Reichenau – Pellkartoffeln mit Butter und Käse sei eines seiner Leibgerichte, erklärt Victor Maurer. „Das krieg’ ich schon selber hin“, fügt der 58-jährige Reichenauer schmunzelnd an. Auch sonst könne er eine paar Grundgerichte zubereiten – wie Nudeln oder Curryreis. Und seine Frau könne sehr gut kochen. Dennoch möchte er beim neuen Angebot von Jürgen Möhrle mitmachen: Der 59-Jährige bietet ab kommenden Montag ehrenamtlich zum Unkostenpreis einen Anfängerkochkurs speziell für Männer an in der Schulküche der Walahfrid-Strabo-Schule. „Ich will auch mal selber kochen oder am Wochenende für die Frau“, erklärt Victor Maurer seine Motivation. „Was mich interessiert ist, wie ich’s verfeinern kann, mit welchen Gewürzen. Wie kann ich eine Soße eindicken, welche Möglichkeiten gibt es, aus einem Grundessen etwas Pfiffiges zu machen?“

"Früher nie Zeit gehabt zum Kochen"

Für Karl Deggelmann ist der Herd noch mehr Neuland. „Ich kann einen guten Salat machen“, so der 78-jährige Reichenauer, „aber sonst ist es nicht weit her. Ich kann mit nichts prahlen.“ Er wolle ganz allgemeine, normale Sachen lernen – zum Beispiel wie man Steak mit Kartoffeln mache, Kässpätzle oder eine Gemüsepfanne. Bisher sei das nicht nötig gewesen, auch seine Frau koche gut. Und: „Ich hatte früher nie Zeit“, erklärt Karl Deggelmann. Aber wenn er mal selber was kochen könne, würde sich seine Frau sicher freuen, meint der 78-Jährige. Und er mache auch mit, weil er mit Möhrle befreundet sei. „Ich weiß, dass der Jürgen was kann in der Küche.“

Hobbykoch Jürgen Möhrle (Mitte) bietet einen Anfängerkochkurs für Reichenauer Männer in der Schulküche der Walahfrid-Strab-Schule an. Karl Deggelmann (links) und Victor Maurer sind die ersten beiden, die mitmachen wollen. Bild: Thomas Zoch
Hobbykoch Jürgen Möhrle (Mitte) bietet einen Anfängerkochkurs für Reichenauer Männer in der Schulküche der Walahfrid-Strab-Schule an. Karl Deggelmann (links) und Victor Maurer sind die ersten beiden, die mitmachen wollen. Bild: Thomas Zoch

Der Kurs hat einen ernsten Hintergrund

Dabei ist der Grundgedanke eher ernster Natur, wie Jürgen Möhrle erläutert. Auf die Idee für einen Kochkurs für Männer sei er vor einigen Wochen durch einen Artikel im SÜDKURIER gekommen über das Hilfsangebot des Vereins Leben im Alter, bei dem unter anderem regelmäßig für ältere Menschen gekocht werde, die das nicht mehr können. Gerade für Männer – egal welchen Alters – könne das Thema Kochen zum Problem werden aus ganz unterschiedlichen Gründen, meint Möhrle: weil die Frau krank werde, in die Reha müsse, ebenso bei einer Trennung oder wenn es gar einen Todesfall gebe. „Dann stehen die Männer da und wissen nicht, wie man das Wasser anbrät“, meint Jürgen Möhrle ebenso scherzhaft wie ernst.

Er kenne dieses Problem aus eigener Erfahrung. Seine Mutter sei krank gewesen und oft im Krankenhaus. Da seien sein Vater, Bruder und er öfter in dieser Situation gewesen. Und vor gut 20 Jahren sei eine seiner fünfjährigen Zwillingstöchter sehr krank geworden. Seine Frau sei mit dem Kind acht Wochen lang im Krankenhaus gewesen, so Möhrle, der von Beruf Architekt ist. Mit dem anderen Mädchen sei er dann öfter Essen gegangen. „Abends haben wir manchmal gekocht – und manchmal haben wir’s in den Mülleimer geworfen und sind zu McDonald’s.“ Damals habe er dann selbst zum ersten Mal an einem Kochkurs teilgenommen. „Seither ist das zum Hobby geworden.“ Er habe etliche weitere, ganz unterschiedliche Kochkurse in der Region besucht, teils auch mit Frau und Töchtern. Er koche oft am Wochenende. Und: „An Wehnachten ist es Tradition, dass es ein Vier-Gänge-Menü gibt, und jeder macht einen Gang.“

Zwei Gänge in 90 Minuten

So oppulent soll es natürlich in seinem Kochkurs für Männer nicht werden, aber ein Gericht mit zwei Gängen wolle er schon jeweils in rund 90 Minuten zubereiten. Und anschließend wird dies dann auch verzehrt. Er wolle mit einfachen Gerichten anfangen und die Rezepte so aufschreiben, dass diese gut verständlich seien, so Möhrle. Die Ideen hierfür hole er aus dem Internet, Kochbüchern oder er nehme eigene Kreationen. Dabei gehe es aber auch um ganz grundlegende Dinge, zum Beispiel wie viel Nudeln oder Fleisch man für eine oder zwei Personen nehmen sollte. Oder wie und wann man am besten etwas vorbereite fürs Kochen. Oder auch darum, wann ins Nudelwasser das Salz und die Nudeln kommen und was man sonst noch reinmachen könne, damit es besser schmecke – etwa Chili oder Lorbeer. Unsinnig sei dagegen manches, was als Ratschläge kursiere; zum Beispiel Öl ins Nudelwasser zu kippen, weil dieses auf dem Wasser schwimme und die Nudeln darunter. Und man sollte die Nudeln auch nicht mit kaltem Wasser abschrecken, so Möhrle, weil man dadurch den Kleber von den Nudeln abwasche, durch den die Soße später besser an diesen hafte. „Das sagt einem heute jeder Koch.“

Rezepte sind regional und saisonal

Bei den Rezepten wolle er regional und saisonal kochen, so Möhrle, zum Beispiel auf die bald beginnende Spargelsaison eingehen. Und auf der Reichenau biete es sich natürlich an, Gemüse, Salate und Fisch zu verwenden. Ein Felchenfilet dürfe man zum Beispiel nicht zu lang braten, weil es sonst trocken werde, erklärt Möhrle: „Der Fisch ist schon tot. Den muss man nicht noch toter machen.“ Und für einen Gemüseeintopf müsse man die diversen Gemüse nicht zusammen lang kochen, sondern könne diese auch nur kurz blanchieren und dann im Teller mit Gemüsebrühe übergießen. Er wolle aber auch auf Wünsche eingehen und alles auf sich zukommen lassen, so der 59-Jährige. Vielleicht habe mancher Teilnehmer auch ein Leibgericht, das er gern kochen möchte.

Wichtig sei ihm, so Jürgen Möhrle, dass der Kochkurs für alle Reichenauer Männer sei – nicht nur für Inselbewohner, sondern auch für die vom Festland. Und es gebe keine Verpflichtung, regelmäßig teilzunehmen. Wer mal nicht könne, solle das ihm halt mitteilen, damit er entsprechend weniger einkaufe. Und neue Interessenten könnten unverbindlich schnuppern. Für die Nutzung der Schulküche müsse er 15 Euro pro Abend an die Gemeinde bezahlen, hinzu kommen die Kosten für die Lebensmittel, die er auf die Teilnehmer umlege.

Viel positive Resonanz

Er habe schon viel positive Resonanz erhalten, berichtet Möhrle. „Alle Leute, die ich getroffen habe, sagten super Idee.“ Auch Frauen hätten gemeint, dann könnten sie mal weggehen, ohne für ihre Männer vorkochen zu müssen. Allerdings sei der zunächst bis zu den Sommerferien laufende Kurs nur für Einwohner der Gemeinde Reichenau, so Möhrle: „Es ist eine Dorfgeschichte, wo man einander hilft und damit vielleicht die Dorfgemeinschaft fördert, neue Bekannte findet.“ Auch Karl Deggelmann und Victor Maurer erklären, sie hätten die Idee spontan gut gefunden. Wobei Maurer anmerkt: „Es geht nicht nur ums Kochen, der gesellige Aspekt ist genauso wichtig, wenn man zusammensitzt und isst.“

Der Reichenauer Jürgen Möhrle macht seinen Anfängerkochkurs für Männer ab 9. April immer montags ab 19 Uhr in der Schulküche der Walahfrid-Strabo-Schule auf der Insel Reichenau. Interessenten können spontan dazu kommen oder sich vorab informieren unter Telefon (0 75 34) 16 02 sowie 0171/747 16 02.