Er ist neun Mal vor allem in Gastätten eingebrochen und hat rund 26 000 Euro aus Spielautomaten erbeutet. Dafür muss ein 22-Jähriger ins Gefängnis. Das Amtsgericht hat ihn zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Der Mann sagte, er habe die Taten begangen, um seine Spielsucht zu finanzieren.

Täglich in der Spielhalle

Seinen Aussagen zufolge hat sich der 22-Jährige in einem Teufelskreis befunden. Dieser habe vor zwei Jahre mit der Spielsucht begonnen, erklärte er dem Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Christian Brase. Sie steigerte sich wohl immer mehr, bis sich der Mann im vergangenen Sommer beinahe täglich in Spielhallen wiederfand. Der Drang nach dem Spielen sei so weit gegangen, dass er sein gesamtes Vermögen verspielt habe, erklärte der Angeklagte. Da er aus finanziellen Gründen aus der gemeinsamen Wohnung mit einem Freund ausgezogen war, lebte er seitdem auf der Straße, bei Bekannten und Verwandten.

Beginn der Serie im November 2016

Kein Geld, spielsüchtig, private Probleme: Im November 2016 begann der 22-Jährige die Einbruchserie. Acht Mal hatte er es auf Gaststätten abgesehen, ein Mal stieg er in eine Industriehalle ein. Nicht immer gelang sein Plan, wie sich vor Gericht herausstellte. In zwei Fällen wurde er gestört, in den übrigen hatte er zuvor Alarmanlagen lahm gelegt oder ungestört Fenster aufgehebelt. Die 26 000 Euro erbeutete der Mann aus Automaten in sieben Lokalen. Der Sachschaden durch die Einbrüche beläuft sich auf fast 9000 Euro.

Betrunken auf Beutezug

Beim letzten Einbruch hat ihn die Polizei auf frischer Tat festgenommen. Die weiteren Fälle konnten ihm die Ermittler anhand aufgefundener DNA-Spuren nachweisen. Der Angeklagte zeigte Reue: "Es kann und wird nicht so weitergehen." Neben seiner Spielsucht will er auch dem Alkohol endgültig eine Absage erteilen. Der Teufelskreis: Während er an den Automaten Spiel um Spiel verlor, betrank sich der 22-Jährige. Angeblich im Vollrausch und mit Wut im Bauch sei er anschließend in die Gaststätten eingestiegen. Die Staatsanwaltschaft forderte in ihrem Plädoyer eine Haftstrafe von drei Jahren. Der Verteidiger forderte eine Bewährungsstrafe und verwies auf eine positive Sozialprognose trotz gewaltgeprägter Kindheit, weil er fest vorhabe, sein Leben in den Griff zu bekommen. Zudem habe sein Mandant die Taten früh gestanden. Das Gericht wertete das und ein bisher straffreies Leben zu Gunsten des 22-Jährigen, die Spiel- und Alkoholsucht berücksichtigte es ebenfalls. Von der positiven Sozialprognose war Christian Brase nicht überzeugt: "Wenn er nicht erwischt worden wäre, wäre die Diebstahlserie vermutlich weitergegangen." Den angerichteten Schaden will er wieder gutmachen, versprach der 22-Jährige. Die nächsten Jahre wird daraus jedoch erst einmal nichts.

Wo der 22-Jährige eingestiegen ist

Die Staatsanwaltschaft legte dem Angeklagten besonders schweren Diebstahl nach Einbruch zur Last. Eine Auswahl der Fälle:

  • 27. November 2016: Der 22-Jährige beginnt seine Einbruchsserie in einer Gaststätte in der Altstadt. Er hebelte Fenster auf, suchte nach Bargeld und Gegenständen, am Aufbruch eines Tresors scheiterte er. Er nahm lediglich vier Rotweinflaschen im Wert von etwa 100 Euro mit.
  • 15. Juli 2017: In einem Asia-Imbiss hebelte der Einbrecher Fenster auf und knackte Spielautomaten. Er erbeutete 900 Euro. Zwei Monate später versuchte es der 22-Jährige noch einmal, indem er die Alarmanlage außer Betrieb setzte, Rollladen anhob, um ein Fenster aufzubrechen. In einem Spielautomaten waren 240 Euro, die er mitnahm.
  • 27. Juli 2017: In einem Lokal im Königsbau durchtrennte der Einbrecher das Stromkabel zur Alarmanlage. Aus dem aufgebrochenen Spielautomaten nimmt er fast 3300 Euro mit. Fast zwei Wochen später kehrte er zurück. Dieses Mal machte er zwar keine Beute, richtete aber einen Schaden in Höhe von 1300 Euro an.
  • 16. August 2017: In einer Pizzeria lehgte der 22-Jährige die Alarmanlage lahm, hebelte Fenster auf und brach Spielautomaten auf. Seine Beute: 13654 Euro, der Schaden durch den Einbruch belief sich auf 5000 Euro.
  • 25. September 2017: Mindestens 2585 Euro steckte der Angeklagte ein, die er in einem aufgehebelten Spielautomaten fand. Die Polizei war ihm allerdings auf die Schliche gekommen, umstellte die Gaststätte in Wollmatingen. Der 22-Jährige versuchte zu flüchten, das misslang ihm allerdings. Das erbeutete Geld hatte er zuvor im Gebäude und in Schuhen versteckt. Wie der Mann vor Gericht sagte, habe er die Tatorte bereits gekannt, weil er dort jeweils selbst zum Spielen an Automaten gewesen war.