Der Großvater brachte damals Weitsicht in den Betrieb ein. „Vor 50 Jahren hat er im Berchengebiet ein Haus bauen lassen mit 14 Wohnungen“, berichtet Thomas Dietenmeier, Inhaber des Heizungs- und Sanitärbetriebs Dietenmeier-Harsch in Petershausen. Bis heute wohnten dort vorwiegend Personen, die in einem Verhältnis zum Handwerksbetrieb stehen. Zum Teil sind es ehemalige Mitarbeiter, die längst in Rente sind. Thomas Dietenmeiers Vater hat die Verwaltung der Vermietung übernommen.

Das ist das Haus, in dem die Familie Dietenmeier Mitarbeiter unterbringen kann.
Das ist das Haus, in dem die Familie Dietenmeier Mitarbeiter unterbringen kann. | Bild: Oliver Hanser

Betriebswohnungen können Standortvorteil sein

So weit wie Dietenmeiers Großvater haben längst nicht alle Handwerksbetriebe gedacht. Inzwischen kann dies zum Standortnachteil werden. Handwerker haben große Probleme, Mitarbeiter zu finden – auch, weil Wohnungsmieten in Konstanz enorm hoch sind.

Nicht jeder Auszubildender kann bei den Eltern wohnen

Mamuka Tsithaischwili profitiert heute vom Weitblick der Dietenmeiers. Er ist Auszubildender im dritten Lehrjahr im Betrieb und hat eine besondere Geschichte: 2016 kam er zum ersten Mal als Praktikant zu Dietenmeier-Harsch. Er war damals Asylbewerber, als Georgier wurde er aber nicht anerkannt und kehrte 2017 zurück in seine Heimat.

Damals hatte er aber schon eine Lehre begonnen, und Thomas Dietenmeier setzte sich beim Ausländeramt dafür ein, dass sein Auszubildender wieder einreisen durfte. Seit 2018 ist Tsithaischwili erneut in Konstanz, diesmal mit einem Arbeitsvisum, das regelmäßig verlängert wird.

Betriebswohnung ist erschwinglich

Für den 32-Jährigen ist es eine große Erleichterung, dass Dietenmeier ihm neben dem Ausbildungsvertrag auch gleich eine Wohnung anbot. „Vorher habe ich in einem winzigen Zimmer gewohnt, für das ich 400 Euro zahlen musste“, berichtet er. Jetzt zahlt er für seine Ein-Zimmer-Wohnung mit 33 Quadratmetern 320 Euro warm.

Mamuka Tsithaischwili, Azubi bei Dietenmeier und Harsch, in seiner Küche. Er ist froh um die Wohnung, die seine Firma an ihn vermietet.
Mamuka Tsithaischwili, Azubi bei Dietenmeier und Harsch, in seiner Küche. Er ist froh um die Wohnung, die seine Firma an ihn vermietet. | Bild: Oliver Hanser

Der Bedarf an Lehrlings- oder Mitarbeiterwohnungen sei sehr unterschiedlich, sagt Dietenmeier. In manchen Handwerksbranchen sei es üblich, als Auszubildender den eigenen Wohnort zu verlassen. Im Elektro- und Sanitärgeschäft sei es eher Gewohnheit, dass junge Lehrlinge bei den Eltern wohnten. Thomas Dietenmeier ist dennoch froh, seinen Mitarbeitern bei Bedarf eine Wohnung anbieten zu können: „Ein frisch ausgebildeter Geselle verdient etwa 17 Euro pro Stunde. Auch bei diesem Gehalt wird es schwierig auf dem Wohnungsmarkt.“

Jeder Mitarbeiter ist für einen Betrieb wertvoll

Jürgen Faden, Inhaber des gleichnamigen Elektrogeschäfts in Konstanz, sieht das Problem weniger bei Lehrlingen. Seine Auszubildenden seien meist aus der Stadt und wohnten bei den Eltern. „Bei Mitarbeitern ist es aber kritischer“, sagt er. Es komme nicht sehr häufig vor, doch aktuell sei er gerade dabei, einem Mitarbeiter zu helfen, eine neue Wohnung zu finden. Das funktioniere meist über private Netzwerke.

Überlegungen, gemeinsam Wohnraum anzubieten

In der Handwerkerschaft gebe es immer wieder Überlegungen, ob man sich zusammentue und gemeinsam für Personalwohnungen sorge. „Aber konkret wurde das bisher nie“, sagt Faden, der außerdem Stadtrat der Freien Wähler ist. Angesichts des Fachkräftemangels sei es aber durchaus ein Zukunftsthema, wenn ein Betrieb neben einer Arbeitsstelle auch eine Wohnmöglichkeit anbieten könne.

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Handwerkskammer in Sorge wegen des Wohnraums

Auch die Handwerkskammer Konstanz sieht Bedarf bei Wohnungen für Auszubildende. Georg Hiltner, Geschäftsführer der Handwerkskammer, schreibt in einer Stellungnahme, dass längst nicht mehr alle Auszubildenden bei den Eltern wohnten. „Diese Auszubildenden sind auf kostengünstigen Wohnraum angewiesen, der in Konstanz knapp ist. Wir kennen Fälle von Auszubildenden, die aufgrund der hohen Kosten in der Stadt aufs Land gezogen sind, wo Wohnraum noch bezahlbarer ist.“ Wenn dann der Fahrtweg zur Arbeit oder Berufsschule eineinhalb Stunden dauere, sei das eine enorme Belastung für Lehrlinge.

Ganz unkompliziert ist es natürlich auch für Betriebe nicht, die ein Angebot an Personalwohnungen haben. „Ein Mietvertrag ist kein Arbeitsvertrag“, erinnert Thomas Dietenmeier. Wenn ein Arbeitnehmer etwa die Stelle wechsle, müsse er nicht aus der Wohnung ausziehen, die ihm über Dietenmeier und Harsch angeboten wurde. Dennoch werde im Haus im Berchengebiet immer wieder eine Wohnung frei, die stets zuerst betriebsintern angeboten werde.

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