"Visite": Das war hier jahrzehntelang der morgendliche Gruß von Ärzte- und Pflegeteams. Nun haben hunderte Konstanzer die Gelegenheit zu einem Krankenhausbesuch der besonderen Art genutzt: Das ehemalige Vincentius-Krankenhaus wurde bereits in den ersten Stunden eines in vielerlei Hinsicht einmaligen Kunstprojekts regelrecht gestürmt. Die Besucher wollten sehen, wie rund 100 Künstler, vom Vollprofi bis zum Kindergartenkind, die ehemaligen Zimmer, Untersuchungsräume und Operationssäle gestaltet haben, bevor der Abrissbagger kommt.

Begrüßung im einstigen Foyer des Vincentius-Krankenhauses: Bert Binnig, einer der Initiativen des Kunstprojekts Visite in Konstanz, wünscht den Besuchern viel Spaß.
Begrüßung im einstigen Foyer des Vincentius-Krankenhauses: Bert Binnig, einer der Initiativen des Kunstprojekts Visite in Konstanz, wünscht den Besuchern viel Spaß. | Bild: Jörg-Peter Rau

Dass dieses Projekt möglich sein würde, daran hatten viele nicht geglaubt, sagte bei der Eröffnung Bert Binnig, einer der Initiatoren. Vier Wochen lang hätten die Künstler einen Freiraum der besonderen Art gehabt. "Visite ist ein Geschenk", sagte er, für die Künstler ebenso wie für die Stadt, und ermöglicht von vielen Partnern wie dem früheren Immobilienbesitzer Klinikum Konstanz und dem jetzigen, der Immobilientochter der Bank LBBW.

Gut besucht: Bereits bei der Eröffnung des Kunstprojekts Viste stürmten hunderte Konstanzer das vor dem Abbruch stehende ehemalige Vincentius-Krankenhaus.
Gut besucht: Bereits bei der Eröffnung des Kunstprojekts Viste stürmten hunderte Konstanzer das vor dem Abbruch stehende ehemalige Vincentius-Krankenhaus. | Bild: Jörg-Peter Rau

Oberbürgermeister Uli Burchardt sprach ebenfalls von einer großen Gemeinschaftsleistung und verteidigte den Zuschlag des Filetgrundstücks an die LBBW. Mit dem Erlös werde der Neubau am Klinikum in Petershausen maßgeblich mitfinanziert. Das Projekt Visite sei aber auch ein Brückenschlag nach Singen, das dortige Abbruch-Immobilien-Projekt "Arte Romeias" habe Pate gestanden. Jens Kulicke von der LBBW sagte, durch das Projekt habe er gelernt, dass das Vincentius in Konstanz "wahrhaft eine Institution" sei.

Beim erfolgreichen Start für das Kunstprojekt Visite im ehemaligen Vincentius-Krankenhaus (von vorne): Friedrich Haupt, Bert Binnig, OB Uli Burchardt, Jens Kulicke von der Landesbank Baden-Württemberg und Rainer Ott, Geschäftsführer des Klinikums Konstanz.
Beim erfolgreichen Start für das Kunstprojekt Visite im ehemaligen Vincentius-Krankenhaus (von vorne): Friedrich Haupt, Bert Binnig, OB Uli Burchardt, Jens Kulicke von der Landesbank Baden-Württemberg und Rainer Ott, Geschäftsführer des Klinikums Konstanz. | Bild: Rau, Jörg-Peter

Das Haus werde abgerissen, aber das Vincentius bleibe bestehen, sagte Rainer Ott vom Konstanzer Klinikum. Visite biete aber Gelegenheit, vom alten Gebäude Abschied zu nehmen und so auch all jene zu würdigen, die es als Patient, Angehöriger oder als Mitarbeiter prägten. Zur Eröffnung freilich überwog die Freude von Bert Binnig: "Visite ist eine Wundertüte – genießt's!"

Das Kunstprojekt Visite im Vincentius-Krankenhaus, Untere Laube, ist nur am Samstag, 7. Juli, von 10 bis 22 und am Sonntag, 8. Juli, von 12 bis 18 Uhr zu sehen.