"Damit keine Missverständnisse entstehen – ich fahre selbst viel Fahrrad und finde es auch sinnvoll", sagt Frank Neu vom Designerstore am Stephansplatz gleich zu Beginn des Gesprächs. Dennoch hält er es für seine Pflicht, bei der Entscheidung der Stadt, auf zwölf Stellplätze am Stephansplatz zu verzichten, erneut nachzuhaken. Er hält sie für falsch und ungeschickt geplant. Auch, dass durch eine neue Regelung zu Marktzeiten der Stephansplatz für den Autoverkehr gesperrt ist, hält Neu für problematisch.

Frank Neu, Mitinhaber des Designerstores, und Birsan Emer, Abteilungsleiterin bei der Yeans Halle, sehen wenig Sinn in den Fahrradstellplätzen direkt am Stephansplatz.
Frank Neu, Mitinhaber des Designerstores, und Birsan Emer, Abteilungsleiterin bei der Yeans Halle, sehen wenig Sinn in den Fahrradstellplätzen direkt am Stephansplatz. | Bild: -Claudia Wagner

Kein Parkplatz für den Kunden bedeutet weniger Umsatz für den Händler

Dafür kann er einige Gründe anführen: Zum einen geht es ihm um seine Tätigkeit als Händler: "Wir haben mit Online-Konkurrenz zu kämpfen und sind auch auf die Kunden angewiesen, die mit dem Auto zu uns kommen." Dass die Stellplätze direkt vor der Tür des Designerstores wegfielen, als dort Mitte 2017 auf Beschluss der Stadtverwaltung Fahrradstellplätze montiert wurden, betrifft ihn also unmittelbar wirtschaftlich. Ähnlich geht es Birsan Emer, Abteilungsleiterin bei der Yeans Halle: "Kunden beklagen sich häufiger bei uns, dass sie keinen Stellplatz bekommen oder sehr lange gesucht haben".

Ein anderes Argument führt über die eigene wirtschaftliche Situation hinaus. Frank Neu kann nicht verstehen, warum die Stadt entschied, freiwillig auf Einnahmen aus den Parkgebühren zu verzichten. Er schätze den Betrag der Mindereinnahmen auf mehrere zehntausend Euro. "Zumal die Fahrradstellplätze nicht intensiv genutzt werden außer an Markttagen. An den übrigen Tagen stehen hier vielleicht zehn Fahrräder."

Für Fahrräder gibt es andere Stellplätze

Die Not beim Abstellen des Rades sei nicht halb so groß wie wenn es um Autostellplätze gehe, ergänzt Neu. Erst 2016 seien Radstellplätze auf der Laube geschaffen worden in wenigen Metern Entfernung zum Stephansplatz. Auch diese Stellplätze würden nur zögerlich genutzt und auch hier sei ohne Not auf Kfz-Stellplätze verzichtet worden. Er schlägt deshalb vor, die Radstellplätze am Stephansplatz wieder abzubauen und sie zum Beispiel direkt an die Stephanskirche zu verlegen.

An der Laube parkten früher Autos, jetzt sind hier Stellplätze für Fahrräder. Diese Fahrradbügel werden nicht so intensiv genutzt wie die meisten in der Innenstadt.
An der Laube parkten früher Autos, jetzt sind hier Stellplätze für Fahrräder. Diese Fahrradbügel werden nicht so intensiv genutzt wie die meisten in der Innenstadt. | Bild: Wagner, Claudia

Stadtverwaltung will an der jetzigen Lösung festhalten

Dass die Radstellplätze nicht genutzt würden, dem widerspricht die Stadtverwaltung. Die Abstellanlage habe mehrere Verbesserungen gebracht, schreibt Pressesprecher Walter Rügert in einer Stellungnahme. Die Fußgängerbereiche seien freier als vorher und damit die Zugänge zu Geschäften verbessert. Zu Marktzeiten sei die Abstellanlage nahezu komplett gefüllt – dies hatte ja auch Frank Neu eingeräumt. Mitglieder des Arbeitskreises Radverkehr hätten sogar gefordert, das Fahrradparken auf dem Stephansplatz weiter auszubauen.

Eine Verlegung der Stellplätze ist kaum denkbar

Einem alternativen Stellplatz für die Fahrräder erteilt die Verwaltung eine Absage: Zum einen gebe es bereits Abstellbügel an der Stephanskirche, der übrige Platz dort sei aber durch langfristige Verträge mit Marktbeschickern gebunden, schreibt Rügert.

Fahrradstellplätze an der Stephanskirche.
Fahrradstellplätze an der Stephanskirche. | Bild: Wagner, Claudia

Hat die Stadt die Händler im Vorfeld eingebunden?

Die Einzelhändler erheben noch eine weitere Klage, die sie vor allem in die Zukunft gerichtet wissen wollen. Frank Neu habe sich geärgert, dass im Vorfeld der Entscheidung, Fahrradbügel vor den Geschäften zu installieren, Feuerwehr und Polizei um ihre Einschätzung gebeten wurden, er als Händler jedoch außen vor blieb. Auch bei dem Beschluss, den Stephansplatz zu Marktzeiten zu sperren, seien er und seine Kollegen nicht eingebunden gewesen. Zum Weinfest habe die Stadt den Platz vier Tage lang komplett eingezäunt: "Man hat uns darüber nicht frühzeitig informiert", lediglich ein Schreiben eine Woche vor dem Fest gegeben. Das bestätigt auch Birsan Emer.

Die Stadtverwaltung widerspricht dieser Darstellung zum Teil. Über das Anbringen der Fahrradbügel habe die Stadt alle Eigentümer der Grundstücke, die direkt an die neuen Stellplätze angrenzen, informiert. Beim Weinfest räumt sie Versäumnisse ein: Man sei bemüht, die Absprachen mit den Händlern vor dem nächsten Weinfest zu verbessern, schreibt Ulrich Hilser aus dem Pressebüro der Stadt.