchenmusiker und bildet sie fort.

Sein Vorgänger war 30 Jahre lang im Amt

Stadtherr tritt in die Fußstapfen von Vorgänger Claus Biegert, der die Lutherkirche seit 1986 als Heimstatt für Kirchenmusik und als Kulturforum etabliert hat. So fordern viele wichtige Institutionen die Aufmerksamkeit des Kantors: der Bach-Chor, der an der Lutherkirche zu Hause ist und die Bach-Tage im Herbst ausrichtet; die Reihe „Das kleine Konzert“, das jeden Samstag um 17 Uhr kostenlose Musik bietet und ein Abschalten vom Alltag ermöglicht; das Chorfestival im Sommer, an dem die Chorleiter Michael Auer, Steffen Schreyer und jetzt Michael Stadtherr beteiligt sind.

Sehr glücklich ist Stadtherr, dass es bereits mehrere Kinderchorgruppen in seiner Kirchengemeinde gibt, die von Marina Niedel betreut werden und einen Jugendchor, der sich im Aufbau befindet. Das sei auch sein großer Wunsch: junge Menschen kirchenmusikalisch einzubinden.

Denn Kirchenmusik hat für Stadtherr nicht nur glaubens- und seelsorgerische Aspekte. Es gelte auch, ein großes Weltkulturerbe zu pflegen. Das geschehe nicht nur in Konzerten, sondern es beginne vor allem auch im Gottesdienst, etwa wenn der Gemeindegesang zum Orgelspiel gepflegt werde.

Die Lutherkirche bietet dem Kirchenmusiker auch jetzt schon vor ihrer anstehenden Renovierung mit ihrer großen, viermanualigen Orgel von 1980 ein gutes Arbeitsfeld. „2013 wurde eine Setzeranlage eingebaut, das heißt ich kann die gewünschten Klangfarben vorab speichern, damit ich im Spiel rasch wechseln kann“, berichtet Stadtherr begeistert.

Die Kostprobe seines Könnens

Nun schlüpft Stadtherr in die eigens fürs Orgelspiel mitgebrachten Schuhe mit Absatz und glatter Sohle, damit er auf den Pedalen gut gleiten kann. Und er gibt Kostproben vom Vermögen der Orgel und von seinem großen Können. Eines seiner Lieblingsstücke ist die strahlende Festmusik von Johann Sebastian Bach, das Es-Dur-Präludium.

 

Video: Veronika Pantel

 

Michael Stadtherr ist in Konstanz angekommen: Er hat sogleich mit seiner frisch Verlobten eine Wohnung im Paradies gefunden, fußläufig zu seiner Arbeitsstelle. Und seine Verlobte, die auch Schul- und Kirchenmusik studiert hat, beendet ein Latein-Studium in Konstanz, um in den Schuldienst zu gehen – einer glücklichen privaten wie beruflichen Zukunft dürfte also nichts im Wege stehen.

Zu Person und Auftritten

  • Michael Stadtherr, Jahrgang 1984, ist in Reutlingen aufgewachsen. Er studierte Schul- und Kirchenmusik, absolvierte Aufbaustudiengänge in Dirigieren (Schwerpunkt Chorleitung) und Gesang/Gesangspädagogik. 2015 wurde er Bezirkskantor im Bezirk Esslingen, nun ist er Nachfolger von Claus Biegert an der Lutherkirche Konstanz.
  • Nächste Konzerte: Im Antrittskonzert am Sonntag, 28. Januar, 17 Uhr, spielt Stadtherr Werke von Bach, Mendelssohn Bartholdy, Max Reger und Jehain Alain (1911-1940), Eintritt frei. Am 4. Februar um 15.30 Uhr erklingt im Gottesdienst zur Amtseinführung des neuen Kantors die Bach-Kantate „Lobe den Herren“. Am 30. März (Karfreitag), 17 Uhr, leitet Michael Stadtherr den Bach-Chor und das Bach-Collegium Konstanz in Carl Heinrich Grauns „Der Tod Jesu.“