Es ist einfach nur schade, da waren sich die vielen Stammgäste einig am letzten Abend im Bürgertröpfle in der Hüetlinstraße. Seit 1971 gab es das kleine Lokal, 19 Jahre lang war Anita Meyer die Wirtin – oder besser gesagt Gastgeberin für gute Bekannte. Denn für viele Nachbarn sei das Bürgertröpfle das Wohnzimmer gewesen, meinte Isolde Ziegler, die seit fünf Jahren oft hierher kam.

Stammlokal und Quartiersbeiz

Anita Meyer hört nicht freiwillig auf, wie sie sagte. Der Eigentümer sei verstorben, die Erben hätten ihr auf Ende August gekündigt. Das sei schon etwas überraschend für sie gewesen. „Für meine Stammgäste ist es wirklich schade, weil es die Quartiersbeiz war, die Hüetlinstraße verliert eine Institution, aber ich kann an den ­Tatsachen nichts ändern.“ Sie hoffe, dass die Gäste einen neuen Treff finden. Was sie selbst machen werde, wisse sie noch nicht.

Für Heike Jakobs war das Bürgertröpfle seit drei Jahrzehnten ein Stammlokal. „Man hat immer mit jemandem sprechen können.“ Es sei bedauerlich, dass dies nun einfach wegfalle. Gerade auch für ältere Menschen sei es eine Anlaufstelle gewesen. Das bestätigte Karin Zwick, die seit rund 15 Jahren gern hier einkehrte. „Man trifft sich hier immer mit so vielen Leuten, die man schon ewig kennt. Da kam einer nach dem anderen und man hat ein Schwätzchen gehalten.“

Mit dem Bürgertröpfle verschwindet auch ein Stück Nachbarschaft

Ähnlich äußerte sich der Künstler Jürgen Ruprecht aus der Nachbarschaft. „Ich kam immer gern nach dem Malen, wenn ich keine Lust mehr hatte, und diskutierte mit den Leuten über Gott und die Welt.“ Das Bürgertröpfle sei wirklich eine Institution gewesen. Man habe gemeinsam gefeiert, sich gemocht. „Das war hier der Treffpunkt. Aber wie es so ist: Alles Gute wird irgendwann geschlossen.“

Die Goldschmiedin Christine Claussen wohnt erst seit 2017 in der Straße. Dank des Lokals sei sie innerhalb von vier Wochen integriert gewesen. „Es ist eine ganz enge und gute Nachbarschaft. Man hilft sich gegenseitig. Es ist so, wie es früher war und heute eigentlich nicht mehr ist. Das habe ich nirgendwo sonst in Konstanz erlebt.“