Das Unternehmen rüstet zunächst einen Müllwagen mit dem System aus, bei dem eine Kamera eine tragende Rolle spielt. Stephan Fiedler, Geschäftsführer von Saferworx, eine Konstanzer Firma, die auf Sicherheitstechnologie spezialisiert ist, hat den Versuch angeregt.

Wozu dient die Kamera?

Die kleine Kamera könnte zur Lebensversicherung für Radfahrer werden: Sobald im fahrenden Müllauto der Blinker zum Rechtsabbiegen gesetzt ist, zeigt ein Monitor im Wagen den Bereich neben dem Fahrzeug an, den der Fahrer mit Spiegel nicht einsehen kann. Zusätzlich erklingt ein Alarmton, sobald sich ein Objekt von hinten kommend im Gefahrenbereich bewegt. Anders als bei herkömmlichen Systemen soll diese intelligente Bewegungserkennung zu weniger Fehlalarmen führen.

Wie fehleranfällig ist das System?

Achim Lehle, Abteilungsleiter für die Abfallwirtschaft und den Fuhrpark bei den EBK, weiß von anderen Städten, in denen Abbiege-Assistenten keine Akzeptanz erfuhren, weil sie immer wieder im falschen Moment Alarm schlugen. Letztlich hätten die Fahrer das System ausgeschaltet. Mit Blick auf das neuartige Kamerasystem ist er zuversichtlich, dass es mit diesem besser laufen könnte.

Wie soll der Test ablaufen?

Zwei Wochen lang wollen die EBK probeweise das System auf einem Wagen im Einsatz haben. Sollte es sich bewähren, würden die EBK es behalten. Die Kosten für die Ausrüstung liegen nach Angaben von Fiedler bei rund 1200 Euro. Zum Vergleich: Ein Müllwagen kostet rund 200.000 Euro, wie Lehle sagt.

Und wenn der Test erfolgreich ist?

Bei einem erfolgreichen Test könnten auch die Kippwagen für den Containertransport der EBK und andere Lastwagen für die Nachrüstung in Frage kommen. Es könne auch sein, dass ein Abbiege-Assistent bald Pflicht werde. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur stellt für die freiwillige Nachrüstung eine Fördersumme von fünf Millionen Euro im Jahr zur Verfügung. Der Ansturm auf die Mittel war allerdings so groß, dass der Topf schon nach wenigen Tagen leer war, wie der Deutsche Verkehrssicherheitsrat berichtet. Er fordert zusätzliche Mittel.

Wer ist die Konstanzer Firma hinter dem Test?

Stephan Fiedler ist mit seiner Firma Saferworx in Konstanz Spezialist für Sicherheitslösungen, wie Notrufsysteme für Menschen, die allein an einem Arbeitsplatz stehen, an dem sie sich schwer verletzen oder anderweitig gefährden können. In einem nach Angaben Fiedlers selbst entwickelten System dient das Handy als Lebensretter. Es hat ein Programm, das einen Aufprall erkennen kann, wenn beispielsweise ein Mitarbeiter zu Boden stürzt. Es löst dann Alarm aus. Wird dieser nicht zurückgenommen, geht er an eine Notrufleitstelle.

Ist das die erste Zusammenarbeit mit den EBK?

Nein, für solche Sicherheitslösungen arbeitete Fiedler auch schon für die EBK. Er stieß bei Recherchen auf den neuartigen Abbiege-Assistenten, der ihm ausgereifter erschien als alle bisherigen Modelle. Die Kamera des Assistenten wird am vorderen Teil des Lastwagens angebracht, zum Beispiel an der Fahrerkabine. Für jedes Fahrzeug sei eine individuelle Einstellung möglich, sagt Fiedler. Für einen Müllwagen, der vorwiegend in den engen Gassen der Altstadt eingesetzt wird, könne diese anders sein als für ein Überlandfahrzeug. Die Montage durch einen Fachmann sei in eineinhalb bis zwei Stunden machbar.