Konstanz Eine Gruppe junger Konstanzer Familien ist enttäuscht, wie die Stadt die Situation von Eltern ausnützt und Knöllchen vor der Kita verteilt

Vor allem zu den Bring- und Holzeiten sind Parkplätze vor der Kita knapp – und Strafzettel schnell mal an der Windschutzscheibe. Eine Gruppe junger Eltern schildert das Problem – und warum man eben nicht immer mit dem Fahrrad kommen kann

Es ist mittags, 13 Uhr. Viele Eltern holen jetzt ihre Kinder aus den Kitas. Vor der Uni-Kita, einer der größten Einrichtungen der Stadt, wird es dann besonders eng. Bis zu 80 Kinder kommen täglich in das Kinderhaus in der Werner-Sombart-Straße, das mitten in einem Wohngebiet an einer Sackgasse liegt. Parkplätze gibt es kaum, und zu den Bring- und Holzeiten sind die wenigen Plätze heiß begehrt.

Eine junge Frau setzt ihre Tochter gerade in den Anhänger ihres Fahrrads. "Ich habe kein Problem mit Parkplätzen", sagt sie und tritt los. Michael Kelley nickt. "Klar, mit dem Fahrrad ist es besser. Aber das geht nun mal nicht immer". Kelley steht in einer Gruppe von jungen Eltern, die zunehmend frustriert sind, was die Parkplatz-Situation und die Familienpolitik der Stadt betrifft.

Kontrolliert die Ortspolizei genau zu den Bring- und Holzeiten?

"Wir beobachten zunehmend, wie die Stadt pünktlich zwischen 8 und 9, sowie 13 und 14 Uhr die Ortspolizeibehörde schickt, um den Fahrzeugen der Eltern, die ihre Kinder abliefern oder abholen, einen Strafzettel zu verpassen. Einmal wurden Fahrzeuge sogar abgeschleppt", berichtet Michael Kelley und ergänzt: "Es ist aus unserer Sicht in höchstem Maß bedauerlich, dass die Situation der Eltern dermaßen ausgenutzt wird. Es gibt nun mal nicht genügend Parkplätze und man kann nicht immer mit dem Fahrrad fahren, wenn es die Witterung nicht zulässt. Erst recht dann nicht, wenn man mehrere Kilometer entfernt wohnt und ein Neugeborenes zu versorgen hat." Kelley und seine Frau haben zwei Kinder. Eines wurde im Dezember 2017 geboren, das andere geht seit Oktober 2016 in die Kita Seezeit.

Stadt weist Vorwürfe zurück

Die Verwaltung, entgegnet der städtische Pressesprecher Walter Rügert auf Anfrage, wird von Anwohnern aus der Werner-Sombart-Straße und auch von Eltern der Kinder aus den Kitas immer wieder aufgefordert, die Einhaltung der Verkehrsregeln und Parkvorschriften zu kontrollieren und zu sanktionieren. Die Rückmeldungen aus den städtischen Kitas seien einheitlich: "Es gibt Strafzettel, aber nicht in übertriebenen Maßen. In keinem Fall ist der Eindruck entstanden, dass die Ordnungshüter immer speziell zu einer Uhrzeit vor der Kita stehen".

Das Prädikat einer kinderfreundlichen Stadt, sagt Rügert, "ergibt sich unserer Ansicht nach aus der Zahl der Betreuungsplätze, der Qualität der Betreuung, der Anzahl und dem Zustand der Spielplätze, der Familienförderung, der Kinder- und Jugendförderung in den Vereinen und so weiter. Es kann sich aber nicht daraus ergeben, dass man stillschweigend akzeptiert, dass Eltern Gehwege oder Feuerwehrzufahrten zuparken."

Einige Kita-Leitungen würden sich sogar öfter Kontrollen wünschen. Rügert zeigt ein Bild der Ordnungspolizei, aufgenommen in der Werner-Sombart-Straße. Eine Frau mit Kinderwagen läuft auf der Straße, der Gehweg ist zugeparkt. "Das geht natürlich nicht", kommentiert Rügert. Teilweise hätten die Autos auch auf der Straße geparkt, ohne die erforderliche Restbreite für die Feuerwehr oder Rettungsfahrzeuge einzuhalten. "Im Übrigen befanden sich unter den verbotswidrig parkenden Eltern, die in der Jacob-Burckhardt-Straße wohnen – quasi um die Ecke – und ihre Kinder mit dem Fahrzeug in die Kita in der Werner-Sombart-Straße bringen."

Die Eltern haben sich eine Lösung überlegt

Das Seezeit-Kinderhaus steht Studierenden und Beschäftigten der Konstanzer Hochschulen zur Verfügung. Studierende mit Kind kommen so leicht an einen Kita-Platz, der ist teilweise aber weit entfernt vom Wohnort. Kelley und seine Frau wohnen in Wollmatingen, andere kommen von der Reichenau und vom Bodanrück, erklärt die Gruppe junger Eltern. Die Anwohner könnten sie verstehen. Sie hoffen deshalb auf mehr als einen offiziellen Elternparkplatz vor dem Kinderhaus und haben auch schon überlegt, wo diese sein könnten.

Der Betreiber des Kindergartens, das Studierendenwerk Seezeit, macht ihnen aber wenig Hoffnung. "Viele Eltern und auch viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nutzen auch im Winter das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel, was Seezeit sehr begrüßt und auch unter Umweltgesichtspunkten unterstützt", sagt Seezeit-Pressesprecherin Elke Vetter auf Anfrage. Die sechs Parkplätze vor dem Haus sollen auch weiterhin für die 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kinderhaus bereit stehen, die teilweise schon ab sieben Uhr die Türen öffnen. Auch die von den Eltern vorgeschlagene Umwandlung von Stellplätzen des Seezeit-Studierendenwohnheims um die Ecke sei wenig praktikabel, so Vetter.

Steht das Auto auf einem Anwohner-Platz, gibt es schnell Beschwerden

Regina Graf-Martin kennt das Parkplatz-Problem, sieht es aber pragmatisch. Vor dem Münsterkindergarten gibt es keinen Parkplatz – weder für die Mitarbeiterinnen noch für die Eltern. Aber woher den Parkplatz nehmen? "Klar", sagt sie, feste Stellplätze wären wünschenswert. Viele Erzieherinnen wohnen nicht in Konstanz, kommen aus Radolfzell oder Orsingen-Nenzingen und sind ganz auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen.

Die Eltern kommen alle mit dem Fahrrad oder zu Fuß, schon bei der Besichtigung für die Anmeldung weist Graf-Martin auf die Parksituation hin. "Das Problem", sagt sie, "sind die Regentage". Aber auch dann müsse man ja nicht direkt vor die Türe fahren. Die Eltern parken dann um die Ecke, manche im Paradies, und laufen mit dem Kind vor. Die neue Parkregelung dort hat aber auch das nicht einfacher gemacht.

Steht doch mal ein Auto auf einem Kunden- oder Anwohnerparkplatz in der Nähe des Münsterkindergartens, stünden Anwohner und Gewerbetreibende schon schnell vor der Türe und fragten, wem denn das Auto gehöre. Graf-Martin hat dann Verständnis, kennt aber auch die Situation der Eltern nur zu gut.

Weniger Verständnis hat sie dagegen für die Autofahrer, die durch die verkehrsberuhigte Zone vor dem Kindergarten rauschen. "Das ist viel schlimmer als fehlende Parkplätze." Viele zeigten sich unbeeindruckt – selbst wenn ein Polizist sie auf das Schritttempo hinweise, berichtet Graf-Martin von einer Verkehrserziehungs-Stunde im Kindergarten.

Ihre Erfahrung?

In Konstanz sind viele neue Kindertagesstätten dazugekommen. Nicht alle sind gut mit dem Auto erreichbar. Müssen Sie das? Kontrolliert die Stadt zu viel oder zu wenig? Was ist Ihre Erfahrung mit der Verkehrssituation vor der Kita? Schreiben Sie uns – per Mail an konstanz.redaktion@suedkurier.de

 

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