Birgit Gutzeit lacht über sich selbst. Der Sozialpädagogin und Expertin für Entwicklungspsychologie ist das Wörtchen "sogar" herausgerutscht. Sogar Väter wüssten intuitiv ziemlich genau wie sie mit kleinen Kindern umgehen sollen. Dabei geht es doch nun beim Startpunkt in Petershausen, der Einrichtung für Eltern mit Kindern bis 3 Jahre, eben darum, Väter, die sich bei der Erziehungsarbeit engagieren wollen, den Rücken zu stärken. Väter sollen mehr als das Beiwerk sein. "Oft hören sie: Schön, dass Sie auch mitgekommen sind." Sie sollen sich nicht mehr allein fühlen unter Müttern, wenn sie mit ihrem Kind einen Kurs besuchen. Sie sollen ihre eigene Vätergruppe gründen, in die sie zusammen mit dem Kind kommen und sich mit anderen austauschen und gemeinsame Aktivitäten entwickeln können. Auftakt ist am Samstag, 29. Oktober, ab 10 Uhr im Startpunkt, im Kinderhaus Dorothea von der Flüe (Weiherhofstraße 14). Der Psychologe und engagierte Vater Fabian Steffen begleitet die Männer und deren Kinder.

Fabian Steffen gehört selbst zu den Vätern, die sich einbringen wollen in der Erziehung. Er hat eine 15 Monate alte Tochter und weiß, was Väterarbeit voraussetzt: die Bereitschaft von Mutter wie Vater, sich die Aufgaben am Kind zu teilen. Einfach sei dies nicht, es müssten genaue Absprachen getroffen werden, wer wann was übernimmt. Und wenn die Aufgaben geteilt werden, seien Mutter wie Vater zudem gefordert, zu akzeptieren, dass es Unterschiede im Umgang mit dem Kind gibt. Die Frau sollte dem Mann zudem Zeit geben, das Kind kennen zu lernen. "Väter müssen in Übung kommen und Zeit allein mit den Kindern verbringen", sagt Steffen.

Gerade Frauen, die stillen, und in den ersten Monaten sehr engen Kontakt mit dem Kind haben, seien sehr viel vertrauter mit dem Kleinen. Es gebe viele Männer, die es verpassten, in die Rolle des aktiven Vaters einzusteigen und dies später bereuten. Welche Themen in der Väter-Gruppe zur Sprache kommen und wie sie sich organisiert, bestimmen die Teilnehmer. Sie können sich etwa über Tipps austauschen, wie sich Familie und Beruf unter einen Hut bringen lassen, gemeinsam Freizeiten planen, Probleme im Umgang mit dem Kind besprechen oder einfach das Zusammensein genießen.

Von den engen Kontakten zur Mutter und zum Vater profitierten Eltern wie Kinder, sagt Bigit Gutzeit. Einer Untersuchung zufolge kämen Kinder mit engen Väterkontakten besser durch die Pubertät. Viele Konflikte der Eltern hätten ihre Wurzeln darin, dass Aufgaben nicht geteilt werden, was zur Folge habe, dass Mutter und Vater kaum Verständnis für den Alltag des anderen aufbringen können.

Was die Forschung sagt

Aktuelle Untersuchungen sehen nach Angaben des Konstanzer Psychologen Fabian Vetter folgende Aufteilung beim Engagement am Kind: Ein Drittel der Väter sei sehr engagiert, ein Drittel lebe das traditionelle Rollenbild als hauptsächlicher Ernährer der Familie und ein Drittel stehe dazwischen. Der erste Treff für die Väter, die ihre Rolle aktiv leben wollen, ist am Samstag, 29. Oktober, um 10 Uhr im Kinderhaus Dorothea von der Flüe (Weiherhofstraße 14). (rin)