Der Mann, der auf die Bühne springt, sieht Freddie Mercury täuschend ähnlich. Die Haare, der Schnauzer, die gelbe Lederjacke – sogar falsche Zähne für den Mercury-Überbiss trägt er.

Und Harry Rose singt wie Freddie Mercury. Mehr als 500 Menschen sind an einem Donnerstagabend gekommen, um den Sänger und die Queen Revival Band zu sehen.

Die Illusion eines echten Queen-Konzerts im Bodenseeforum ist perfekt, das Publikum tobt.

Video: Lukas Ondreka

Die Band ist eine der gefragtesten Queen-Revival-Bands in Europa. Das liegt nicht nur an Harry Rose, dem täuschend echten Freddie-Mercury-Double. Die Band legt Wert auf Details – wie eine authentische Bühnenshow.

Damit beim Auftritt am Abend alles perfekt ist, müssen viele Hände anpacken

Am frühen Morgen beginnt der Umbau des Kongresszentrums zu einer Konzert-Location.

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Mit Lastwagen sind Andi Skorday und seine Jungs angerückt. Mehrere Stunden Fahrt hat der Lichttechniker von der baden-württembergischen Veranstaltungsfirma PML bereits auf dem Buckel, aber die Arbeit beginnt gerade erst.

Der 55-Jährige ist verantwortlich dafür, dass der Auftritt am Abend perfekt ausgeleuchtet ist.

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“Wir sind mit Oldtimer-Scheinwerfern angereist”, sagt Andi Skorday und lacht. Eigentlich arbeite er vor allem mit modernen LED-Lichtern.

Aber die Band habe sich explizit ältere Lampen gewünscht, damit die Lichtshow möglichst genau den Bühnenshows von Queen entspreche. “Die Scheinwerfer, das gibt den Look von früher.”

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“Ich fühl mich wieder wie damals”, sagt Andi Skorday. Er war selbst auf mehreren Queen-Konzerten, an die genaue Zahl erinnert er sich nicht mehr.

Dann zeigt er ein Bild auf seinem Handy: Freddy Mercury vor einer riesigen Wand aus Scheinwerfern. Sie sehen aus wie die Lampen, die Andi und sein Team mitgebracht haben.

Bevor er die Scheinwerfer anbringen und ausrichten kann, muss das Team erst das Grundgerüst für die Bühne aufbauen.

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Nach etwa drei Stunden steht das viereckige Gerüst, bis zu acht Tonnen kann es tragen.

Die mehr als einhundert Scheinwerfer, die Andi Skorday und seine Männer anbringen, werden beim Aufritt so viel Strom verbrauchen wie etwa sechs Einfamilienhäuser.

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Während der Lichttechniker auf die Leiter klettert und ein paar kaputte Glühbirnen auswechselt, kümmert sich Timo Klepp um den Sound.

Der 28-Jährige ist das, was man in der Branche Systemtechniker nennt. Seine Aufgabe ist es, die vielen Lautsprecher und Bass-Boxen perfekt aufeinander abzustimmen. Hierfür hat er ein Tablet und eine spezielle App.

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Der junge Mann ist eigentlich bei einem IT-Unternehmen angestellt. Für den heutigen Tag hat er sich von der Arbeit freigenommen. Den Ton für Konzerte abzustimmen, das sei ein schönes Hobby. “Man kommt herum”, sagt er.

Queen sei ihm natürlich ein Begriff. “Aber musikalisch ist das ein bisschen vor meiner Zeit.” Die Software, mit der Timo Klepp die Lautsprecher ausrichtet, ist hingegen zeitgemäß.

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Er gibt die Maße des Raumes ein und die Höhe, in der die Boxen hängen werden. Das Programm errechnet ihm, in welchem Winkel die einzelnen Boxen ausgerichtet werden müssen, damit der Kongress-Saal im Bodenseeforum perfekt beschallt wird.

Timo schnappt sich eine Box und stellt den richtigen Winkel über einen Schieberegler ein.

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Der Sound passt, Timo Klepp ist zufrieden. Nach mehr als sechs Stunden übergibt er den Staffelstab an Tom Hens.

Der Mann, der mit seinem auffälligen Bart und dem Kopftuch selbst wie ein Rockmusiker aussieht, ist der Techniker der Queen Revival Band.

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Der 41-Jährige macht mehr als 40 Veranstaltungen mit der Coverband. Seit 18 Jahren ist er mit den Musikern unterwegs.

Gemeinsam mit seinem Team baut er die vielen Instrumente auf: Schlagzeug, Keyboard, Klavier und Gitarren.

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In der Zwischenzeit ist die Band eingetroffen. Die Mitglieder um den Sänger Harry Rose haben eine lange und anstrengende Fahrt hinter sich.

Aber es bleibt nicht mehr viel Zeit bis zum Auftritt. Gemeinsam mit Tom Hens geht es an den Soundcheck. Während die Band auf der Bühne Instrumente und Ton überprüft, werkelt ihr Techniker an einem riesigen Mischpult am anderen Ende des Saales.

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Es dauert eine Weile, bis der Sound für alle Mitglieder auf der Bühne perfekt eingestellt ist. Der Ton wird auch mal rau, die Musiker stehen unter Strom.

Tom Hens trägt es mit Fassung: “Das gehört dazu”, sagt er. “Ein normaler Job wäre mir zu langweilig.” In Ruhe nimmt er alle wichtigen Einstellungen vor.

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Der Soundcheck ist abgeschlossen, Zeit für ein Gespräch mit dem Frontsänger der Queen Revival Band Harry Rose, hinter den Kulissen.

Seit 20 Jahren mimt der Profi-Sänger den Freddie auf der Bühne. Die Band bestand schon vorher. Aber mit dem 55-Jährige Mercury-Double seien sie erst richtig bekannt geworden, sagen seine Kollegen. Das Aussehen mache eine Menge aus.

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“Freddie Mercury hat mich schon als Kind berührt”, sagt Harry Rose. Trotzdem habe er nie daran gedacht, einmal in die Rolle des weltberühmten Sängers zu schlüpfen. Und so habe er am Anfang auch noch mit der Rolle des weltberühmten Sängers gefremdelt.

“Ich habe erst nicht Schnauzer tragen wollen”, sagt Harry Rose. Dann habe er sich einen falschen Schnauzer gekauft. Doch: “Mit dem angeklebten Teil kannst du nicht singen und der ist auch immer abgefallen.” Seitdem trägt und pflegt er einen richtigen Schnauzer.

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Nicht nur das Aussehen ist täuschend echt, auch Requisiten haben der Sänger und die Band über die Jahre gesammelt.

Mehrere Mercury-typische Lederjacken und ein Replika der bekannten Krone, die Mercury bei Auftritten gerne trug.

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Während sich Harry Rose auf seinen Auftritt vorbereitet, versammeln sich die ersten Gäste wenige Meter weiter im Empfangsbereich des Bodenseeforums. Das Haus ist an diesem Abend nicht ausverkauft.

Vor allem ältere Menschen sind gekommen, der ein oder andere wird noch den richtigen Freddie Mercury auf der Bühne gesehen haben.

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Menschen wie Monika Landert – Jahrgang 1959. Sie wohnt bei Schaffhausen und ist für den heutigen Abend mit den beiden Töchtern und ihrem Ex-Mann angereist.

Freudestrahlend steht sie im Foyer, sie trägt ein knalliges T-Shirt mit Freddie-Mercury-Aufdruck.

Bild: Lukas Ondrekja

“Ich bin totaler Queen-Fan”, sagt Monika Landert und grinst. “Ich war ein bisschen verliebt in Freddie. Als er gestorben ist, da war ich am Boden zerstört.”

Sie besuche regelmäßig Konzerte von Queen-Revivalbands, aber die mit Harry Rose sei besonders, eine der besten. Als sie die Band das erste Mal gesehen habe, da sei ihr das unheimlich gewesen. “Da stand für mich Freddie auf der Bühne – irgendwie echt.”

Wenige Minuten später ist es so weit: Monika Landert sitzt in der ersten Reihe. Buntes Licht flutet die Bühne. Der Sound fetzt.

Und sie klatscht ihm zu, dem irgendwie echten Freddie Mercury.

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