Mit der Umrüstung des Katamarans Constanze besitzt die Katamaran-Reederei das erste Binnenschiff in Deutschland und auf dem Bodensee, das die EU-Abgasnorm V erfüllt. „Das definiert gewissermaßen den Stand der Technik“, sagte Geschäftsführer Norbert Schültke bei einer Präsentation in Konstanz. „Das ist ein Vorzeigeprojekt“, betonte der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt, der Beiratsvorsitzender der Reederei ist.

Die Motoren: Der Katamaran Constanze hat zwei neue MAN-Dieselmotoren mit sechs Zylindern und 412 kW (560 PS) erhalten. Sie sind für den Betrieb mit einem Katalysator mit „AdBlue“-Einspritzung ausgelegt.
Die Motoren: Der Katamaran Constanze hat zwei neue MAN-Dieselmotoren mit sechs Zylindern und 412 kW (560 PS) erhalten. Sie sind für den Betrieb mit einem Katalysator mit „AdBlue“-Einspritzung ausgelegt. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Zwei neue Motoren

Die Reederei hat nicht nur die beiden Dieselmotoren des Doppelrumpfschiffes „Constanze“ ersetzt, sondern auch die Abgasanlage erneuert und die beiden Katalysatoren eingebaut. „Durch die Einspritzung von AdBlue in den Abgaskanal werden 80 Prozent der umweltschädlichen Stickoxide neutralisiert und in unschädliches Wasser umgewandelt“, erläuterte Katamaran-Reederei-Geschäftsführer und Schiffbauingenieur Christoph Witte.

Der Katalysator: Der SCR-Katalysator sorgt dafür, dass der Stickoxidanteil deutlich verringert wird. Die Abkürzung SCR steht für den englischen Begriff „Selective Catalytic Reduction“, auf Deutsch selektive katalytische Reduktion. Bei dieser werden vorwiegend Stickoxide durch eine Reaktion mit Ammoniak reduziert, also gewissermaßen in Wasser und Stickstoff umgewandelt.
Der Katalysator: Der SCR-Katalysator sorgt dafür, dass der Stickoxidanteil deutlich verringert wird. Die Abkürzung SCR steht für den englischen Begriff „Selective Catalytic Reduction“, auf Deutsch selektive katalytische Reduktion. Bei dieser werden vorwiegend Stickoxide durch eine Reaktion mit Ammoniak reduziert, also gewissermaßen in Wasser und Stickstoff umgewandelt. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Uli Burchardt lobte die Kreativität der Reederei-Mitarbeiter. Durch ihre Ideen sei es bereits in den vergangenen Jahren gelungen, die Ökobilanz dieser Schiffsverbindung zwischen Konstanz und Friedrichshafen zu verbessern. Seit dem Jahr 2017 hatten die Schiffe durch Neumotorisierung, Routenoptimierung, Geschwindigkeitsreduzierung und Verbesserungen am Rumpf bereits Kraftstoff eingespart. Dabei sank der Ausstoß von Kohlendioxid um 30 Prozent.

Im folgenden Jahr verringerte der Einbau von Rußpartikelfiltern den Ausstoß von Feinstaub deutlich. Seither erfüllen die Katamarane auch die verschärften Zulassungskriterien der Bodenseeschifffahrtsordnung der Stufe 2. Mit der EU-Abgasstufe V wird dieser sogar übererfüllt. Gegenüber dem Stand von 2010 stößt der Katamaran Constanze 79 Prozent Kohlendioxid, 20 Prozent Ruß und Feinstaub sowie 18 Prozent Stickoxide aus.

Die Tanks: Der schwarze Behälter ist einer von zwei 80 Liter fassenden AdBlue-Tanks. AdBlue ist ein Markenname des deutschen Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Das Produkt wird von verschiedenen Herstellern in Lizenz verwendet. AdBlue ist nichts anderes als eine Lösung von Harnstoff mit Wasser. Harnstoff ist ein Molekül aus Stickstoff, Wasserstoff und Sauerstoff.
Die Tanks: Der schwarze Behälter ist einer von zwei 80 Liter fassenden AdBlue-Tanks. AdBlue ist ein Markenname des deutschen Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Das Produkt wird von verschiedenen Herstellern in Lizenz verwendet. AdBlue ist nichts anderes als eine Lösung von Harnstoff mit Wasser. Harnstoff ist ein Molekül aus Stickstoff, Wasserstoff und Sauerstoff. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Katamaran ist finanzieller Erfolg

Für Uli Burchardt sind die ökologisch wirksamen Verbesserungen auch für den wirtschaftlichen Erfolg der Katamaran-Linie verantwortlich. Seit drei Jahren würde eine Schwarze Null geschrieben. Der Jahresgewinn habe sogar einen fünfstelligen Betrag erreicht. „Obwohl ein öffentliches Nahverkehrsmittel, verdienen wir sogar Geld – wie ungewöhnlich“, sagte er stolz. Alle drei Reedereien – Katamaran, BSB und Fähre Konstanz-Meersburg – arbeiteten eng zusammen, erläuterte Christoph Witte. So habe die Katamaran-Reederei keine eigenen Schiffsführer, sondern leihe sich diese von den BSB aus. Schulungen sollen die Schiffsführer weiter für Umweltbelange sensibilisieren. „Der Dieselverbrauch liegt derzeit bei 1,95 Liter pro Fahrgast. Das ist ein sehr, sehr guter Wert. Da muss sich manches Auto anstrengen“, betont Witte.

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Verläuft der zweijährige Feldversuch mit dem Schiff Constanze erfolgreich, sollen zum Jahreswechsel 2021/2022 auch die Katamarane Fridolin und Ferdinand umgerüstet werden.