Die Aufführung des Stücks "Mein Kampf" schlug hohe Wellen in Konstanz, die Folgen tun es auch. Bürgermeister Andreas Osner hat bei einer Agentur eine Studie in Auftrag gegeben, um herauszufinden, ob die Inszenierung der Stadt Konstanz einen Imageschaden zugefügt habe. Die Studie kostete 13.000 Euro.

FGL beantragt Diskussion im Kulturausschuss

Die FGL-Fraktion hat sofort nach Erscheinen des SÜDKURIER-Artikels dazu beantragt, dass die Ratsmitglieder über die Studie informiert werden und das Thema im Kulturausschuss auf die Tagesordnung kommt. Stephan Kühnle begründet den Antrag: "Die FGL stellt sich die Frage, was mit diesem Gutachten bezweckt werden soll und wie der genaue Auftrag an die Gutachter lautet. Mit dem Antrag sorgen wir für Transparenz und die Möglichkeit einer Diskussion."

Bild: Scherrer, Aurelia

Auch Roger Tscheulin (CDU) drängt auf genauere Information. "Wir wüssten gern, was der Hintergrund war, warum dieser Schritt getan wurde für dieses Geld. Für 13.000 Euro müssen andere ziemlich lang arbeiten. Darüber sollte man sich schon mal einen Kopf machen." Das Thema löse bei ihm Unverständnis bis hin zum Kopfschütteln aus, er hoffe, dass eine seriöse Diskussion zur Aufklärung beitragen könne.

FDP spricht von "Verschwendung von Steuergeldern"

Heinrich Everke (FDP) fasst es kurz: "Es bringt nichts, dafür 13.000 Euro auszugeben", sagt er, ein Gutachten bringe gar niemanden etwas, die FDP sei ohnehin dagegen, Gutachten zu erstellen. In diesem Fall sei es eine Verschwendung von Steuergeldern. Aufarbeiten will er das Thema im Gegensatz zu den meisten anderen Fraktionen auch nicht. "Es ist mir zu peinlich, in dem Thema herumzurühren. Ich würde kein Wort dazu verlieren".

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Kleinkrieg zwischen Bürgermeister und Intendant

Die Reaktion Matthias Schäfers (Junges Forum) fällt schärfer aus. "Nicht nur, dass es ein Unding war, über ein Stück zu urteilen, das der Bürgermeister sich gar nicht angeschaut hat und nun noch dieser Auftrag, der wahrscheinlich alles andere als nützlich ist", schreibt Schäfer per Mail. Die Form des Kleinkriegs zwischen dem Bürgermeister und dem Theaterintendanten sei nur peinlich und der Bürgermeister beschädige damit seine Glaubwürdigkeit.

Theater muss "weiterhin in seiner Programmgestaltung frei bleiben"

Auch die SPD-Fraktion ist nicht einverstanden: Zu keinem Zeitpunkt habe Handlungsbedarf für eine 13.000 Euro teure Untersuchung bestanden, schreibt Jürgen Ruff, "uns erschließt sich der Sinn einer solchen Untersuchung nicht." Bei einer Beteiligung der politischen Gremien wäre ein solcher Beschluss sicher nie zustande gekommen, schreibt Ruff weiter. Das Theater sei in der Auswahl seines Programmes, der Inszenierungen und der Bewerbung der Inszenierungen frei: "Daran wird zum Glück auch keine Untersuchung der Welt etwas ändern können."

Von fehlendem "kommunalpolitischem Fingerspitzengefühl"

Dass das Vorgehen vorab in den zuständigen Gremien hätte diskutiert werden sollen, sieht auch Holger Reile von der Linken Liste so. "Doch kommunalpolitisches Fingerspitzengefühl geht Herrn Osner wohl völlig ab", schreibt Reile. So führe der SPD-Bürgermeister einen persönlichen Rachefeldzug gegen den Intendanten des Stadttheaters – zu Lasten der Steuerzahler. "Das ist nicht zu akzeptieren". Die Fehlentscheidungen aus dem Hause Osner häuften sich und es verfestige sich der Eindruck, dass er seinem verantwortungsvollen Posten nicht mehr gewachsen sei.