Konstanz Ein großer Neubau in Konstanz: Die wichtigsten Fakten zum Projekt auf dem Vincentius-Areal

Eine wichtige politische Hürde ist genommen: Zwischen Laube und Schottenstraße kann ein großer Neubau mit 126 Wohnungen entstehen. Die sollen alle als Eigentumswohnungen verkauft werden - auch die geförderten Wohnungen. Das ist nicht das einzige überraschende Detail an diesem Vorhaben.

Ein weiterer prominenter Ort im Konstanzer Zentrum wird 2018 sein Gesicht vollkommen verändern: Der Neubau auf dem Areal des bisherigen Vincentius-Krankenhauses hat eine wesentliche politische Hürde genommen. Zugleich ist der Umzug der Fachklinik in den Neubau an der Luisenstraße auf 2. und 3. März fest terminiert. Das teilte Andrea Jagode, die Pressesprecherin des Gesundheitsverbunds Landkreis Konstanz, auf Anfrage mit. Nachdem der Technische und Umweltausschuss den Bebauungsplan im Kern befürwortet hat, hat der Gemeinderat nach einer einmonatigen Beteiligungsfrist Anfang 2018 das letzte Wort. Eine Zustimmung ist zu erwarten. Doch warum steht das Bauvorhaben so sehr im Interesse?
 

  1. Die Vince-Nachnutzung ist eines der größten einzelnen Wohnbau-Vorhaben der Stadt. Im Neubau, also auf dem größten Teil des Grundstücks, baut eine Tochtergesellschaft der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) 126 Wohnungen. Das sind deutlich mehr als die 98, die nach dem Architekturwettbewerb zur Debatte standen. Umplanungen hätten dies ermöglicht, sagte Paul Günzler von der LBBW im Technischen und Umweltausschuss. Eine Blockrandbebauung zieht sich fast komplett um das Grundstück. Sie ist bis zu 6 Stockwerke hoch. Die LBBW hatte das Areal für mehr als zehn Millionen Euro von der Vincentius AG gekauft, das Geld fließt in den Vince-Neubau in Petershausen.
     
  2. Was mit dem denkmalgeschützten Altbau passiert, ist noch unklar. Den denkmalgeschützten Teil des Vince, den Altbau zur Gartenstraße hin, bezeichnen die Projektentwickler als „Palais“. Laut Paul Günzler kommen zum Beispiel Wohnen und Gastronomie als Nutzung in Frage. Allerdings müsse das Gebäude erst gründlich untersucht werden – und das sei erst nach dem Auszug der Klinik möglich. Der Denkmalschutz werde auf alle Fälle sichergestellt, so der Planer der LBBW Immobilien Development GmbH.
     
  3. Auch die geförderten Wohnungen gibt es nur zum Kauf, nicht zur Miete. 20 Prozent der neuen Wohnungen (bezogen auf die Anzahl der Einheiten) müssen im geförderten Segment erstellt werden. Das ist im Vertrag zwischen Stadt Konstanz und LBBW festgeschrieben. Allerdings werden es keine Sozialwohnungen im herkömmlichen Sinn, denn sie werden nicht vermietet, sondern auf Käufer veräußert, die Anspruch auf eine bestimmte Förderung haben. Auch die weiteren zehn Prozent der Wohnungen, die im preisgedämpften Bereich entstehen müssen, will die LBBW verkaufen, vorzugsweise offenbar alle zusammen an einen einzigen Erwerber, der sie dann vermietet.
  4. Im Erdgeschoss sind Restaurants, Cafés und Einzelhandel möglich. Vor allem die Seite zur Laube hin wird im Erdgeschoss nicht für Wohnen, sondern für Gewerbe genutzt. Laut LBBW könnte dort auch ein Lebensmittelgeschäft unterkommen. An den beiden nördlichen Ecken, also zum Humboldt-Schulhof hin, sind sowohl auf der Seite der Laube wie auch an der viel befahrenen Fahrrad-Achse Schottenstraße auch Bäckereien, Cafés oder Restaurants denkbar.
     
  5. Der Fuß- und Radweg hat einen neuen Verlauf und wird deutlich breiter. Der Frieda-Sigrist-Weg, der bisher am Rand des Humboldt-Schulhofs verläuft, rückt direkt an die neue Bebauung heran. Er wird 4,50 Meter breit und ist für Fußgänger und Radler öffentlich nutzbar. Dass er zugleich der Anlieferung dient, sorgte in Politik auch für Kritik. Durch Poller soll aber sichergestellt werden, dass der neue Weg nicht zum Autofahrer-Schleichweg wird. Der Humboldt-Schulhof soll übrigens nicht nur größer, sondern ab 2019 auch neu gestaltet werden, so Martin Wichmann vom Amt für Stadtplanung und Umwelt.
     
  6. Die Energieversorgung könnte für Konstanz neue Maßstäbe setzen. Die LBBW will laut Aussage von Paul Günzler auf Nahwärme aus erneuerbaren Energien setzen, dazu soll ein Kraftwerk für Wärme- und Stromerzeugung entstehen. Es soll auch das Humboldt-Gymnasium und interessierte Anlieger mitversorgen. Es wäre das wohl anspruchsvollste Projekt seiner Art bisher in Konstanz. Weil die Technik im Detail sehr kompliziert ist, hat die LBBW als Plan B auch eine Lösung mit Luftwärmepumpen auf dem Dach des Neubaus. Sie hielten alle Lärm-Grenzwerte ein, betonte ein Sachverständiger in der Sitzung.

 

Die nächsten Schritte

Mit dem Billigungs- und Auslegungsbeschluss hat der Technische und Umweltausschuss dem Bebauungsplan für das Vincentius-Areal politisch zugestimmt. Gemäß den gesetzlichen Regelungen wird das Planwerk, das eigens für das Vorhaben aufgestellt wird und den Namen "Schottenplatz" trägt, nochmals der Öffentlichkeitsbeteiligung unterworfen. Am Ende muss der Gemeinderat noch einmal letztgültig abstimmen. Dann folgen 2018 voraussichtlich der Abriss des größten Teil des Vince (außer dem historischen Altbau) sowie die archäologischen Grabungen. Deren Ergebnisse werden mit Spannung erwartet, möglicherweise gibt es sogar Funde aus der Räömerzeit.

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