Was Lebensqualität und Freizeitmöglichkeiten anbelangt, gehört Konstanz ganz ohne Zweifel in die Top Ten der deutschen Städte in der Größe zwischen 50.000 bis 100.000 Einwohnern – sogenannte Mittelstädte.

Dass die Lage zwischen Schwarzwald und Alpen, direkt am Bodensee, ihren Preis hat, bestätigt nun eine andere Rangliste, in der Konstanz auch die unangefochtene Nummer eins ist – leider muss man sagen aus Sicht der Bewohner.

Denn in Konstanz sind sowohl die Mieten als auch die Kaufpreise unter allen deutschen Mittelstädten höchsten. Dies hat eine aktuelle Analyse des Internet-Immobilienportals Immowelt ergeben.

„In deutschen Mittelstädten herrscht eine große Diskrepanz bei den Miet- und Kaufpreisen von Immobilien. Die teuersten Standorte befinden sich im Süden der Republik, am günstigsten wohnen die Deutschen im Osten und in Teilen Nordrhein-Westfalens“, schreibt Immowelt in einer Mitteilung.

Untersucht wurden dafür die Miet- und Kaufpreise der 111 deutschen Städte zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern. Die teuerste Mittelstadt ist Konstanz. Wohneigentum kostet hier laut der Studie im Mittel 4550 Euro pro Quadratmeter. Mietwohnungen werden für eine Kaltmiete von 12,10 Euro pro Quadratmeter angeboten. Ähnlich teuer wie Konstanz sind Rosenheim (4290 Euro Kaufpreis pro Quadratmeter) und Landshut (3950 Euro).

Bodensee, Uni und Arbeitsumfeld machen Konstanz teuer

„Die Lage am Bodensee, die renommierte Universität und Arbeitsplätze im Wissenschaftssektor sind Gründe für die große Anziehungskraft“, erklärt das Portal in seiner Mitteilung.

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Auch Winfried Kropp, Pressesprecher und Vorstandsmitglied des Deutschen Mieterbundes Bodensee, sieht die „Attraktivität des Standortes und die Erwartung an die Rendite“ für die hohen Kaufpreise verantwortlich.

Kaufpreise sind stärker gestiegen als Mieten

„Die Zahl spiegelt eines wieder, was in der Vergangenheit nur untergeordnet betrachtet wurde“, ergänzt Kropp. „In Konstanz sind die Kaufpreise stärker gestiegen als die Mieten.“ Wobei er bei den absoluten Zahlen der Mietpreise in der Immowelt-Statistik warnt. „Es handelt sich hier nur um Angebotsmieten. Wir wissen nicht, zu welchem Preis die Verträge tatsächlich abgeschlossen werden“, sagt Winfried Kropp.

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Man müsse davon ausgehen, dass es auch in Konstanz faire Vermieter sowie günstigere Wohnungen gebe, die unter der Hand vermietet würden und daher nicht auftauchten. „Die Zahl von Immowelt ist etwas überhöht, da die Angebotspreise immer höher als die ortsübliche Vergleichsmiete sind, die die Mietspiegel ausgibt. Beim letzten Mietspiegel Mitte 2017 lagen wir im Durchschnitt bei 9,38 Euro Miete pro Quadratmeter.“ Der Mieterbund fordert, dass nicht nur die Mieten der letzten vier Jahre im Mietspiegel berücksichtigt werden. Hier sei der Gesetzgeber gefordert, so Kropp.

Die ersten zehn Plätze belegen größtenteils Städte aus Bayern und Baden-Württemberg

Lediglich das hessische Bad Homburg bildet dabei eine Ausnahme. Die Kaufpreise liegen dort bei 3830 Euro. Mit Mieten von 11,50 Euro ist die Taunusstadt vor den Toren Frankfurts die drittteuerste untersuchte Stadt.

Die regionalen Nachbarn Friedrichshafen (3610 Euro Kaufpreis und 10,20 Euro Miete pro Quadratmeter), Ravensburg (3290/10,00) und Villingen-Schwenningen (1960/7,90) liegen übrigens teils deutlich hinter Konstanz.

In Plauen ist das Wohnen am billigsten

Auch am unteren Ende der Tabelle zeigt sich ein einheitliches Bild. Hier befinden sich viele Kommunen aus dem Osten. Die mit Abstand günstigste aller untersuchten Städte ist Plauen. 490 Euro kostet der Quadratmeter für Wohneigentum, also nur rund ein Zehntel der Konstanzer Preise. Bei Mietobjekten sind es in Plauen 4,50 Euro.

Auch weitere ostdeutsche Städte wie Görlitz, Gera, Zwickau oder Dessau-Roßlau zählen zu den günstigsten untersuchten Standorten. Die Kaufpreise liegen hier bei maximal 830 Euro pro Quadratmeter, die Mieten bei 5,60 Euro.

Betroffen sind in Konstanz vor allem Familien und Menschen mit geringeren Einkommen

„Wir haben hier einen sehr dynamischen Markt in einer Uni-Stadt mit großem Wechsel“, sagt Winfried Kropp vom Mieterbund. „Und häufige Wechsel führen zu großen Sprüngen bei den Mieten. Das zeigt, dass der Ansatz mit der Mietpreisbremse der richtige ist.“ Die derzeitige Lösung reiche aber nicht aus, damit sie funktioniert. „Es gibt zu viele Ausnahmen“, sagt Kropp. „Das Problem ist, dass kein Mieter zu Beginn eines Mietverhältnisses gegen einen Vermieter vorgeht, der sich nicht an die Mietpreisbremse hält.“

Kropp fordert, „dass die Stadt Konstanz sich um den Wohnungsbau, auch im mittleren und sozialen Segment kümmern“ sollte. Das Risiko sei groß, dass Konstanzer Mieter aus der Stadt vertrieben werden.

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„Wer sich zum Beispiel mit Kindern vergrößern will, findet in der Stadt kaum mehr etwas“, sagt Kropp. „Das Problem, keine Wohnung zu finden, betrifft nicht nur Leute mit wenig Geld, auch Handwerker, Erzieher, Polizisten, Krankenpfleger oder Busfahrer sind bedroht.“

Was Lebensqualität und Freizeitmöglichkeiten anbelangt, gehört Konstanz ganz ohne Zweifel in die Top Ten der deutschen Städte zwischen 50000 und 100000 Einwohnern. Wenn man sich dieses Leben denn leisten kann.