Die Lage am See, der Charme der Altstadt, das breite Angebot der Geschäfte, die vielen Ausflugsmöglichkeiten und das kulturelle Erbe des Konzils: So viele Touristen wie noch nie haben im Jahr 2016 die Reize der Stadt Konstanz für sich entdeckt. Erstmals nähert sich die Zahl der Übernachtungen in Hotels, auf Campingplätzen und in Ferienwohnungen der Zahl von einer Million. Das geht aus der offiziellen Statistik des Landes Baden-Württemberg und den von der Stadtverwaltung erhobenen Zahlen zu den Ferienwohnunegn hervor. Damit legt Konstanz erneut ein überdurchschnittliches Wachstum hin, die Steigerungsraten liegen bei zehn Prozent.

Wenn Norbert Henneberger, Bereichsleiter Tourismus bei der neu formierten Marketing und Tourismus Konstanz GmbH, und sein Chef Eric Thiel über den langen Tabellen des Statistischen Landesamts sitzen, ist ihnen die Freude ins Gesicht geschrieben. "Urlaub am Bodensee ist so beliebt wie nie", sagt Henneberger, und in Konstanz sieht er das "pulsierende Herz" der Feriendestination. Der Erfolg, räumt er aber auch ein, liegt nicht nur in der Stadt selbst begründet. Weil viele Urlaubsziele rund um das Mittelmeer zunehmend unsicher werden, nimmt der Urlaubstourismus insgesamt zu. Aber ein Plus von zehn Prozent in nur einem Jahr, "das liegt nicht nur an den Rahmenbedingungen um uns herum", ist sich Eric Thiel sicher.

Dennoch wissen Henneberger wie Thiel: Der Kampf um die Urlaubsbudgets wird nicht einfacher. Mit neuen Drucksachen und einer generalüberholten Internetseite will die MTK besser werben, und Thiel setzt vor allem auf "Nummer-eins-Themen", wie er es selbst nennt. Konstanz, so das Ziel des Marketingchefs, soll nicht austauschbar sein, sondern ganz bewusst angesteuert werden. Mit neuen, teils auch historisch inszenierten Stadtführungen und den vielen Veranstaltungen sieht er Konstanz auf gutem Weg. Gerade 2017 mit der 600-jährigen Wiederkehr der einzigen Papstwahl nördlich der Alpen biete nochmals einen wichtigen Höhepunkt, ist er überzeugt.
 

Nicht alle Ferienwohnungen sind offiziell registriert


Zu den vom statistischen Landesamt registierten rund 810 000 Übernachtungen kommen zahlreiche weitere hinzu. Es gibt keine zentrale Ermittlung der Ferienwohnungen, doch allein aus der erhobenen Kurtaxe geht die Stadt von weiteren 150 000 Übernachtungen in Urlaubs-Appartements aus. Die tatsächliche Zahl ist vermutlich höher, so Norbert Henneberger: Nicht alle Ferienwohnungen sind offiziell registriert, und über Netzwerke wie AirBnB werden auch Schlafgelegenheiten angeboten, bei denen niemals eine Gästekarte ausgestellt wird. "Alles zusammen können wie die Zahl von einer Million als sehr gesichert annehmen", so der langjährige Tourismus-Chef.

Aber verträgt Konstanz überhaupt so viel Tourismus? Henneberger sagt, er nehme die Sorgen der Einheimischen ernst. Allerdings gibt es zu bedenken: Selbst wenn alle Unterkünfte ausgebucht sind, hat Konstanz etwa 5000 Übernachtungsgäste. Ihnen stehen 40 000 und mehr Tagesbesucher entgegen, und sie sind es nach seiner Meinung, die die Infrastruktur immer wieder an die Belastungsgrenze führen. "Gäste, die mehrere Tage bleiben, fahren nicht mit dem Auto durch die Stadt und nutzen die Zeit von früh morgens bis spät abends", ist seine Einschätzung.

Wie weit das Wachstum noch gehen soll, dazu mögen Henneberger und Thiel nicht so viel sagen, Eine Studie zum noch verbleibenden Potenzial für neue Hotels sei gerade in Arbeit, Ergebnisse lägen noch nicht vor. Nach den vielen Neueröffnungen der vergangenen Jahre mit den Ibis-Häusern am Benediktinerplatz sowie an der Reichenaustraße, dem B+B in Stromeyersdorf, dem 47 Grad am Seerhein oder dem Aqua in der Opelstraße habe sich das Interesse von Investoren jedenfalls nicht abgeschwächt. Neben dem Maxx-E-Emotion-Center mit fast 200 Zimmern und dem geplanten Neubau an der Riedstraße mit über 40 Zimmern soll auch auf dem Büdingen-Areal ein großes Hotel entstehen. Es dürfte noch nicht das Ende der Fahnenstange sein, schätzt Henneberger: "Alle Investoren wissen, dass verfügbare Grundstücke nur begrenzt verfügbar sind. Da bleibt auch die Konkurrenzsituation ziemlich berechenbar."
 

Vier überraschende Fakten zum Fremdenverkehr in Konstanz

 
  1. Von den vier größten Touristenattraktionen in Baden-Württemberg liegen drei in Konstanz. Die meisten Besucher pro Jahr zieht der Europa-Park in Rust an, es sind rund 4,5 Millionen pro Sommersaison. Doch auf den nächsten Rängen folgen Anbieter, die ihren Sitz in Konstanz haben: Die Bodensee-Schiffsbetriebe mit über zwei Millionen Fahrgästen, die Mainau mit rund 1,2 Millionen Besuchern sowie die Konstanzer Bäder mit knapp einer Million Besuchern. Wie auch beim Europa-Park, sind aber bei weitem nicht alle Besucher auch Übernachtungsgäste.
  2. Der Ausbau der Hotellerie senkt die Auslastung nicht. Gab es 2010 noch 55 Beherbergungsbetriebe (Hotels, Campingplätze) mit 4166 Schlafgelegenheiten, waren es 2016 bereits 60 Betriebe mit 5186 Schlafgelegenheiten. Die Steigerung um 25 Prozent bedeutete aber nicht, dass die Auslastung gesunken wäre – sie stieg in den sieben Jahren von 48,5 auf 55,8 Prozent. Wobei ein mit einer Person belegtes Doppelzimmer dabei nur zur Hälfte gerechnet wird, auch wenn der Gast den vollen Preis zahlt.
  3. Die Nebensaison wird immer kürzer. War früher Urlaub am Bodensee von Ostern bis maximal Oktober üblich, kommen laut der amtlichen Statistik zunehmend Übernachtungsgäste auch im Februar, März, November und Dezember. In der bisherigen Nebensaison haben sich die Zahlen seit 2010 teilweise verdoppelt, besonders der Frühwinter hat sich entwickelt. Dennoch ist die Zahl der Übernachtungen im August nach wie vor mehr als doppelt so hoch wie im Dezember (wenn allerdings manche Betriebe wie Campingplätze gar nicht offen haben).
  4. Auch die Schmieder-Klinik zählt für die Statistik zum Tourismus. Die amtlichen Zahlen des Landes unterscheiden zwischen der Hotellerie und sonstigen Betrieben, bei denen die Campingplätze den größten Teil ausmachen, zu denen aber auch Reha-Kliniken gehören. Wie viele Übernachtungen dem bewussten Gesundheitstourismus oder dem ungeplanten Reha-Aufenthalt zuzurechnen sind, lässt sich nicht genau ermitteln. Die Touristiker sehen im Segment Gesundheit und Wellness jedenfalls noch einiges Potenzial für Konstanz, wie Norbert Henneberger und Eric Thiel sagen.