Fünf Bäckerei-Lehrlinge aus Kamerun sind zu einem Bildungs-Austausch nach Konstanz eingeladen. Doch kommen dürfen sie nicht. Die deutsche Auslandsvertretung in Kamerun verweigert ihnen die nötigen Visa. Obwohl Bürger für jeden Cent bürgen, die durch den Aufenthalt der Auszubildenden verursacht wird. Obwohl sich der Konstanzer Kultur- und Sozialbürgermeister Andreas Osner mit Empfehlungsbriefen bis an Außenminister Heiko Maas wendet.

„Aufenthalt nicht glaubhaft“

Im Ablehnungsbescheid der Auslandsvertretung heißt es dennoch: „Die vorgelegten Informationen über den Zweck und die Bedingungen des beabsichtigten Aufenthalts waren nicht glaubhaft.“ Offenbar befürchtet die Auslandsvertretung, die jungen Kameruner könnten als Flüchtlinge in Deutschland bleiben ­wollen.

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Perspektiven im Heimatland statt Flucht

Wie könne diese nur zu so einer Einschätzung kommen, fragen sich Eric Kamguia vom Vorstand des deutschen Vereins Awoli (African way of life) und Bürgermeister Andreas Osner. Der Verein hatte die Lehrlinge eingeladen. Diese besuchen die Bäckerei-Akademie in Kamerun, die Awoli dort aufgebaut hat. Ziel ist es, jungen Menschen zwischen 15 und 29 Jahren die Möglichkeit zu geben, sich durch eine Ausbildung eine eigene Existenz in Kamerun aufzubauen.

Die Lehrlinge sollten sich Ende August/Anfang September beim Awoli-Festival auf dem Konstanzer Münsterplatz präsentieren, an ihrem Beispiel sollten Bürger sehen, wie es auch mit relativ geringen Mitteln möglich ist, Menschen in ihren Heimatländern Perspektiven zu geben, sodass diese gar nicht auf die Idee kommen zur Flucht nach Europa.

Auf dem Münsterplatz treten im Rahmen des Awoli Festivals zahlreiche Musikgruppen auf, die Musik von Nord- bis Südafrika präsentieren.
Auf dem Münsterplatz treten im Rahmen des Awoli Festivals zahlreiche Musikgruppen auf, die Musik von Nord- bis Südafrika präsentieren. | Bild: Eric Kamguia/Awoli
Auf dem One World Bazar gibt es Waren und kulinarische Köstlichkeiten aus Afrika und aller Welt zu entdecken.
Auf dem One World Bazar gibt es Waren und kulinarische Köstlichkeiten aus Afrika und aller Welt zu entdecken. | Bild: Eric Kamguia/Awoli
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Bezahlte Eintrittskarten und Praktika im Antrag

Zum Bildungsaustausch aber waren sie willkommen. So etwa bei der württembergischen Landesinnung fürs Bäckerhandwerk, die den Lehrlingen Raum für Präsentationen auf der Messe Südback in Stuttgart geben wollte. Den mit umfangreichen Dokumenten unterfütterten Einreiseanträgen lagen bezahlte Eintrittskarten für die Messe bei. Zudem stand ein Schnupper-Praktikum in einer Konstanzer Bio-Bäckerei auf dem Programm, einer der Lehrlinge sollte zudem in die Wartung von Maschinen eingewiesen werden bei einer Firma in Kehl. Weiter gab es Belege, wo die Lehrlinge übernachten, wer sie vom Flughafen abholen und wer sie wieder dorthin bringen sollte.

Bürgermeister Osner schrieb an Außenminister Maas: „Als Kommune sind wir dankbar für solch ein großes Engagement einzelner Bürger. Wir sehen das auch als Antwort auf Frau Merkels berechtigte Aufrufe an Kommunen, eine aktive Rolle in der Entwicklungszusammenarbeit einzunehmen. Unverständlicherweise werden unsere Bemühungen dann in der Praxis behindert.“ Als völlig unangemessen betrachtet es Osner, dass die Auslandsvertretung die Glaubwürdigkeit der Aufenthaltsgründe trotz mehrerer erläuternder Briefe vom Dezernenten anzweifelt.

Bürgermeister Andreas Osner und Oberbürgermeister Uli Burchardt.
Bürgermeister Andreas Osner und Oberbürgermeister Uli Burchardt. | Bild: Scherrer, Aurelia

Keine Erklärung des Auswärtigen Amts

Gegenüber dem SÜDKURIER legt das Auswärtige Amt auf Anfragen nicht dar, warum die Botschaft keine Visa erteilt hat. Es beruft sich auf den Datenschutz. Es verweist lediglich darauf, dass jeder Einzelfall geprüft werde und welche allgemeinen Kriterien gelten: Die zuständige Auslandsvertretung müsse eine Prognose treffen und sei dabei auf Indizien angewiesen.

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Unter anderem sei zu prüfen, „ob der jeweilige Antragsteller gute Gründe glaubhaft darlegen kann, tatsächlich in sein Heimat- beziehungsweise Wohnsitzland zurückkehren zu wollen.“ Hinweise dafür könnten der Nachweis der wirtschaftlichen Verwurzelung sein, belegt etwa durch Arbeits-, Verdienst-, Urlaubs-, Sozialversicherungs-, Studienbescheinigungen sowie Unterlagen über größere Vermögenswerte wie etwa Immobilienbesitz im Heimatland, aber auch familiäre Bindungen, wie die Betreuung minderjähriger Kinder im Haushalt des Antragstellers oder anderer pflegebedürftiger Angehöriger.

„Es werden einem nur Steine in den Weg gelegt“

Die Lehrlinge im Alter zwischen 21 und 26 Jahre können eine Ausbildung nachweisen, die ihnen der gemeinnützige deutsche Verein Awoli in Kamerun bietet. Der Hochschulmitarbeiter Eric Kamguia aus Konstanz hat sich für den Aufbau der Bäckerei-Akademie dort engagiert und hatte den Besuch in die Wege geleitet.

Eric Kamguia, Vorstand des Vereins Awoli und Hochschulmitarbeiter, hat sich für den Aufbau der Bäckerei-Akademie in Kamerun eingesetzt.
Eric Kamguia, Vorstand des Vereins Awoli und Hochschulmitarbeiter, hat sich für den Aufbau der Bäckerei-Akademie in Kamerun eingesetzt. | Bild: Verein Awoli

Er zeigt sich verärgert, dass die Auszubildenden nicht einreisen durften. „Es werden einem nur Steine in den Weg gelegt. Wir wollen nicht den Fisch geben, sondern die Angel“, also das Werkzeug und die Fertigkeiten, vor Ort das Leben zu gestalten. Es solle auch einen Austausch geben zwischen den Lernenden in Kamerun und den Fachleuten in Deutschland. Demnächst gehe ein Bäckermeister aus Deutschland zur Unterstützung an die Bäcker-Akademie nach Kamerun.

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