Es ist Sonntag, 23.31 Uhr, als die Rettungsleitstelle die Kräfte der Konstanzer DLRG alarmiert. Ein Boot mit vier Mann an Bord befindet sich rund 200 Meter vor der Insel Mainau in Seenot. „Wasser war in den Motorraum eingedrungen“, sagt DLRG-Einsatzleiter Clemens Menge am Tag danach. „Der Antrieb funktionierte nicht mehr, das Boot war manövrierunfähig.“

Nicht das einzige Problem: Denn just in diesem Moment zieht in dieser Nacht eine Gewitterfront auf. Der Bootsführer setzt einen Notruf ab.

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Rettungskräfte können das manövrierunfähige Boot abschleppen

„Wir sind mit einem sturmtauglichen Boot ausgerückt“, sagt Menge. Ein zweites Boot inklusive Einsatztaucher bleibt am William-Graf-Platz in Bereitschaft – „um auf das Schlimmste vorbereitet zu sein“.

Das sturmtaugliche Boot „Philipp Hund“ der DLRG Konstanz kam am vergangenen Sonntag vor der Insel Mainau zum Einsatz.
Das sturmtaugliche Boot „Philipp Hund“ der DLRG Konstanz kam am vergangenen Sonntag vor der Insel Mainau zum Einsatz. | Bild: DLRG Konstanz

Vor Ort stellt sich die Lage weniger dramatisch dar als zunächst angenommen. „Die Besatzung hatte Glück, dass der schwerste Teil des Unwetters knapp oberhalb der Mainau durchgezogen ist“, sagt Menge. Die DLRG kann das Boot trotz starken Wellengangs an den Haken nehmen und es in den Arge-Hafen bei Staad schleppen. Dort sei es aus dem Wasser geholt worden, „um sicher zu gehen, dass es über Nacht nicht sinkt“, so Menge.

Weshalb das Boot so spät abends noch unterwegs war, ist nicht bekannt. Auch den Grund, warum Wasser in den Motorraum eingedrungen war, konnte die Inspektion vor Ort nicht klären.

Bootsführern auf dem Bodensee mangelt es an Erfahrung und Vorsicht

„Es hätte wesentlich Schlimmeres passieren können“, ist sich Clemens Menge am Tag nach dem Einsatz sicher. „Ein manövrierunfähiges Boot wird schnell zum Spielball des Unwetters.“

Clemens Menge, Vorsitzender der DLRG Konstanz und Einsatzleiter am vergangenen Sonntag.
Clemens Menge, Vorsitzender der DLRG Konstanz und Einsatzleiter am vergangenen Sonntag. | Bild: SK

Immer häufiger erlebe er, dass Bootsbesatzungen für die Fahrt auf dem Bodensee schlecht vorbereitet seien, sagt Menge, so auch in diesem Fall. „Viele Leute wissen nicht, wie sie sich bei einem Sturm verhalten sollen. Sie sind dann – um es plump auszudrücken – häufig unsere Kundschaft.“

Das Wetter schlägt in diesem Jahr besonders oft schnell um

Um den See sicher zu befahren, sei ein Blick auf die Wettervorhersage unerlässlich. Denn verglichen mit dem vergangenen Rekordsommer, sagt Menge, häuften sich in diesem Jahr die schnellen Wetterumschwünge und die starken Gewitter in der Region. „Geschieht das außerdem an einem Wochenende, steigt auch die Anzahl unserer Einsätze merklich.“

Er rät Bootsführern, die Sturmwarnleuchten entlang des Ufers ernst zu nehmen. 90 Blitze in der Minute seien das Signal für einen aufkommenden Sturm.

Wer es nicht mehr rechtzeitig in den sicheren Hafen schaffe, solle einen Treibanker ausbringen. Der verhindere, dass das Boot von den Wellen zum Kentern gebracht wird. „Auch das Ankern in einer Bucht ist sinnvoll“, sagt Menge. „Und absolute Pflicht ist in einem solchen Fall das Tragen der Rettungswesten“, sagt Menge.