Der Berliner Künstler Yadegar Asisi und das Team in seinem Atelier beginnen umgehend mit der Erstellung eines fast 3500 Quadratmeter großen Bildes von Konstanz, wie es zur Zeit des Konzils vor 600 Jahren ausgesehen haben könnte. Nachdem der Gemeinderat den Weg für den Bau eines 360-Grad-Panoramas freigemacht hat, kündigte Asisi dem SÜDKURIER gegenüber an, das Projekt nun mit Hochdruck weiterzuverfolgen. Er ist bereits mit einer Kollegin in Konstanz, die alle verfügbaren Quellen und historischen Hintergründe zu dem kirchen- und weltpolitisch bedeutsamsten Ereignis des späten Mittelalters recherchiert. Mit der Konzilstadt Konstanz liefen dazu bereits Gespräche.

Künstler bietet Konstanzer Museen Zusammenarbeit an

Auch dem Rosgartenmuseum, dessen Direktor Tobias Engelsing sich zunächst skeptisch zu den Asisi-Plänen geäußert hatte, bot er seine Zusammenarbeit an. Mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin, einem der großen Akteure der deutschen Museumswelt, habe er sehr gute Erfahrungen in der Kooperation gemacht. "Ich denke, daran können wir auch hier in Konstanz anknüpfen", sagte Asisi.

Alltag zur Zeit des Konstanzer Konzils: So hielt es der Chronist Ulrich Richental fest.
Alltag zur Zeit des Konstanzer Konzils: So hielt es der Chronist Ulrich Richental fest. | Bild: Konzilstadt Konstanz

Ein Panorama zum Thema Konstanzer Konzil schließe für ihn eine ebenso wichtige wie interessante Lücke zwischen seinen beiden bereits fertiggestellten Großbildern zu Wendepunkten in der Geschichte der Christenheit. In "Rom 312" thematisiert Yadegar Asisi den Einzug von Kaiser Konstantin in Rom und damit die Etablierung der damals neuen Religion; das Bild ist derzeit im alten Gasometer Pforzheim zu sehen. "Luther 1517" mache mit der Reformation ebenfalls einen bedeutsamen Moment zum Thema.

Asisi hält das Konzil für einen bedeutsamen Wendepunkt

Das Konstanzer Konzil als letzter Versuch, die Kirche zu einen und als gesellschaftlich bedeutsames Ereignis gleichermaßen stelle eine Brücke zwischen beiden bereits bestehenden Arbeiten dar. Das Konstanz-Panorama werde für Konstanz gemalt, in fernerer Zukunft könnten in dem geplanten Neubau bei der Schänzlebrücke aber auch die beiden anderen Werke gezeigt werden, so Asisi.

Henry Gerlach, Autor und Stadtführer, schlüpft immer wieder in die Rolle Ulrich Richental – der Erfolg seiner inszenierten Stadtführung "Hofnarr, Spion und Richental" belegt das Interesse am größten Ereignis der Stadtgeschichte.
Henry Gerlach, Autor und Stadtführer, schlüpft immer wieder in die Rolle Ulrich Richental – der Erfolg seiner inszenierten Stadtführung "Hofnarr, Spion und Richental" belegt das Interesse am größten Ereignis der Stadtgeschichte. | Bild: Tourist-Information Konstanz

Asisi betont, seine Arbeiten seien mehr als leichte Unterhaltung. Die großen Panoramen mit ihren unzähligen einzelnen Szenen erzählten Geschichten, die die Betrachter zu einer Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Gegenwart einladen sollten. "Kunst muss in die Herzen der Menschen treffen und sollte nicht nur den Kopf ansprechen", erklärt der in Wien geborene und in Leipzig aufgewachsene Architekt und Maler.

Ein trauriger Höhepunkt des Konstanzer Konzils, das auch auf Yadegar Asisis Panorma nicht fehlen wird: Der Reformator Jan Hus wird auf dem Scheiterhaufen verbrannt, hier dargestellt in der Richental-Chronik.
Ein trauriger Höhepunkt des Konstanzer Konzils, das auch auf Yadegar Asisis Panorma nicht fehlen wird: Der Reformator Jan Hus wird auf dem Scheiterhaufen verbrannt, hier dargestellt in der Richental-Chronik. | Bild: Konzilstadt Konstanz

Auch deshalb suche eine eigens eingesetzte Rechercheurin nach Begebenheiten, Schauplätzen und Szenen aus der Konzilszeit. Bald beginne die Arbeit mit Fotografen, die Orte und Menschen in historischen Kleidern fotografierten. Die Aufnahmen aus diesem und dem nächsten Sommer würden dann zur Grundlage des Bildes mit einem Umfang von über 100 Metern und einer Höhe von 32 Metern.

Der Turm an der Schänzlebrücke soll 40 Meter hoch werden

Wolfgang Scheidtweiler sagte für die Konstanz/Pforzheimer Investorengesellschaft, nach dem klaren Mehrheitsbeschluss des Gemeinderats werde das Architekturbüro Sauerbruch Hutton umgehend mit der Planung des 40 Meter hohen Zylinders an der Schänzlebrücke beauftragt. Er zeigte sich froh über das klare politische Votum. Die Stadtverwaltung und dort vor allem Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn hätten das Vorhaben sehr engagiert begleitet.

Wolfgang Scheidtweiler, Sprecher der Investorengruppe, sagt: "Jetzt haben wir Klarheit, darüber sind wir froh. Wir packen jetzt unsere Aufgaben an und rechnen damit, dass das Panorama im Frühjahr 2020 eröffnet wird."
Wolfgang Scheidtweiler, Sprecher der Investorengruppe, sagt: "Jetzt haben wir Klarheit, darüber sind wir froh. Wir packen jetzt unsere Aufgaben an und rechnen damit, dass das Panorama im Frühjahr 2020 eröffnet wird." | Bild: Rau, Jörg-Peter

"Wir werden ein hochwertiges Gebäude erstellen, das zu einem weiteren Wahrzeichen der Stadt werden soll", sagte Scheidtweiler. Er gehe von einer Eröffnung des Panoramas im Frühjahr 2020 aus – das würde bedeuten, dass auf dem von der Stadt zu erwerbenden Grundstück direkt bei den Auffahrten zur Neuen Rheinbrücke im Jahr 2019 Baustelle ist.

Pro und Contra: So verlief die politische Debatte

Formal ging es nur um ein Grundstücksgeschäft, aber die Debatte im Gemeinderat zeigte noch einmal die unterschiedlichen Positionen zum Asisi-Panorama auf.

  • Die Kritiker: Peter-Müller Neff von der Freien Grünen Liste argumentierte mit dem Städtebau. So lange nicht klar sei, wie auf dem benachbarten Areal Schänzle-Nord geplant wird (vorgesehen ist Gewerbe, Handel, Wohnen und ein Mobilpunkt mit einem 800-Plätze-Parkhaus), mache der Rat mit einer Vorentscheidung zum Asisi-Panorama "den zweiten Schritt vor dem ersten". Als Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn eine Erklärung vom Vorsitzenden des Gestaltungsbeirats, Jörg Aldinger, vorstellte, nach der die beiden Projekte sich nicht behinderten, sprach Müller-Neff von einem "bestellten Gutachten". Till Seiler (FGL) kritisierte auch die Inhalte, über die man reden müsse, selbst wenn das Projekt ohne öffentliches Geld errichtet werde. Es sei nicht sichergestellt, dass dort dauerhaft eine Arbeit mit Bezug zu Konstanz gezeigt werde, nachdem Asisi ja auch schon ein Panorama vom Amazonas-Dschungel geschaffen habe. Alfred Reichle von der SPD zeigte sich "überzeugt, dass es sicher ein Besuchermagnet werden wird", sah darin aber Probleme. Noch mehr Tagestourismus sei nicht nachhaltig und belaste die Stadt. Sein Fazit: "Konstanz braucht das nicht."
  • Die Befürworter: Heinrich Fuchs von der CDU sagte, der 40 Meter hohe Zylinder schaffe einen "Kontrapunkt zu den gewaltigen Brückenbauwerken", das Projekt werde der Stadt "sehr gut tun." Ewald Weisschedel (Freie Wähler) nannte das Projekt "fabelhaft", Heinrich Everke (FDP) sah eine Stärkung des Tourismus-Standorts. Sabine Feist (CDU) sprach von einer "an den Haaren herbeigezogenen Kritik" und nannte es richtig, an der Stelle mutig in die Höhe zu bauen. Konstanz müsse ein Kulturangebot für vielerlei Geschmäcker und Zielgruppen bieten. Jan Welsch (SPD) sagte, die Kritik am zuvor geplanten Standort direkt am Rhein beim Bodenseeforum sei wichtig und gut gewesen, nun gebe es eine bessere Lösung und für die Stadt auch ein sehr gutes Verhandlungsergebnis, nachdem die Investoren die Pacht auf 15 Jahre im Voraus bezahlen und der Grundstücks-Kauf für rund 445 000 Euro für die Stadt finanziell ein Durchlaufposten ist.
  • Die Abstimmung: 28 Jastimmen vor allem aus dem Bürgerlichen Lager, sieben Neinstimmen und vier Enthaltungen aus den Reihen von Freier Grüner Liste, SPD und Linker Liste.