Konstanz - Alle reden von der Energiewende. Aber wirklich angekommen ist sie noch nicht – in Deutschland nicht und ebenso wenig in Konstanz. Diese Überzeugung vertritt Michael Simon, Mitbegründer und Geschäftsführer der Sunny Solartechnik. „Die Energiewende dürfen wir nicht den Politikern überlassen, sondern wir müssen sie selbst machen“, fordert er.

Viele technische Möglichkeiten, die über die Photovoltaik (PV) und die Solarthermie (Umwandlung der Sonnenenergie in nutzbare Wärme) hinausreichen, seien vorhanden, aber zu wenig bekannt, erklärt Simon. Um dies zu ändern, lädt er im Rahmen der Aktion „Woche der Sonne und Pellets“ (siehe Infokasten) für Samstag, 25. Juni, zu einer Vortragreihe ein. Es gibt Führungen durch das Firmengebäude, das er als Plusenergie-Speicher-Haus bezeichnet.

Privatleute, aber auch öffentliche Einrichtungen in Konstanz seien aufgefordert, mehr für die Energiewende zu tun, so Simon. PV-Anlagen auf Hausdächer zu bauen, reiche nicht aus, da diese alleine keinen Überschuss an Energie erzeugten. „Wir müssen an Neubauten den Überschuss produzieren, den wir an Altbauten nicht erzeugen können“, fordert Michael Simon. „Das umso mehr, wenn wir uns weiterhin den Luxus leisten wollen, unsere mittelalterlichen Gebäude in der Altstadt zu erhalten.“

Eine viel zu wenig beachtete Möglichkeit zur Wärmegewinnung ist laut Simon die Warmwasser-Wärmepumpe, die den Strom von einer PV-Anlage bezieht. „Aus einer Kilowattstunde Energie entstehen so bis vier oder mehr Kilowattstunden Wärme“, erläutert er. Mit ihr lasse sich Warmwasser dann bereiten, wenn die PV-Anlage Strom erzeugt. Im eingebauten Speicher wird das Warmwasser entsprechend lange vorgehalten. „Geduscht wird am nächsten Morgen mit der Energie von gestern Mittag“, beschreibt der Sunny-Geschäftsführer.

Kristian Peter, Vorstandsvorsitzender des Konstanzer Solarforschungsinstituts International Solar Energy Research Center – kurz ISC -, wird in einem Vortrag berichten, welche Erfahrungen er gemacht hat. „Eigenverbrauch und Wärmepumpe passen gut zusammen“, betont er. Als „heruntergekommenes Fertighaus“ beschreibt er den damaligen Zustand seines Einfamilienhauses, als er es vor einigen Jahren kaufte. Bei der Renovierung seien eine PV-Anlage und eine Wärmepumpe installiert worden.

Michael Simon will in seinem Vortrag schildern, wie moderne Stromspeicher die Unabhängigkeit von externen Energieversorgern weiter vergrößern helfen. „Ich will meinen eigenen Strom“, höre er immer wieder von Interessenten. Speichersysteme seien mittlerweile an der Preisschwelle, sodass es sich rechne, ergänzt Kristian Peter. „Für Batterien gibt es Förderungen“, berichtet Simon. Zudem rechne er damit, dass die Preise weiter fallen werden. „So lässt sich die Autarkie von etwa 20 bis 30 Prozent auf 80 bis 90 Prozent hochdrehen.“

Michael Simon hat noch weitere Ideen: Ein computergesteuertes Energiemanagement oder die sogenannte Betonkernaktivierung. Letztere nutze er im Firmengebäude. Dazu wurden – ähnlich wie bei einer Fußbodenheizung – Röhren in die Armierung eingezogen, bevor die Betondecke gegossen wurde. Überzählige Wärme, die von der Solarthermie-Anlage an der Hauswand erzeugt wird, wird dort eingespeist und dient als Wärmepuffer.

Die Aktion

Die Woche der Sonne und Pellets findet zum zehnten Mal statt und wird vom Bundesverband Solarwirtschaft veranstaltet. Für Samstag, 25. Juni, lädt Sunny Solartechnik, Gustav-Schwab-Straße 14, zu Vorträgen und Besichtigungen ein. 14 Uhr: Vortrag von Timo Schneeweis, Firma Seenovation: Solarstrom und Elektroauto, Überblick der Elektrofahrzeuge und Ladestationen, Probefahrten; 15 Uhr: Vortrag von Kristian Peter, ISC Konstanz: Solarstrom und Wärmepumpe, preiswert Heizen im Einfamilienhaus, Praxiserfahrungen; 15.30 Uhr: Führung durch das Plusenergie-Speicher-Haus; 16 Uhr: Vortrag von Michael Simon, Sunny Solartechnik: Solarstrom und Stromspeicher, mit Solarstrom für den Eigenbedarf Stromkosten senken, Erhöhung der Autarkie mit Stromspeicher, welche Sonnenbatterie passt zu meinem Verbrauch; 16.30 Uhr: Führung durch das Plusenergie-Speicher-Haus des gastgebenden Unternehmens. (nea)