Gegen die Bebauung der Brunnenhalde formiert sich Widerstand. Die Bürgerinitiative (BI) Ortsmitte Dettingen möchte die geplanten Wohnhäuser auf der brachliegenden Wiese verhindern. "Ein Betonendlager", sagt Nachbar Christian Rapp harsch. Gegen den Bau einer Seniorenwohnanlage hätten sie nichts einzuwenden, versichert Rapp.

"Wir waren ursprünglich ein Zusammenschluss von Anliegern. Wir haben gleich gemerkt, wie schockierend die Planungen sind und haben den Ortsvorsteher aufgesucht." Armin Isele

Die Gruppe sei stetig gewachsen. Der Anteil von Anliegern zu Nichtanliegern sei etwa 50 zu 50, berichtet Isele.

Was soll an der Brunnenhalde gebaut werden?

Auf der Brunnenhalde sollen nach den Plänen der Städtischen Wohnungsbau GmbH Konstanz (Wobak) zwei größere Wohnblocks, ein kleinerer und vier Doppelhäuser gebaut werden, zusammen sind das 29 Wohneinheiten.

Blick auf die Wiese auf der Dettinger Brunnenhalde. Gegenüber in Richtung Westen ist die angrenzende Wohnbebauung zu erkennen.
Blick auf die Wiese auf der Dettinger Brunnenhalde. Gegenüber in Richtung Westen ist die angrenzende Wohnbebauung zu erkennen. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Unterhalb davon beim heutigen Parkplatz und dem Dorfplatz soll eine Senioren-Wohnanlage für betreutes Wohnen und einer Pflege-Wohngemeinschaft entstehen.

Warum ist die Initiative dagegen?

Laut Aussagen der Bürgerinitiative Ortsmitte Dettingen trage der Ort mit Schmidtenbühl Nord und den zukünftigen Baugebieten Brühläcker beim Industriegebiet und Hofäcker in der Nähe des Friedhofs bereits überdurchschnittlich zum Handlungsprogramm Wohnen bei.

Was genau kritisiert die Initiative an den Plänen für die Brunnenhalde?

  • Die Gegner stören sich an den Flachdächern.
  • Außerdem sei die Bebauung zu dicht. "Das passt nicht in den Ortskern", betont Rapp.
  • Die Bauten würden "extrem teuer", da wegen des weichen Untergrunds und des Hangs tiefe Gründungspfähle gesetzt werden müssten. Dies stünde bezahlbarem Wohnraum entgegen.
  • Es würden rund 10.000 Quadratmeter Grünfläche versiegelt. "Nur noch 90 Quadratmeter – weniger als ein Prozent – öffentliche Grünfläche bleiben übrig", schreibt die BI in ihrem Handzettel. Unberücksichtigt lässt sie dabei allerdings, dass es zusätzliche private Grünflächen gibt. "Wie soll die Wohnqualität gesteigert werden, wenn alles versiegelt wird", fragt Rapp rhetorisch.
  • Unklar sei zudem, wie sich das Mikroklima und die Belüftung im Dorf verändern werde.
  • Es werde bei den Planungen zur Brunnenhalde nicht diskutiert, "welche Zukunft die Kinder im Ort haben", so Rapp.
  • SPD-Ortschaftsrat Andreas Schwabedissen rügt, dass die Erhebung für den zukünftigen Autoverkehr im Schulweg nicht umfassend genug sei. Auch der Hangweg und das Vermeidungsverhalten wegen der künftig kostenpflichtigen Parkplätze seien nicht berücksichtigt, ergänzt Rapp.

Wird hier getrickst, um in der geplanten Menge und Dichte bauen zu können?

Architekt Manfred Ritter fordert ein Gesamtgutachten für Dettingen, das den Verkehr, die Bebauung und die Erschließung umfassend betrachtet. Für ihn das Bauvolumen nicht nachvollziehbar. "Das ist gegenüber den anderen Häusern maßlos", beschwert er sich. Zusammen mit Anita Klein erläutert er, wie die Planer ihrer Ansicht nach tricksen würden:

Die Brunnenhalde solle als allgemeines Wohngebiet mit Möglichkeiten für eine gewerbliche Nutzung ausgewiesen werden. Geplant seien jedoch nur Wohnungen. Folgerichtig müsste es als reines Wohngebiet deklariert werden.

Damit würde sich die zulässige Dichte der Bebauung erheblich verringern. Die Seniorenwohnlage müsste als Sondergebiet ausgewiesen werden. Die Zahlenspiele hierzu erübrigen sich, da die BI auf Nachfrage bekräftigt, dass sie eine Bebauung der Brunnenhalde auf jeden Fall ablehnt.

Die Bürger seien transparent zu informieren, fordert Rapp. "Viele können es kaum glauben", berichtet er von seinen Gesprächen.

Der Ortsvorsteher sagt: Das Projekt wurde und wird transparent diskutiert

Den Vorwurf mangelnder Information möchte Roger Tscheulin (CDU), Ortsvorsteher von Dettingen, so nicht stehen lassen. Er verweist darauf, dass über das Projekt seit mehreren Jahren im Ortschaftsrat diskutiert wird, im Mitteilungsblatt informiert wurde und es im Oktober eine öffentliche Bürgerinformationsveranstaltung gab. Außerdem sind die Pläne in der Dettinger Ortsverwaltung einsehbar.

"Ich sehe keine stichhaltigen Gründe, dass dort nicht gebaut werden kann", betont Roger Tscheulin. Gesetzlich sei die Innen- vor der Außenverdichtung festgeschrieben. Bisher seien ihm nur Wünsche für eine weniger dichte Bebauung – auch im Ortschaftsrat – angetragen worden.

Er werbe für ein konstruktives Miteinander.

Macht die Bürgerinitiative mit einer falschen Fotomontage auf einem Handzettel Stimmung?

Nicht begeistert ist Roger Tscheulin über die Fotomontage auf dem Bürgerinitiativen-Handzettel, die er zusammen mit Verwaltungsleiter Jürgen Morgen an mindestens einer Stelle als falsch entlarvt, weil ein Geschoss mehr hineinkopiert wurde als die Pläne hergeben.

Die Montage berücksichtige zudem nicht ausreichend die Terrassierung der Gebäude und die Freiräume. "Es wird nicht der Stand der Planung widergespiegelt, sondern verfälscht", bekräftigt Roger Tscheulin.

Wie geht es nun weiter?

"Weniger dürfte mehr sein", sagt der Ortsvorsteher. Aber wie Hans-Joachim Lehmann, Referent der Wobak-Geschäftsführung, zu bedenken gibt, ist dies eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Die Wobak werde demnächst die Bebauung Brunnenhalde und die Seniorenwohnanlage gemeinsam ausschreiben und mit den Ergebnissen die Realisierbarkeit erneut bewerten. Die Auftragnehmer müssten sich verpflichten, in ihrem Gewerk die Arbeiten in beiden Projekten auszuführen, erläutert Lehmann.

"Ich verstehe das als Anregung im Rahmen der Anhörung. Ich gehe davon aus, dass das naturschutzrechtlich genehmigungsfähig ist", sagt Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn ganz entspannt. Das Gemeinwohl stehe an erster Stelle und komme vor dem Nachbarschaftsinteresse.